Mannheim
Kuriose Begründung: Atlantis-Kino in Mannheim muss nicht schließen, tut es aber vorerst
Mit sofortiger Wirkung ist das Atlantis-Kino in den Mannheimer Quadraten am Mittwoch, 25. Februar, vorübergehend geschlossen worden – und das wird aus Betreibersicht vorerst auch so bleiben. Das kuratierte Programm, mit dem das Filmtheater in den vergangenen Jahren immer wieder Preise gewonnen hat, soll in der Zwischenzeit in die Schwester-Betriebe integriert werden, die von derselben Geschäftsführer-Riege Andreas Kunzi, Oliver Kunzi und Oliver Lebert geleitet werden: die Planken-Lichtspiele, „das erst im letzten Jahr umfassend entkernte und mit viel Liebe zum Detail neu gestaltete Kino in P4“ sowie Mannheims ältestes Kino Odeon in G7, heißt es in der Pressemitteilung des Unternehmens (wir berichteten). Das Atlantis sei eine „Herzensangelegenheit“ und solle erhalten bleiben, versicherten die Betreiber. Warum dieser „drastische Schritt“ dennoch „alternativlos“ sei, erläutern sie auf Nachfrage näher. Und dazu muss man die – zuletzt leidvolle – Geschichte des Kinos kennen.
Vergebliche Suche nach Dokumenten
Nach dem plötzlichen Tod des langjährigen Geschäftsführers und alleinigen Gesellschafters Hans Laumann im September 2023 geriet der Betrieb im Sommer 2024 auch noch durch eine Stromnachzahlung von 43.000 Euro, die sich aufgrund eines Berechnungsfehlers aufsummiert hatte, in eine finanzielle Notlage. Ein Insolvenzverfahren sollte das traditionsreiche Kino retten, das seit 1950 in Mannheim existiert. „Wir, Andreas und Oliver Kunzi, haben erst im Juli 2025 die Kino Atlantis Mannheim GmbH übernommen, um die Kinos Atlantis und Odeon langfristig zu betreiben. Wir haben unmittelbar nach unserem Einstieg versucht, alle für den Betrieb erforderlichen Dokumente aufzutreiben.“ Sie hätten die Akten durchsucht und die fehlenden baurechtlichen Genehmigungsunterlagen bei der Vermieterin des Gebäudes, dem Verein Mannheimer Liedertafel, und bei der Stadt angefordert. Die Unterlagen seien nicht auffindbar.
Baubehörde hat Brandschutz im Blick
Das bestätigt auf Nachfrage das Baurechtsamt. Die Baugenehmigung sei im Stadtarchiv nicht gefunden worden, berichtet der Büroleiter des Baudezernats Adnan Werning. Er sieht darin jedoch kein Problem: Die Baurechtsbehörde und die Feuerwehr haben die Versammlungsstätte ihmzufolge im Juni 2024 inspiziert. „Hier wurden keine erheblichen Beanstandungen hinsichtlich des Brandschutzes festgestellt.“ Die nächste Begehung stünde 2027 an. „Der Betrieb konnte durchgehend uneingeschränkt weitergeführt werden.“ Der Behörde sei kein Sachverhalt bekannt, der ein Vorgehen erforderlich machen würde. Im Klartext: „Aus unserer Sicht kann das Kino weiterbetrieben werden.“ Die Verwaltung werde den Betreiber kontaktieren und offene Fragen klären.
Vorerst halten Andreas und Oliver Kunzi jedoch an der Schließung fest und begründen das: „An der Situation aus Betreibersicht hat sich bislang nichts geändert, da weiterhin keine Baugenehmigung und kein Brandschutzkonzept vorliegen. Sobald die Stadt diese Unterlagen bereitstellen kann, kann die Situation neu bewertet werden. Das Atlantis kann daher weiterhin vorerst nicht wieder in Betrieb gehen.“ Darüber hinaus gebe es keine weiteren Gründe für die Schließung.