Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Kostenlose Masken? Apotheken am Limit

Eine Aufnahme aus dem Stadtteil Süd. Die kostenlosen FFP2-Masken sind in vielen Apotheken in der Stadt Mangelware. Wer möchte, k
Eine Aufnahme aus dem Stadtteil Süd. Die kostenlosen FFP2-Masken sind in vielen Apotheken in der Stadt Mangelware. Wer möchte, kann sie aber in den meisten Läden ganz regulär kaufen.

Es war eine wichtige Botschaft der Bundesregierung: Menschen ab 60 und Risikopatienten dürfen sich auf Staatskosten mit drei FFP2-Masken zum Schutz vor einer Corona-Infektion eindecken. Seit Dienstag läuft die Ausgabe – allerdings mit großen Problemen und viel Frust.

Gut gemeint heißt nicht immer gut gemacht – diese Weisheit scheint auch auf das Projekt FFP2-Masken zuzutreffen. Die Bundesregierung wollte mit ihrer Ankündigung Sicherheit ausstrahlen: Die besonders gefährdeten Gruppen können sich drei dieser Masken, die besonders gut vor einer Ansteckung schützen, kostenlos in einer Apotheke abholen. Ausgabebeginn war der Dienstag. Es dauerte sich nicht lange, da meldeten sich die ersten Leser. Eine Frau schreibt, dass sie vergeblich in einigen Apotheken war. Entweder waren gar keine Masken vorhanden, sie werden erst noch geliefert oder es gibt sie nur für Stammkunden. „Danke für gar nix, Herr Spahn“, meint die Leserin süffisant an die Adresse von CDU-Gesundheitsminister Jens Spahn gerichtet. Eine andere Leserin weiß von ihrer Stamm-Apotheke: Masken gibt’s erst nächste Woche. Aus der Gartenstadt berichtet ein Leser: Er hatte keinen Erfolg, da die Apotheke vor Ort nur Stammkunden versorge. Er ist frustriert: „Wo bekommen alle Ü 60 Masken? Auch wenn sie keine Stammkunden sind?“

„Erst liefern, dann ankündigen“

Sind das drei Einzelmeinungen von Bürgern, die Pech hatten? Nein, wie eine Umfrage bei Apotheken zeigt. Dort werden dieselben Probleme beklagt. Eine Mitarbeiterin der Süd-Apotheke in der Mundenheimer Straße etwa beschreibt die Zustände als „katastrophal“. Am Mittwochmorgen hätten sich lange Schlangen gebildet. Die Apotheke habe sich nicht mehr anders zu helfen gewusst, als einen Zettel aufzuhängen: „Wir haben keine Masken mehr.“ 200 Stück seien am späten Dienstagnachmittag eingetroffen. „Nur die Hälfte von dem, was wir bestellt hatten.“ Bis Mittwoch, 10 Uhr, waren alle weg. Die Mitarbeiterin beklagt, dass die Regierung die Apotheken im Stich lasse: „Man hätte die Ware erst verteilen müssen und dann die Ausgabe ankündigen dürfen.“ So seien viele verärgert – auch etliche Kunden hätten auf die Regierung geschimpft. Die Süd-Apotheke reagierte auf die Knappheit und versorgte zunächst Stammkunden. Und Nachschub? „Kommt erst nächste Woche“, so die Mitarbeiterin.

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„Mit diesem Ansturm haben wir nicht gerechnet. Die Nachfrage ist enorm gestiegen. Die sind alle weg, wir bekommen erst nächste Woche wieder eine Lieferung. Bei uns herrscht Land unter“, berichtet auch Johanna Bilfinger-Trimborn als Inhaberin der Nibelungen-Apotheke in West. Über die Anzahl der ausgegebenen und bestellten FFP2-Masken will sie lieber nicht sprechen.

„Diese Ankündigung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn kam sehr kurzfristig und ist wenig durchdacht. Ich bin außer mir – so geht das nicht“, schimpft Elke Koch-Böhn, Inhaberin der Robert-Koch-Apotheke in der Bismarckstraße in der Innenstadt. Seit Montag gebe es Hunderte Anfragen wegen der FFP2-Masken. Der Vorrat sei schnell vergriffen gewesen. Die 52-Jährige hat 1500 Masken bei einem Großhändler bestellt. Doch da alle bundesweit 19.000 Apotheken auf einen Schlag bestellt hätten, gebe es nun Lieferengpässe. „Wir hoffen, sie kommen bald.“ Sie rechnet aber erst kommende Woche mit einer Lieferung.

„Risikogruppe sollte zu Hause bleiben“

„Diese Ankündigung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn kam sehr kurzfristig und ist wenig durchdacht. Ich bin außer mir – so geht das nicht“, sagt Elke Koch-Böhn, Inhaberin der Robert-Koch-Apotheke in der Bismarckstraße. Seit Montag gebe es Hunderte Anfragen wegen der FFP2-Masken. Der Vorrat sei schnell vergriffen gewesen. Die 52-Jährige hat 1500 Masken bei einem Großhändler bestellt. Doch da alle 20.000 Apotheken in Deutschland auf einen Schlag bestellt hätten, gebe es nun Lieferengpässe. „Wir hoffen, sie kommen bald. “ Sie rechnet erst kommende Woche mit einer Lieferung. Unterdessen steht bei ihr das Telefon nicht still, ständig kommen Kunden vorbei und fragen nach den drei kostenlosen Masken. Die Apothekerin hält es für wenig sinnvoll, dass sich Alte und Kranke in der aktuellen Infektionslage auf den Weg zur Apotheke machen, um Masken abzuholen. „Diese Risikogruppe sollte besser zu Hause bleiben.“

Vor einer Friesenheimer Apotheke hat sich schon vor der Öffnung am Mittwochmorgen eine Schlange mit acht bis zehn älteren Menschen gebildet. An der Tür hängt ein Schild: FFP2-Masken gebe es vielleicht ab Mittwoch oder Donnerstag. Als die Tür sich öffnet und die Mitarbeiter verkünden, dass keine Masken da sind, löst sich die Reihe schnell und enttäuscht auf. Die Apothekerin ist verdutzt: Plötzlich ist kein Kunde mehr da. Nur eine junge Frau kann nun unerwartet schnell ihr Rezept einlösen. Masken wollte sie keine abholen.

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