Böhl-Iggelheim RHEINPFALZ Plus Artikel Kommune stoppt den Ausbau von Kita-Plätzen

Die Gemeinde Böhl-Iggelheim rechnet mit immer weniger Kita-Kindern in den kommenden Jahren.
Die Gemeinde Böhl-Iggelheim rechnet mit immer weniger Kita-Kindern in den kommenden Jahren.

300.000 Kita-Plätze fehlten dem Institut der Deutschen Wirtschaft zufolge Ende 2025 in Deutschland. Doch Böhl-Iggelheim stoppt die Ausbaupläne einer Kita. Was dahintersteckt.

Bürgermeister Peter Christ (CDU) wusste um die Bedeutung seiner Worte gegen Ende der Ratssitzung. „Ich bitte nun um Ihre Aufmerksamkeit! Das ist ein sehr wichtiges Thema“, sagte er. Er teilte mit, dass die Verwaltung beschlossen habe, den Ausbau der Kindertagesstätte Römerstraße zu stoppen. 70 weitere Plätze sollten dort entstehen. So wurde es im vergangenen Jahr vom Rat beschlossen. Die geschätzten Kosten beliefen sich auf 2,7 Millionen Euro. Die Zahl der benötigten 70 Plätze – derzeit werden dort rund 90 Kinder betreut – resultierte aus Berechnungen, die die Bedarfe aller Kitas in der Kommune widerspiegeln, um die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen. Im Wesentlichen ist das der Anspruch auf Ganztagsbetreuung – Stichwort: Kita-Zukunftsgesetze.

Die Entscheidung für den Stopp des Ausbaus sei nach der jüngsten Trägerrunde gefallen. Das ist ein regelmäßiges Treffen der Träger der Kindertagesstätten – also von Vertretern der Kommune, der Kirchen und des Kreisjugendamts. Zwei Parameter haben sich laut Christ geändert. Zum einen plane die evangelische Kirche, ihre Einrichtung Vogelnest so zu sanieren, dass keine Kita-Plätze ausgelagert werden müssten. Dadurch entfallen 20 der 70 Plätze.

Ein weiteres Thema seien die neuesten Tendenzen beim Bedarf an Kita-Plätzen in Böhl-Iggelheim. Der falle nun geringer aus – aufgrund sinkender Geburtenzahlen. „Daraus resultiert, dass in Böhl-Iggelheim mittelfristig kein Bedarf an zusätzlichen Kita-Plätzen besteht“, sagte Christ. Berücksichtige man die Entwicklung der Geburtenraten weiter, würde es rechnerisch schon 2027 einen Überhang von vier Kita-Plätzen in der Kommune geben.

Reißleine gezogen

Unter diesen Umständen könne und wolle die Verwaltung den Ausbau der Kita in der Römerstraße nicht weiter vorantreiben. Denn: Landeszuschüsse seien an den ermittelten Bedarf gekoppelt, erklärte Peter Christ. Mit anderen Worten: Baut die Kommune dennoch aus, gibt es keine Fördermittel, die den Eigenanteil schmälern und die Gemeindekasse schonen würden. „Auch wenn bereits Kosten für die Planung entstanden sind, haben wir uns entschieden, die Reißleine zu ziehen“, verdeutlichte der Bürgermeister.

Heike Claassen (CDU) äußerte als Erste ihre Verwunderung. Der Beschluss, auszubauen, sei erst 2025 gefasst worden. „Hat man sich da so verrechnet?“, fragte sie. Auch Pia Möller-Reibsch (SPD) mochte es nicht recht glauben, „dass wir so falsch in die Zukunft geplant haben“. Sie erinnerte daran, dass die Bedarfsplanung des Rhein-Pfalz-Kreises in der Vergangenheit „auch nicht immer zielgenau war“.

Christ erklärte es noch einmal – diesmal mit Zahlen. Man habe vor dem Beschluss, mehr Kita-Plätze zu schaffen, mit mehr Geburten in der Gemeinde kalkuliert. Hinzu kommen die Plätze, die bei den freien Trägern nicht wegfallen. Derzeit geht man von durchschnittlich 75 Kindern aus, die im kommenden Jahr in beiden Ortsteilen einen Kita-Platz benötigen. „Demnach werden 375 Plätze in der Gemeinde im Jahr 2027 gebraucht. Derzeit haben wir 379 Kita-Plätze“, rechnete der Bürgermeister vor und ergänzte: „Früher oder später wird das auch die Schulen betreffen.“

Immer weniger Kreisbürger

Die aktuelle Gemeindestatistik der „Gesellschaft für Kommunikation und Wissenstransfer“ bestätigt seine Prognose. Demnach sinkt die Anzahl der einzuschulenden Kinder im Rhein-Pfalz-Kreis in den kommenden fünf Jahren stetig. 2026 waren es laut der Statistiker 1627 Kinder, im Jahr 2031 werden es 1263 sein.

Und auch im derzeitigen Kita-Bedarfsplan des Rhein-Pfalz-Kreises von August 2025 war die Tendenz der sinkenden Geburtenjahrgänge bereits sichtbar. Pro Jahr (erfasst von 1. September bis 31. August des jeweiligen Jahres) sind stetig weniger Kreisbürger geboren worden. 2019/20 waren es 1619 Kinder, 2023/24 wurden 1320 Geburten verzeichnet.

Das wirkt sich auf den Bedarf aus. Schon in diesem Jahr gibt es im gesamten Kreisgebiet – gemessen an den Geburtsjahrgängen – einen Überhang von 110 Plätzen für Zwei- bis Sechsjährige und einen Fehlbedarf von 242 Plätzen für Unter-Zweijährige. Für das Kita-Jahr 2028/29 würde es – als Vorausberechnung auf Grundlage der aktuellen Kinderzahlen – 858 Kita-Plätze zu viel geben, für Unter-Zweijährige würden 297 Plätze fehlen. Doch dies sind kumulierte Zahlen, also eine Zusammenrechnung aller Plätze in allen Kommunen. Es kann also dennoch sein, dass in einzelnen Kommunen eine Kita-Platznot herrscht.

„Die gibt es in Böhl-Iggelheim zum Glück nicht“, sagte Peter Christ abschließend. Er betonte aber auch, dass die Planungen für den Ausbau der Kita Römerstraße jederzeit wieder aufgenommen werden könnten – sollten die Geburten in seiner Gemeinde „explosionsartig“ ansteigen.

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