Mannheim
Kommt der Rettungswagen schnell genug?
Das Thema beschäftigt Stadtverwaltung und Gemeinderäte schon länger: Wie lange dauert es, bis nach einem Notruf ein Notarzt und ein Rettungswagen vor Ort sind? Das Landesgesetz schreibt zehn Minuten, höchstens 15 Minuten vor. Der dafür zuständige „Bereichsausschuss Rettungsdienst“ berichtet nun davon, dass die 15-Minuten-Frist im Jahr 2021 in über 95 Prozent der Fälle erreicht wurde. Mannheim habe damit Platz 2 und einen Spitzenwert in ganz Baden-Württemberg.
Die Kritik an der Nichteinhaltung der gesetzlich vorgegebenen Hilfsfristen im Rettungswesen und die damit verbundenen Streitigkeiten mit dem zuständigen „Bereichsausschuss Rettungsdienst Rhein-Neckar“ haben eine jahrelange Vorgeschichte. Bis 2019 sind die Rettungswagen für die Städte Mannheim, Heidelberg und den Rhein-Neckar-Kreis von einer gemeinsamen Leitstelle in Ladenburg aus disponiert worden. Fachleute der Stadt und Gemeinderäte sahen dagegen für eine bessere Einhaltung der Fristen eine eigene Rettungsleitstelle in Mannheim als unbedingt erforderlich an. Diesem Drängen gab das Land schließlich nach. Am 1. April 2020 konnte eine neue Integrierte Leitstelle (ILS) für Notfallrettung von der Zentrale der Mannheimer Hauptfeuerwache aus ihren Betrieb aufnehmen.
Problem im Stadtnorden?
Und tatsächlich: Seitdem haben sich die Zahlen bei der Einhaltung der Hilfsfristen verbessert. Mit einer Anfrage im Ausschuss für Sicherheit und Ordnung des Gemeinderats hat die Fraktion der Grünen eine Auskunft über die aktuelle Situation verlangt. Ausgangspunkt der Anfrage ist ein im November veröffentlichtes Gutachten zum Rettungswesen für das Jahr 2021, das nach Meinung der Grünen erhebliche Mängel offenbart. Es gebe massive Probleme im Rettungsdienst und Krankentransport. Moniert wird, dass im Mannheimer Norden die 15-Minuten-Frist in mehr als zehn Prozent der Fälle nicht erreicht worden ist.
„Wir haben einen sehr guten Rettungsdienst in Mannheim, bei der Einhaltung der 15-Minuten-Hilfsfrist liegen wir bei über 95 Prozent der Fälle. Das ist Platz 2 in Baden-Württemberg, weit vor Karlsruhe oder Stuttgart“, trat Joachim Schmid, derzeitiger Vorsitzender des Bereichsausschusses und Geschäftsführer des Arbeiter-Samariter-Bunds (ASB) der Region Mannheim der Kritik entgegen. Im besonders herausfordernden Corona-Jahr 2021 habe der Rettungsdienst Hervorragendes geleistet und rund 50.000 Einsätze gefahren. Für die Zeiten mit Hochlast an Wochenenden solle es nun eine bessere Vorhaltung geben, kündigte er an.
Mehr Rettungseinsätze
„Laut der Leitstelle liegt die Auslastung zu Spitzenzeiten bei 90 Prozent“, stellte Andreas Pitz von der Koordinierungsstelle Rettungsdienst der Stadt Mannheim fest. In Hessen würden bereits ab einer Auslastung von 40 Prozent Maßnahmen ergriffen, zog er einen Vergleich. Er sei dankbar, dass es jetzt zu Verbesserungen kommen soll. Gegenüber 2021 sei der Bedarf für Rettungseinsätze in diesem Jahr weiter gewachsen, dies werde vom Gutachten nicht abgedeckt, so Pitz. Zudem gebe eine neue Rechtslage nun eine Rettungsfrist von zwölf Minuten vor. Darauf müsse der Bereichsausschuss eine Antwort geben, mahnte er.
„Die Bürger diskutieren und machen sich Sorgen, ob die Rettungsfrist eingehalten wird“, sagte Gemeinderätin Christiane Fuchs (Freie Wähler/ML). „Im Schwäbischen ist die Einhaltung der Hilfsfrist schlechter, aber kein Thema. Mannheim ist dagegen an der Spitze im Land“, zeigte sich Schmid etwas verwundert über die laufende Diskussion. Man werde das Gutachten umsetzen, was das Mehr an Rettungsmitteln betreffe. Die Quote von 95 Prozent solle auf jeden Fall gehalten werden. In Baden-Württemberg legen nach derzeitiger Regelung die Krankenkassen und Rettungsdienstanbieter selbst in sogenannten „Bereichsausschüssen“ die Qualität und Finanzierung des Rettungsdienstes fest. Im Bereichsausschuss für Rhein-Neckar hat auch die Stadt Mannheim kein Mitbestimmungsrecht, sondern nur beratende Funktion.