Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Kombiterminal: Sieben Millionen Frachteinheiten auf die Schiene verladen

Das Kombiterminal ist im Oktober 2000 an den Start gegangen.
Das Kombiterminal ist im Oktober 2000 an den Start gegangen.

Ein Tankcontainer ist gerade von Ludwigshafen aus auf dem Weg nach Österreich. Der Behälter ist etwas Besonderes. Mit ihm sind nun sieben Millionen Frachteinheiten im Kombiterminal (KTL) im Norden der Stadt auf die Schiene verladen worden. „Das bedeutet sieben Millionen weniger Lkw auf der Straße“, sagt Geschäftsführer Harald Schlegel.

Vor fast einem Vierteljahrhundert, im Oktober 2000, wurde das Umschlagterminal im Ludwigshafener Norden mit einem Modul eröffnet. Nach zwei Erweiterungen und mittlerweile einer Gesamtfläche von rund 300.000 Quadratmetern befindet sich hier eine der größten und wichtigsten Verladestationen von der Straße auf die Schiene in Deutschland und sogar in ganz Europa. In drei sogenannten Modulen mit insgesamt rund 160 Mitarbeitern werden hier rund 1200 Ladeeinheiten pro Tag abgefertigt. „Und der kombinierte Verkehr wird weiter wachsen“, ist sich Geschäftsführer Harald Schlegel sicher, auch wenn der Lkw für die sogenannte „letzte Meile“ noch ohne Alternative ist. „Da geht es darum, die Waren zu den Unternehmen ohne Schienenanbindung zu befördern.“

Eigentümer des Terminals ist die BASF, die mit rund der Hälfte der täglichen Vorgänge zugleich auch größter Verlader und Einzelnutzer der Anlage ist. Weitere Gesellschafter sind Transportdienstleister Bertschi, die Hoyer GmbH sowie das Eisenbahnverkehrsunternehmen Kombiverkehr, „aber wir stehen der gesamten Wirtschaftsregion zur Verfügung“, betont Schlegel, der in der Nachhaltigkeit des KTL, das seinen Strom seit Januar aus dem BASF-Windpark Hollandse Kust Zuid in der Nordsee bezieht, den größten Vorteil sieht. „Jetzt werden Nachhaltigkeit und die Einsparung von Kohlenstoffdioxid wieder wichtigere Themen“, glaubt der Geschäftsführer, der darauf verweist, dass Kunden diesen Bereich immer aktiver anfragen.

Umsatz zurückgegangen

Überhaupt ziehe das Geschäft langsam wieder an. „Vor zwei Jahren waren wir schon knapp an der Kapazitätsgrenze“, berichtet er. Aber konjunkturell bedingt sei der Umsatz in der Folge ein wenig zurückgegangen, ehe er nun wieder ein wenig angezogen habe. Rund 20 Güterzüge, allein mindestens drei davon in Richtung Italien, verlassen täglich das Gelände. Die Züge werden im Terminal auf 25 Gleisen von sieben Portalkränen beladen, die wiederum von Gabelstaplern angefahren werden, die mindestens 40 Tonnen anheben können. Ein ausgeklügelter Ablauf sorgt dafür, dass sich ein Lkw nur rund 37 Minuten auf dem Gelände aufhalten muss. „Es gibt in Deutschland praktisch kein Binnenterminal mit einer besseren Schienenanbindung. Viele wissen gar nicht, dass wir hier in der Region einen so wichtigen Träger haben“, sagt der Geschäftsführer.

Zumal das KTL praktizierter Umweltschutz sei: Und das aus mehreren Gesichtspunkten: „Jeder Lkw auf der Straße schädigt die Straße bis zu 50.000-mal mehr als ein Pkw“, so Schlegel, der außerdem im Jahr auf eine CO2-Einsparung von 210.000 Tonnen verweist. Nur eine Entwicklung bereitet ihm ein wenig Sorge, und das ist die Orientierung des Schwerlastverkehrs in Richtung Sattelaufleger, sogenannter „Trailer“. Die hatten bei Eröffnung des KTL einen Anteil von rund sechs Prozent ausgemacht. „Mittlerweile liegen wir hier bei 14 Prozent.“ Das Problem: Die Trailer sind nicht stapelbar und haben damit einen höheren Flächenverbrauch, belegen den Platz von neun Containern.

Zeit ist Geld

Auf eine andere Entwicklung hat Schlegel hingegen keinen Einfluss: „Wir freuen uns auf die Umsetzung der Studernheimer Kurve.“ Bislang sei die Verladung mit dem Umweg über den Bahnhof Oggersheim ein hoher Aufwand und bedeutet vor allem einen Zeitverlust. „Und Zeit ist in unserer Branche ein wichtiges Thema.“ Fast so wichtig wie die Nachhaltigkeit. „Jeder Umschlag bei uns bedeutet einen Lkw weniger auf der Straße“, betonte er deshalb noch einmal. Dem kombinierten Güterverkehr gehöre deshalb die Zukunft, denn „ganz ohne Lkw geht es noch nicht.“

Aber auch hier schreite die Entwicklung voran, nutze das KTL intern bereits zwei elektrische Sattelzugmaschinen und plant bereits eine Ladeinfrastruktur mit vier Ladestationen im Terminal. Und Schlegel weiß auch schon ungefähr, wann die achtmillionste Ladung das Gelände verlassen wird: „Bei einem Umsatz von rund 300.000 Ladungen pro Jahr ist das in drei bis vier Jahren der Fall.“

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