Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel „Kleine Buntstifte“: Ein besonderes Betreuungsangebot in Friesenheim

Haben die Großtagespflegestelle "Kleine Buntstifte" in Friesenheim eröffnet: Manuela Ghaouari-Nommensen (links) und Claudia Fran
Haben die Großtagespflegestelle »Kleine Buntstifte« in Friesenheim eröffnet: Manuela Ghaouari-Nommensen (links) und Claudia Franger.

In Friesenheim hat die erste Großtagespflegestelle Ludwigshafens eröffnet. „Kleine Buntstifte“ heißt die Einrichtung, für die es schon jetzt eine lange Warteliste gibt.

„Seit wir unsere Räume bezogen haben, klopft jeden Tag irgendjemand an die Tür“, sagt Manuela Ghaouari-Nommensen und lacht. Einerseits ist die 46-Jährige darauf sehr stolz. Denn die Tagespflege „Kleine Buntstifte“ haben sie und ihre Cousine Claudia Franger (45) mit viel Herzblut ins Leben gerufen. Zum anderen zeigten die vielen Nachfragen jedoch vor allem eines: den unglaublich hohen Bedarf an Betreuungsplätzen in Ludwigshafen. „Viele Eltern sind wirklich verzweifelt“, sagt Ghaouari-Nommensen.

Die Knirpse im Alter von eineinhalb bis vier Jahren, die in den frisch renovierten und farbenfrohen Räumen in der Friesenheimer Taubenstraße betreut werden, wissen von diesem Problem natürlich nichts – und spielen quietschvergnügt mit Puppenwagen, Bauklötzen oder Schaumstoffwürfeln, als die RHEINPFALZ zu Besuch ist.

Farbenfrohe Spielmöglichkeit für die Kleinsten.
Farbenfrohe Spielmöglichkeit für die Kleinsten.

In Rheinland-Pfalz ist ein Zusammenschluss von zwei Kindertagespflegepersonen mit jeweils maximal fünf fremden Kindern in kindgerechten Räumen schon seit Längerem möglich – vielleicht werden die Friesenheimer „Buntstifte“ also dafür sorgen, dass diese Betreuungsform in Ludwigshafen noch etwas populärer wird. „Wir haben begeisterte Kinder und fühlen uns selbst nicht mehr so gestresst“, sagt jedenfalls Manuela Ghaouari-Nommensen. Als besonders positiv im Vergleich zur Kinderbetreuung in den eigenen vier Wänden empfindet sie vor allem die sehr klare Trennung zwischen Arbeitszeit und Feierabend, die es nun gebe. Auch die Ermahnung „Lauft bitte leiser“ an die Kinder falle weg, da die angemieteten Räume der „Kleinen Buntstifte“ im Erdgeschoss liegen.

„Tatsächlich ist das allerdings auch ein Faktor, der uns die Eröffnung einer Großtagespflegestelle erschwert hat“, sagt Claudia Franger. Die Stadt gebe Erdgeschossräume vor, wenn sich zwei Tagesmütter zusammenschließen wollen. Angesichts des angespannten Wohnungsmarkts seien solche Räume allerdings schwer zu finden. „Wir hätten zum Beispiel in einem Ärztehaus eine ganz tolle Möglichkeit gehabt“, erzählt Franger. „Diese Wohnung wäre größer und auch günstiger gewesen als unser jetziges Domizil, es hätte sogar zwei Aufzüge gegeben. Aber sie lag im dritten Obergeschoss, und die Stadtverwaltung hat das abgelehnt.“ Auf Anfrage teilt die Stadt hierzu mit: „Es ist prinzipiell nicht ausgeschlossen, andere als Erdgeschossräume zu nutzen.“ Vorhanden sein müsse allerdings ein zweiter Fluchtweg, das sei eine Auflage der Feuerwehr hinsichtlich des Brandschutzes.

7000 Euro privat investiert

Insgesamt 7000 Euro haben die beiden Cousinen privat in den jetzigen Standort der „Kleinen Buntstifte“ gesteckt. Monatelang lief nach ihrer Tätigkeit als Tagesmutter abends die Renovierung der neuen Räume, mussten Brandschutzauflagen erfüllt und ein pädagogisches Konzept erarbeitet werden. Gelohnt hat sich der Aufwand allemal: Die beiden Ludwigshafenerinnen können für ihre Schützlinge nun drei Aufenthaltsräume, eine Küche, einen Wickelraum und ein Bad anbieten. Allesamt sind sie so liebevoll gestaltet, dass man das Gefühl hat, sich in einer Kita in Miniaturausgabe zu befinden.

Wie in der Kita, nur kleiner und beschaulicher.
Wie in der Kita, nur kleiner und beschaulicher.

Die monatliche Kaltmiete, die Manuela Ghaouari-Nommensen und Claudia Franger für die neuen Räume aufbringen müssen, liegt bei 1020 Euro plus 250 Euro Strom – was nur zu stemmen ist, wenn die beiden sich einen Teil der Kosten von den Eltern zurückholen. „Insgesamt erhalten wir 760 Euro vom Jugendamt, das heißt, den Restbetrag müssen wir aus eigenen Mitteln bestreiten“, erklärt Franger. „Dafür erheben wir eine Pauschale von monatlich 130 Euro, inklusive Essensgeld.“ Gekocht werde für die Kinder mittags nämlich frisch, nachmittags gebe es noch einen kleinen Snack.

Zehn erlaubte Krankheitstage pro Jahr

„Wir liegen damit unter den Pauschalen, die andere Tagesmütter teils nehmen“, sagt Manuela Ghaouari-Nommensen – und kommt auf ein Thema zu sprechen, das ihr persönlich sehr am Herzen liegt. Ein wesentlicher Grund dafür, dass Ludwigshafener Tagesmütter inzwischen teils einen Zusatzbeitrag von bis zu 1,20 Euro pro Betreuungsstunde erheben, sei nämlich der Tatsache geschuldet, dass die Stadt einer Tagesmutter nur zehn Krankheitstage pro Jahr zugestehe.

„Wer also wegen einer Lungenentzündung zwei Wochen ausfällt, hat seine Krankheitstage verbraucht und muss in jedem weiteren Krankheitsfall an seine Urlaubstage gehen“, erzählt Ghaouari-Nommensen. Viele Tagesmütter sicherten sich deshalb über privat erhobene Zusatzbeiträge für solche Krankheitsfälle ab, sagt die 46-Jährige. Die Stadtverwaltung nennt auf Anfrage keine konkrete Begründung für die genannte Zehn-Tages-Regel, teilt diesbezüglich aber mit, man habe die Unterstützung für die Kindertagespflege mit Erhöhung des Tagessatzes und Mietzuschüssen mit einem Millionenbetrag ausgebaut.

Manuela Ghaouari-Nommensen und Claudia Franger betonen indes, dass sie auch weiterhin die Zusatzkosten für Eltern so niedrig wie möglich halten wollen. „Damit sich auch Menschen mit niedrigem Einkommen eine gute Kindertagespflege leisten können.“

Zur Eröffnung iim Januar gab es unter anderem diese toll gestaltete Obstplatte.
Zur Eröffnung iim Januar gab es unter anderem diese toll gestaltete Obstplatte.
x