Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Kirche mit besonderer Strahlkraft

Imposanter Bau in der Leuschnerstraße: die Kulturkirche Friedenskirche. Sie steht unter Denkmalschutz.
Imposanter Bau in der Leuschnerstraße: die Kulturkirche Friedenskirche. Sie steht unter Denkmalschutz.

Er ist ein Gesamtkunstwerk – wie die Kirche selbst: der Kirchenführer zur Friedenskirche in Friesenheim. Eine Mannheimer Kunsthistorikerin, ein Ludwigshafener Architekturfotograf, die Gemeindepfarrerin und andere haben dazu beigetragen. Am Montag wurde das 70-seitige Werk vorgestellt.

Helmuth Morgenthaler ist mit der protestantischen Friedenskirche groß geworden. „Ich habe gedacht, dass ich alles kenne. Allerdings habe ich während der Entstehung des Kirchenführers immer wieder Neues entdeckt“, sagt der Vorsitzende des Presbyteriums und des Kirchen-Förderkreises. Warum einen Kirchenführer herausgeben? Diese Frage musste sich Pfarrerin Cornelia Zeißig nicht stellen. „Als ich 2016 hier ankam, war es für mich von Anfang an ein Anliegen, diesen besonderen Bau zu dokumentieren und zu erfassen.“ Zeißig war nicht nur Initiatorin, sondern hat auch das Projekt koordiniert. Eine kleine Broschüre zur Geschichte der Friedenskirche gab es schon, doch ab sofort ist es möglich, noch tiefer in die Historie der Kirche einzutauchen.

„Leichtigkeit wiederspiegeln“

„Das Format des Kirchenführers sollte die Modernität, die Leichtigkeit und Transparenz der Kirche widerspiegeln“, erläutert die Pfarrerin. Das matte Grün mit Blaustich des im Format B5 erschienenen Buchs greift die Farbgebung einiger Elemente im Innenraum auf, wie beispielsweise die Türen oder die Stühle, die anstelle eingebauter Kirchenbänke als Sitzgelegenheit dienen. Der Kirchenführer ist für Zeißig und Morgenthaler eine Herzensangelegenheit, entstand er doch just im 25. Jubiläumsjahr des Förderkreises.

Mit dem Ludwigshafener Marco Vedana, der am Istituto Italiano di Fotografia in Mailand studierte, ist es den Verantwortlichen gelungen, einen herausragenden Architekturfotografen zu verpflichten, der wie kein anderer die einzigartigen Momente und die außergewöhnliche Atmosphäre, die die lichtdurchflutete Friedenskirche bietet, eingefangen hat.

„Die Friedenskirche ist ein ganz besonderer Bau mit einer ganz besonderen Strahlkraft und Offenheit“, schwärmt die freiberufliche Kunsthistorikerin Ursula Dann, die die zwei Phasen der Friedenskirche – vor und nach dem Zweiten Weltkrieg – zu Papier gebracht hat. Tatsächlich gehört die Friedenskirche zu den markantesten Bauwerken der Stadt und lockt immer wieder Architekturfans nach Friesenheim. Das bereits seit ihrer Einweihung im Jahr 1932. Das 100 Quadratmeter große Golgatha-Fresko von Max Slevogt war über die Stadtgrenzen hinaus Gesprächsthema.

Bombenangriff 1944

Die erste Friedenskirche mit ihrer außergewöhnlichen Form einer Rundkirche fiel samt Slevogts Altarwandbild einem Bombenangriff 1944 zum Opfer. Heute erinnert eine verkleinerte Rekonstruktion, ein Farbdruck von Golgatha, in einem Saal im Erdgeschoss an das Fresko.

Die Friedenskirche wurde immer wieder Ziel von Angriffen der Alliierten – vorrangig aufgrund ihrer Nachbarschaft zum Firmengelände der I.G. Farben. Auch die Bevölkerung ging nicht gerade zimperlich mit „ihrer“ Kirche um, Bänke und die hölzernen Orgelpfeifen wurden in der Nachkriegszeit als Brennstoff genutzt.

Neubau 1956 eingeweiht

Aufbau, Abriss – was sollte passieren? Die Entscheidung fiel zugunsten eines Wiederaufbaus. Die neue Friedenskirche wurde nach einem Entwurf des Hannoveraner Architekten Ernst Zinnser unter Verwendung des Fundaments, der Stützkonstruktion mit dem Turmskelett und Teilen der Wand gebaut und 1956 eingeweiht. An der Form der Rundkirche wollte man unbedingt festhalten. Durchbrochene Mauersteine für die Ummantelung sorgen seitdem dafür, dass die Kirche allzeit lichtdurchflutet ist. Seit 1992 steht sie unter Denkmalschutz. Der Architekturführer Rheinland-Pfalz bezeichnet sie als „bedeutendes Baudenkmal der 1950er-Jahre“.

Prinzen bis Philharmonie

Längst hat sich die protestantische Kirche auch als Kulturkirche einen Namen gemacht. Wie keiner anderen Kirche in der Stadt gelingt es an dieser Stelle, Religiöses und Weltliches miteinander in Einklang zu bringen. Sie öffnet sich ganz unterschiedlichen Besucherkreisen. Die deutsche Musikgruppe „Die Prinzen“, die Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz – sie alle waren in der Friedenskirche schon zu Gast. Zudem finden regelmäßig Kunstausstellungen und andere Veranstaltungen statt.

Bereits am Donnerstag, 19 Uhr, stellt Kunsthistorikerin Dann in einem bebilderten Vortrag den neuen Kirchenführer der Öffentlichkeit vor. Musikalisch gestaltet wird der unter 2G-Vorgaben stattfindende Abend von Bezirkskantor Tobias Martin sowie von Beate und Olaf Wiesel (Violine und Violoncello). Hinter Orbit 3.1 verbergen sich Janna Schimka (Tanz und Stimme) und Rolf Schmuck (Musik, Visuals), die am Samstag, 4. Dezember, von 18 bis 22 Uhr, den gesamten Innenraum der Kirche in einen Performance- und Installationsraum verwandeln. Die architektonischen Gegebenheiten der Kirche und deren Akustik werden in Klang, Tanz und Installation aufgegriffen. Auch hier gilt die 2G-Regel.

Zur Sache

Der Kirchenführer ist erschienen in der Edition Quadrat im Mannheimer Verlag Edition Panorama und kostet acht Euro. Erhältlich ist er im Gemeindebüro, per E-Mail an manfred.storck@t-online.de und demnächst im Buchhandel (ISBN 978-3-941001-35-0)

x