Ludwigshafener Geschichte(n) RHEINPFALZ Plus Artikel Ein besonderes Fresko in der Friedenskirche

Das Golgatha-Fresko von Max Slevogt.
Das Golgatha-Fresko von Max Slevogt.

Das letzte und größte Werk des Impressionisten Max Slevogt (1868-1932) wurde nur zwölf Jahre alt. Es hätte eine Ludwigshafener Kirche zum „Wallfahrtsort“ für Bewunderer des bedeutendsten pfälzischen Malers machen können, wäre es nicht in einer Bombennacht 1944 samt der Kirche zerstört worden.

„Golgatha“ hieß das großflächige Fresko-Altarbild in der am 17. Juli 1932 eingeweihten Friesenheimer Friedenskirche, die heute als „Kulturkirche“ eine neue Bedeutung besitzt. Als Max Slevogt, der im südpfälzischen Leinsweiler lebte, die Arbeiten an diesem rund 100 Quadratmeter großen Monumentalbild 1931 begann, war er bereits 62 Jahre alt – als er es im Frühjahr 1932 beendete, war er vom Tod gezeichnet: Der am 8. Oktober 1868 in Landshut geborene Künstler starb am 20. September 1932 in seiner südpfälzischen Wahlheimat, wo er in einem Waldhain hoch über Leinsweiler seine letzte Ruhestätte fand. Slevogt galt schon zu Lebzeiten neben Max Liebermann (1847-1935) und Lovis Corinth (1858-1925) als größter deutscher Impressionist.

Aufwendige Maltechnik

„Slevogt hat die Menschen in seinem Altarbild so gemalt, wie er sie sah,“ sagte einmal der damalige Stadtdekan Friedhelm Borggrefe, der früher auch Pfarrer in der Friedenskirche war. „Man erkennt in der Trauergemeinde am Fuß des Kreuzes Arbeiter, einen Verletzten und wohl auch einen Betrunkenen.“ Die Maltechnik, die Slevogt für das Fresko nutzte, war aufwendig: Zunächst wurden die Modelle auf den noch feuchten Putz hinter dem Altar gezeichnet, dann Stück für Stück im Detail vergrößert, bis sie rund drei Meter hoch waren.

Fotografien aus der Zeit von 1932 bis 1944 geben einen Eindruck von dem verlorenen Werk in der Friedenskirche. Das Slevogtsche Bilddrama ist keine typische Passion. Es zeigt Jesus am Kreuz ohne die gewohnte biblische Umwelt, ohne traditionelle Figuren wie seine Mutter Maria, den Jünger Johannes oder einen römischen Offizier mit Soldaten. Im Vordergrund sind schwarzgekleidete Menschen zu sehen, die aus unterschiedlichen Gründen dem Gekreuzigten auf dem höchsten Felsen von Golgatha die letzte Ehre erweisen – etwas unterhalb stehen zwei weitere Kreuze mit Jesus-Leidensgenossen.

Riesige Maße

Wäre das Riesen-Fresko mit den Ausmaßen zehn mal zehn Meter nicht vor rund 74 Jahren zerstört worden, wäre heute die pfälzische Kulturlandschaft um eine Attraktion reicher. Schon die damals entstandene 55 Meter hohe Friedenskirche war wegen der architektonischen Kühnheit mit einem kreisrunden Grundriss mit einem Durchmesser von 35 Metern und einem 25 Meter hohen Turm in der Mitte eine Sehenswürdigkeit. Auch deshalb wurde die Kirche zwischen 2008 und 2015 mit großem finanziellen Aufwand saniert, nachdem sie am 29. April 1956 nach dem Wiederaufbau ein zweites Mal eingeweiht worden war.

Max Slevogt: Selbstbildnis (1918/19).
Max Slevogt: Selbstbildnis (1918/19).
Ein Blick in die heutige Friedenskirche in Friesenheim.
Ein Blick in die heutige Friedenskirche in Friesenheim.
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