Region Vorderpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Kein Frohsinn bei den Fasnachtern

Köln: Ein Wagen für den mit dem Motiv „Putins Spielchen“. Der Rosenmontagszug wurde wegen des Kriegs abgesagt.
Köln: Ein Wagen für den mit dem Motiv »Putins Spielchen«. Der Rosenmontagszug wurde wegen des Kriegs abgesagt.

Am Rosenmontag wäre eigentlich Jubel, Trubel Heiterkeit angesagt. Doch wegen Corona sind alle Veranstaltungen abgesagt worden. Die Fasnachtsvereine in der Vorderpfalz hat die Pandemie in eine Existenzkrise gestürzt. Doch angesichts des Ukraine-Kriegs wäre es auch ohne das Virus fraglich gewesen, ob die Narren hätten feiern können.

„Es wäre der Super-Gau gewesen, wenn wir hier feiern, während in einem Krieg in Europa Menschen sterben“, sagt Andreas Müss (46), der sich betroffen über die Lage in der Ukraine zeigt und mit Befremden am

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Donnerstag die Bilder feiernder Narren in Köln zum Auftakt der Straßenfasnacht im Fernsehen gesehen hat. Der Vater dreier Kinder ist Bezirksvorsitzender der Vereinigung badisch-pfälzischer Karnevalvereine und zuständig für die Vorderpfalz. Somit repräsentiert Müss 127 Vereine bis zur französischen Grenze mit rund 30.000 Mitgliedern.

Im Golfkrieg 1991, der durch eine Invasion irakischer Truppen in Kuwait ausgelöst wurde, hatten die Fasnachter in der Vorderpfalz ihre Kampagne abgesagt. Diesmal war eine Absage nicht notwendig, denn wegen der Corona-Pandemie haben die Fasnachtsvereine auf Umzüge, Prunksitzungen, Straßenfasnacht oder Weiberfasnacht ohnehin verzichtet. „Ich glaube, wir hätten wegen des Ukraine-Kriegs hier bei uns spontan alles absagen müssen“, sagt Müss.

Der 46-jährige Bauunternehmer leitet die LUMA GmbH in Ludwigshafen und ist in einer Fasnachterfamilie aufgewachsen, er war Stadtprinz in Ludwigshafen und Vorsitzender beim Ludwigshafener Karnevalverein Rheinschanze. Normalerweise wäre er an den „tollen Tagen“ zum Höhepunkt der närrischen Kampagne pausenlos im Einsatz. Doch seit zwei Jahren ist auch in der Fasnacht wegen der Pandemie nichts mehr so, wie es einmal war. „Uns blutet das Herz, dass nichts stattfinden kann, aber die Gesundheit geht vor“, sagt Müss.

Zwangspause mit Folgen

Die Folgen der mittlerweile zweijährigen Zwangspause seien gravierend: „Die Kassen der Vereine sind leer. Die Kosten, etwa für ein Vereinsheim, bestehen weiter. Außerdem gibt es einen extremen Schwund im Jugendbereich. Ich glaube nicht, dass alle Vereine das durchhalten werden“, meint Müss. In den Fasnachtsvereinen müsse daher aus finanziellen Gründen auch über Fusionen nachgedacht werden. „Aber viele Fasnachter tun sich damit schwer“, sagt der Verbandschef. Doch vielfach seien die Rücklagen geschmolzen, ohne Prunksitzungen fehlten die Einnahmen, auch die Spenden an Vereine seien rückläufig. Und die Zukunft sei auch ungewiss. „Wir wissen alle nicht, ob die Saalfasnacht im Herbst wieder möglich sein wird“, sagt Müss. Die Vereine behelfen sich mit Aktionen im Internet und Fasnachtstüten – doch auf Dauer werde das nicht reichen, um das Brauchtum Fasnacht weiterhin populär zu halten.

Ein wichtige Bühne für die Fasnachtsvereine in der Vorderpfalz ist die badisch-pfälzische Fernsehfasnacht, die im Frankenthaler Congressforum aufgezeichnet wird. Im ersten Corona-Jahr gab’s statt Publikum Pappkameraden im Saal. Diesmal ist am Sonntag ein „Best of“ aus alten Prunksitzungen gesendet worden. Dazu gibt es Einspieler. „Wir sind mit dem SWR durch die Lande gezogen und haben gezeigt, wie die Akteure aus der Bütt heute leben und was sie im normalen Leben tun“, berichtet Müss, der hofft, dass dieses Konzept bei den Zuschauern ankommt. Denn die Fernsehsendungen seien Werbung für das Brauchtum Fasnacht.

Der Verband betreibt in Speyer das „Haus der Fasnacht“ – ein Museum, das Besuchern dieses Brauchtum näherbringen will. Die Pandemie-Pause hat der Verband genutzt, um das Museum zu modernisieren und das Angebot zu digitalisieren. „Wir sind da seit einem Jahr dran und wollen so auch die Jugend erreichen“, sagt Müss. Im eigenen Zuhause in Bad Dürkheim braucht sich der Verbandschef da keine Sorgen zu machen: Seine drei Kinder (8, 9 und 14 Jahre alt) sind bereits alle aktiv in der Fasnacht.

Probleme bei Garden

Einer von vielen Vereinen, die unter der Corona-Pandemie leiden, ist der Carneval Club Speyer (CCS) 2000. „Viele Tänzerinnen sind zu Hause geblieben – auch, weil die Motivation gefehlt hat“, hat der neue Vorsitzende Harry Schuh bei seiner Wahl vor einigen Tagen deutlich gemacht. Schließlich trainierten die Garden, um ihr Können auf der Bühne und vor Publikum zu zeigen. Selbst zwei kleine Sitzungen und der Kinderfasching mussten wieder abgesagt werden. Das macht es für den jungen Verein nicht einfach, der erst 1989 gegründet wurde. Wie bei den anderen Clubs waren die Tanzgruppen, in denen alle Altersgruppen von Kindern bis zu jungen Erwachsenen vertreten sind, in den zurückliegenden Jahren stets die Stärke des CCS, sagt Schuh, der außerhalb der Fasnacht als Diplom-Informatiker bei der BASF arbeitet. „Wir rechnen mit drei bis vier Jahren Durststrecke, bis wir wieder dort angelangt sind, wo wir vor Corona waren“, meinte der Vorsitzende bei der Jahreshauptversammlung.

Einnahmen fehlen

Auch in Frankenthal herrscht nicht gerade Frohsinn bei den Fasnachtern. „Die Stimmung war auch schon mal besser“, beschreibt Giacomo Galante seinen Gemütszustand. Der Vorsitzende des Carnevalvereins Chorania Frankenthal hat sich mit der närrischen Abstinenz zwar abgefunden. Doch liebend gerne wäre er in seine Paraderolle als „Marktplatzräuber“ geschlüpft, hätte humorvoll das kommunale Geschehen auf die Schippe genommen. Aber die Pandemie macht das unmöglich.

Die Chorania ist 1962 aus einem Gesangverein hervorgegangen. Worauf Galante besonders stolz ist: Das Programm wird zum größten Teil mit Aktiven aus den eigenen Reihen – Büttenkräften, Gesangsgruppen, Garden – bestritten. Heute keine Selbstverständlichkeit mehr. Und die Prunksitzungen des Vereins sind in normalen Zeiten im Handumdrehen ausverkauft. Immerhin: Obwohl das Vereinsleben nun weitgehend auf Eis liegt, sind die 160 Mitglieder bei der Stange geblieben. „Wir haben eher noch etwas zugelegt“, berichtet Galante. Die Chorania plagten auch keine finanziellen Sorgen – im Gegensatz zu anderen Vereinen. Entgegenkommend zeigte sich die Stadt Frankenthal, die die Miete für das Vereinsdomizil auf die Hälfte reduziert hat.

Doch auf ihre Haupteinnahmequelle müssen die Karnevalisten seit zwei Jahren verzichten. Das Frankenthaler Strohhutfest, bei dem die Chorania mit viel Personal vier Tage lang in der Innenstadt einen stark frequentierten Biergarten betreibt, fiel pandemiebedingt aus. Was in diesem Jahr läuft, steht noch in den Sternen. Dabei hat Giacomo Galante eine besondere Affinität zum größten Straßenfest der Region: Seine Ehefrau war 1983 „Miss Strohhut“.

Zukunftssorgen

Die Zukunft der Vereinsfasnacht bereitet dem Chorania-Chef einiges Kopfzerbrechen: „Wie können wir es schaffen, den Laden nach Corona wieder zum Laufen zu bringen?“ Außerdem sind etliche Aktive schon älter. Bei der Planung für die nächste Kampagne ist der Verein wie auch andere Clubs noch zurückhaltend. Ein Lichtblick: Für den 7. Mai ein bunter Abend geplant. „Unsere Garden, die nach langer Pause wieder mit dem Training begonnen haben, brennen darauf, ihre Tänze zu präsentieren“, sagt Galante und hofft, dass die Auftritte auch stattfinden können.

Andreas Müss, Bezirksvorsitzender der Vereinigung badisch-pfälzischer Karnevalvereine .
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Vorsitzender Giacomo Galante von der Chorania in Frankenthal in seiner Paraderolle als Marktplatzreiwer.
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Saalfasnacht beim CCS in der Vor-Corona-Zeit.
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