Irgendwo in LU
Jaroslaw Kabala sagt: „Jeder zweite Hund ist nicht gut erzogen“
Mit wem sind Sie denn hier unterwegs?
Das ist Amish. Er ist ein Mischling, siebeinhalb Jahre alt. Ich habe ihn aus Ramstein von den Amerikanern. Dort bekommt man sehr gesunde Hunde her. Mein letzter Hund war auch von dort. Der ist mit 20 Jahren gestorben
Sie halten schon immer Hunde?
Schon immer! Schon seit ich denken kann und bis ich sterben werde. Nach diesem Kriterium habe ich auch ihn vor sieben Jahren ausgewählt: Wir wollen noch ein bisschen über zwölf Jahre durchhalten. Dann wären wir beide 85. Das wäre ein schönes Alter zum Gehen.
Warum ist Ludwigshafen „keine gute Stadt für Hunde“, wie sie gleich zu Beginn sagten?
Schauen Sie sich doch hier um: Es gibt keine Grünanlagen, in denen Hunde frei laufen können. Von hier wäre die nächste die Parkinsel, aber da muss ich ihn die ganze Zeit über an der Leine halten. Wenn ich ihn frei laufen lassen will, dann muss ich mich erstmal mit ihm ins Auto setzen. Das ist doch kein schönes Hundeleben!
Wir hatten gerade die Diskussion im Blatt, ob Hundehalter einen Führerschein brauchen. Wie sehen Sie das?
Ich habe den Eindruck, dass jeder zweite Hund hier nicht gut erzogen ist und viele Leute nicht mit ihrem Hund umgehen können. Ich und meine Hunde wurden auch schon zweimal gebissen. Die anderen Halter haben sich dann einfach umgedreht und sind mit ihren Hunden davongelaufen und wir sind auch noch auf den Arztrechnungen sitzen geblieben.
Was müsste getan werden?
Ich finde, dass sich jeder klar sein muss, was er für eine Verantwortung mit so einem Tier übernimmt. Deshalb wäre so ein Hundeführerschein vielleicht nicht schlecht. Man muss seine Hunde verstehen. Man muss der Freund der Hunde sein. Amish zum Beispiel ist sehr brav, wenn wir uns hier unterhalten, aber sobald Sie weg sind, wird er anfangen zu bellen, weil er eifersüchtig ist. Das ist nicht schlimm. Man muss es einfach wissen.
Wie sind Sie eigentlich in Ludwigshafen gelandet?
Das ist eine längere Geschichte. Ich bin 1983 nach dem Ende des Kriegsrechts aus Polen geflohen, weil mir Freiheit sehr wichtig ist und ich ins Gefängnis sollte. Das ist eigentlich eine Ironie der Geschichte: Mein Vater saß nach dem Krieg im Gefängnis, weil er auf der anderen Seite war, meine Mutter war im Sekretariat der Kommunisten. Meine Familiengeschichte ist nicht ganz einfach. Aber jetzt zähle ich erst einmal die Tage.
Wie meinen Sie das?
Ich habe noch 75 Tage, dann fahren wir – mein Hund und ich – mit dem VW-Bus in Richtung Italien und von dort dann kreuz und quer durch Europa. Wo es uns gefällt, da bleiben wir. Ich fahre nie Autobahn, sondern immer nur die kleinen Straßen, und wir kommen durch die kleinen Ortschaften. Nur so lernt man die Länder schließlich kennen. Und natürlich auch nur, wenn man mindestens drei oder vier Wochen an einem Ort bleibt und sich mit den Leuten unterhält. Zurück kommen wir dann im September. Ich habe nur ein Problem. Das sind meine deutschen Kennzeichen. Je nachdem, wo ich unterwegs bin, kann es dadurch gefährlich werden, weil man zum Beispiel in Rumänien den Deutschen Vorwürfe zur eigenen Situation macht – und dabei komme ich doch eigentlich aus Polen.