Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Im Pfalzbau lässt die SPD die Sektkorken knallen

Blumen für den Sieger: von SPD-Parteichef David Guthier für Christian Schreider (links).
Blumen für den Sieger: von SPD-Parteichef David Guthier für Christian Schreider (links).

Die SPD hat das Direktmandat im Wahlkreis 207 Ludwigshafen/Frankenthal zurückerobert. Christian Schreider hat Titelverteidiger Torbjörn Kartes (CDU) klar distanziert. Der Grüne Armin Grau landet zwar hinter dem AfD-Mann Stefan Scheil, schafft es aber wohl über die Landesliste in den Bundestag.

Um 21.15 Uhr knallen die Sektkorken bei der SPD im Foyer des Pfalzbaus. Applaus brandet auf. Christian Schreider strahlt übers ganze Gesicht, wird geherzt und umarmt. Da sind zwar längst nicht alle 289 Stimmbezirke ausgezählt. Doch was sich früh abzeichnet – nach 22 ausgezählten Bezirken hat Schreider schon fast 500 Stimmen mehr als Kartes auf dem Konto – ist zu diesem Zeitpunkt bereits Gewissheit. Der SPD-Mann liegt uneinholbar vorne, der CDU-Rivale ist geschlagen. Dessen vierjähriges Gastspiel im Bundestag endet mit einer krachenden Niederlage. Platz 10 auf der Landesliste reicht nicht für die Rückkehr ins Reichstagsgebäude.

„Scholz muss Kanzler werden“

In manchen Stadtteilen wie der Ludwigshafener Pfingstweide liegt Schreider über 20 Prozentpunkte vor seinem Hauptkonkurrenten. Im gesamten Wahlkreis holt er 32,8 Prozent der Stimmen, Torbjörn Kartes lediglich 25 Prozent und damit 7,2 Punkte weniger als 2017. Satte 11.915 Stimmen liegen zwischen dem Sieger und dem Zweitplatzierten. „Die SPD ist wieder da“, jubelt Schreider. Auch mit Blick auf das Zweitstimmenergebnis im Wahlkreis und das Resultat im Bund spricht der 49-Jährige von einer Wiederauferstehung der Sozialdemokraten. Für den Friesenheimer SPD-Vorsitzenden steht zudem fest: „Olaf Scholz muss Kanzler werden.“

„Sozialdemokraten sind Teamplayer“

Bevor Schreider und seine Anhänger den überraschend deutlichen Erfolg in der „Katerschmiede“ und beim KSC in Friesenheim feiern, rühmen Parteifreunde seinen Einsatz. „Superstarkes Ergebnis, superengagierter Wahlkampf einer hochmotivierten Mannschaft“, lobt Parteichef David Guthier das Gesamtpaket. Schreider werde in Berlin die für das ganze Umland wichtigen verkehrspolitischen Themen vorantreiben, kündigt er an. „Sozialdemokraten sind Teamplayer. Mit Christian Schreider schickt die SPD einen tollen Vertreter nach Berlin“, meint Doris Barnett. Die 68-jährige Oggersheimerin ist nach 27 Jahren nicht mehr für die Genossen angetreten.

CDU am Boden

Niedergeschlagenheit herrscht derweil im CDU-Lager. „Ohne Rückenwind aus Berlin kann man den Wahlkreis nicht gewinnen“, kommentiert Kartes das für ihn bittere Resultat. „Viele Menschen haben mir gesagt, dass sie mich wiederwählen würden, aber die CDU nicht wählen wollen.“ Peter Uebel, CDU-Fraktionschef im Stadtrat, formuliert es noch drastischer: „Der Bundestrend hat voll durchgeschlagen. Ich bin stinksauer auf den Bundesvorstand, weil er sich gegen die Basis gestellt und Laschet statt Söder als Kanzlerkandidaten nominiert hat. Das hat unsere ganze Arbeit vor Ort zunichte gemacht.“ Frankenthals Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU) fordert eine gründliche Wahlanalyse von der Union.

Kritik der AfD

Mit 11,6 Prozent der Stimmen behauptet Stefan Scheil zwar Rang drei für die AfD – ganz zufrieden ist der Neuhofener damit nicht, weil er sich 15 Prozent zum Ziel gesetzt hatte, wie er am Telefon berichtet. Scheil verfolgt das Geschehen an seinem 58. Geburtstag zu Hause im Kreis der Familie. „Angesichts der Umstände“ sei nicht mehr drin, „ein neutraler Wahlkampf nicht möglich gewesen“, beklagt er die AfD-feindliche Stimmung im Endspurt.

Grüne Wertschätzung für Schreider

Dass er hinter dem AfD-Mann landet, wurmt Armin Grau (62) von den Grünen gewaltig. Vom Landesvorstand aus Mainz kommend, trifft er erst gegen 20.40 Uhr im Pfalzbau ein und bekommt gleich einen Strauß mit Sonnenblumen in die Hand gedrückt. Das Grünen-Ergebnis von 2017 mehr als verdoppelt zu haben, sei natürlich ein großer Erfolg, bilanziert der Altriper, dem Landeslistenplatz 4 wohl zum Einzug in den Bundestag reicht. „Ich freue mich für ihn, er hat sich sehr gut geschlagen. Ich habe ihn im Wahlkampf schätzen gelernt“, sagt er über Schreider, dem Kartes gegen 21 Uhr per Handshake fair gratuliert.

„Sehr glücklich“ mit seinem Abschneiden ist Michael Goldschmidt (63, FDP). 1,5 Punkte hat der Limburgerhofer auf das 2017er-Ergebnis der Liberalen draufgesattelt. Wie Grau hat aber auch er am Ergebnis des AfD-Konkurrenten zu knabbern.

Stimmzettel-Panne

Für Irritationen sorgt eine Panne im Stimmbezirk 3132 in Oggersheim (1096 Wahlberechtigte). 39 mit „Landtagswahl 2021“ beschriftete Stimmzettel werden dort für ungültig erklärt, wie OB Jutta Steinruck als Wahlkreisleiterin berichtet. Weil der Abstand zwischen Wahlsieger und Platz zwei sehr groß sei, müsse dort nicht noch einmal gewählt werden, erklärt sie. „Da haben ein paar Leute gepennt. Das war eine Verkettung unglücklicher Umstände. Wir werden aufklären, was dort schiefgelaufen ist.“

In Sektlaune: die SPD.
In Sektlaune: die SPD.
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