Ludwigshafen Hilfe fürs Nationaltheater hat Grenzen
Wenn man einem Gast vorübergehend Obdach bietet, bekommt er das Gästezimmer – nicht das ganze Haus. Damit stellte Kulturdezernentin Cornelia Reifenberg (CDU) klar, dass die Hilfe des Pfalzbaus für das Nationaltheater Mannheim Grenzen haben wird. Dem Kulturausschuss berichtete sie gestern den Stand der Verhandlungen. Da wolle man die beiden Intendanten „nicht direkt auf einander loslassen“.
Das Mannheimer Theater muss in großem Umfang saniert und kann während dieser Zeit nicht bespielt werden. Die Mannheimer hoffen darauf, einen Teil ihres Spielbetriebs im Pfalzbau weiterführen zu können. Die Sanierung könnte 2022 beginnen, das sei bislang Planungsstand, es seien aber auch andere Daten genannt worden, berichtete Reifenberg. „Ludwigshafen ist willens, dem Nationaltheater zu helfen“, sagte Reifenberg, zugleich betonte sie, dass dies nicht zur „Selbstaufgabe“ des Theaters im Pfalzbau führen dürfe. Einig waren sich alle Ausschussmitglieder, dass das Theater im Pfalzbau eine herausragende Bedeutung für die Stadtgesellschaft habe. „Das Theater ist identitätsstiftend für Ludwigshafen, und das nicht nur während der Festspiele, sondern im ganzen Jahr“, sagte Reifenberg. Deshalb habe die Stadt auch die Verantwortung, dieses Profil zu erhalten. Erste Sondierungen habe es bereits gegeben, doch haben beide Städte offenbar den Eindruck, es sei nicht ratsam, zwei Intendanten, die sich für ihr Theater einsetzen werden, „aufeinander los zu lassen.“ Deshalb habe man einen Moderator einbestellt. Dies sei Rolf Bolwin, der 25 Jahre geschäftsführender Direktor des Deutschen Bühnenvereins war. Bolwin sei ein erfahrener Fachmann in Sachen Theater. Er habe sich bereiterklärt, die Verhandlungen zu moderieren. Unter seiner Mitwirkung habe es schon ein Gespräch der Intendanten gegeben. Dabei sollten Modelle erarbeitet werden, welche die Mitnutzung des Pfalzbaus durch das Nationaltheater regeln. Im Ergebnis seien vier Nutzungsmodelle entstanden. „Zwei davon stehen Ludwigshafen näher, die anderen eher Mannheim“, sagte Reifenberg. Inhaltlich machte sie keine weiteren Ausführungen. Ludwigshafen habe eine Stellungnahme formuliert und Mannheim übermittelt, nun warte man auf eine Stellungnahme von der anderen Rheinseite. Reifenberg kündigte an, dass nicht nur der Kulturausschuss informiert werden solle, sondern auch die Stadtgesellschaft. Dies könne beispielsweise durch ein Bürgerforum geschehen. Selbstverständlich würden die zuständigen politischen Gremien in die Entscheidung einbezogen. „Wir stehen zu unserem Theater im Pfalzbau und sind nicht bereit, den Spielplan zu opfern“, sagte Markus Lemberger (SPD). Zu beachten sei auch, dass dem Theater keine Fördermittel flöten gehen. Für die CDU betonte Renate Morgenthaler, es sei wichtig „dass unser Intendant damit gut leben und unser Theater überleben kann“. Bernhard Wadle-Rohe (Linkspartei) erkundigte sich, ob langfristig eine weitere freiwillige Zusammenarbeit entstehen könne. Dies sei im Hinblick auf die Metropolregion und das Zusammenrücken der beiden Städte überlegenswert. Die Idee fand auch Monika Kleinschnitger (Grüne) gut. Reifenberg schloss das nicht aus, meinte aber, diese Überlegungen seien noch zu früh. Wichtig sei jetzt, die Bedürfnisse beider Theater festzustellen und dann vertragliche Regelungen zwischen den Betreibern festzulegen. Zur Verlegung des Stadtmuseums aus dem Rathaus-Center teilte Reifenberg mit, dass die Gespräche mit den Technischen Werken über eine Nutzung des Hallenbads Nord noch in Gang seien. Allerdings würden derzeit mehrere Alternativen geprüft, weshalb sie den Standort Hallenbad weder bestätigte noch dementierte. Junge Flüchtlinge können im Projekt „Kunst tut gut“ lernen, sich mit bildnerischen Mitteln auszudrücken. Das Projekt wurde bereits im Jugendhilfeausschuss vorgestellt. Projektleiterin Ines Ellesser berichtet von sehr positiven Wirkungen bei den jungen Leuten. „Sie lernen dabei auch, sich sprachlich auszudrücken und ihre belastenden Erfahrungen zu bewältigen“, sagte die Abteilungsleiterin.