Ludwigshafen
Heinrich-Pesch-Siedlung: Großes Interesse an Baugenossenschaft
Bisher gibt es in Ludwigshafen nur eine Baugenossenschaft. Seit dem Jahr 1909 bietet die Baugenossenschaft Gartenstadt erschwingliches Wohnen an. Damals stellte die junge Stadt Ludwigshafen Erbbaugrundstücke zur Verfügung, damit die Idee vom Wohnen in einer Gartenstadt überhaupt umgesetzt werden konnte. Nach Ablauf des Erbbauvertrags im Jahr 2003 hat dann die Gemeinschaft die Grundstücke erworben. Der wichtigste Punkt bei einer Baugenossenschaft ist: In diesen Wohnprojekten kann kein Vermieter den Bewohnern wegen Eigenbedarfs kündigen.
In der geplanten Heinrich-Pesch-Siedlung an der Frankenthaler Straße mit insgesamt 800 Wohnungen für bis zu 2000 Menschen soll nun eine weitere Baugenossenschaft entstehen und ein Leuchtturm des gesamten Projekts werden, das die Überschrift „Miteinander wohnen und leben“ trägt. Noch in diesem Jahr wollen die Initiatoren der Siedlung eine Genossenschaft für 40 Wohnungen gründen. Das Interesse daran ist groß: Knapp 100 Personen haben nach Angaben der Siedlungsentwickler in dieser Woche eine Informationsveranstaltung zu dem Vorhaben im Heinrich-Pesch-Haus besucht.
Neun Projekte realisiert
„Eine Genossenschaft passt gut zum Motto der Heinrich-Pesch-Siedlung ,Gut zusammen leben’. Sie ist ein Mehrwert“, wird Geschäftsführer Thorsten Will in einer Mitteilung zitiert. Es sei nicht so einfach, eine Genossenschaft zu gründen, führte demnach Geschäftsführer Ernst Merkel aus. „Doch wir haben die Fläche und das rechtliche, wirtschaftliche und bauliche Know-how.“
Joachim Bettinger, Botschafter der Oekogeno Baugenossenschaft, berichtete den weiteren Angaben zufolge bei der Infoveranstaltung über die Erfahrungen aus verschiedenen Gründungen von Baugenossenschaften. Die gemeinwohlorientierte Genossenschaft besteht seit 1988 und hat sich auf ökologische Quartiersentwicklung inklusive autonomer Nahwärme- und Mobilitätskonzepte sowie der Selbstversorgung mit Obst und Gemüse spezialisiert. Bettinger stellte neun verschiedene Genossenschaftsprojekte vor, die Oekogeno bereits in verschiedenen Regionen Deutschlands und in der Schweiz realisiert hat.
Erbrechtsvertrag bis zum Jahresende geplant
Die Baugenossenschaften umfassen zwischen zwölf und 50 Wohneinheiten. „Wenn es größer wird, können Sie Gemeinschaft nicht mehr organisieren“, sagte Bettinger. Wichtig sei es, dass sich die Menschen mit ihren Ideen einbringen könnten. „Davon lebt so ein Projekt“, betonte er. Es gehe nicht ums Bauen, es gehe darum, neue Lebenskonzepte in Gemeinschaft zu schaffen. „Oekogeno steht für Vielfalt, wir wollen ein lebendiges Quartier!“, sagte er und spannte damit den Bogen zu den Zielen der Heinrich-Pesch-Siedlung.
Michael Böhmer, Projektsteuerer der Heinrich-Pesch-Siedlung, präsentierte den Zeitplan für die Gründung der Heinrich-Oesch-Baugenossenschaft. „Unser Ziel ist es, sehr schnell zu gründen und bis zum Jahresende mit der Heinrich-Pesch-Siedlung als Genossenschaft einen Erbrechtsvertrag für ein Cluster abzuschließen“, sagte er.
Es sind rund 40 Wohneinheiten mit ein bis fünf Zimmern geplant. Die Baugenossen müssen etwa 40 Prozent der Baukosten als Eigenkapital mitbringen. „Dabei kann es sich um eigenes oder geliehenes Geld handeln, auch Fördermittel sind möglich“, erläuterte Böhmer. Ein Vorteil sei, dass die Genossenschaft das Grundstück nicht kaufen müsse, sondern es sich um Erbpacht handele.
Das Team der Heinrich-Pesch-Siedlung zeigte sich abschließend „guten Mutes“, dass die Baugenossenschaft ein Erfolg wird. „Eine Genossenschaft ist gelebte Gemeinschaft. Sie wird ein Leuchtturm in der Siedlung sein, und ich hoffe, dass sie Strahlkraft über die ganze Siedlung haben wird“, sagte Ernst Merkel. Thorsten Will ergänzte: „Es braucht Mut und Visionen, aber es lohnt sich. Die Genossenschaft wird ein Highlight in unserer Vorzeigesiedlung sein“.
Termin
Interessierte können sich bei zwei weiteren Veranstaltungen im Heinrich-Pesch-Haus über die Baugenossenschaft informieren: Am 30. Oktober, 19 Uhr, geht es um „Bauen, zusammenleben, gestalten“ und am 21. November, 19 Uhr, um die Finanzen der Genossenschaft und Genossen sowie Fördermöglichkeiten.