Fragen und Antworten RHEINPFALZ Plus Artikel Heinrich-Pesch-Siedlung: Warum auf dem Baufeld Stillstand herrscht

So stellen sich die Planer die neue Siedlung vor.
So stellen sich die Planer die neue Siedlung vor.

Die Straßen und Gehwege sind fertig, zahlreiche Bäume wurden gepflanzt. Jetzt fehlen in der Heinrich-Pesch-Siedlung noch die Häuser und Menschen. Die beiden Geschäftsführer des Projekts erklären, wie es weitergeht.

Vor vier Jahren hat der Stadtrat grünes Licht für den Bau der Heinrich-Pesch-Siedlung gegeben. Ab Sommer 2021 sollten ursprünglich die ersten 120 Wohnungen gebaut werden. Warum hat sich das Projekt verzögert?
„Seit 2020 hat der Bebauungsplan Rechtskraft“, sagt Geschäftsführer Ernst Merkel. Das sei ein sehr wichtiges Signal gewesen. Bei der Vorstellung des Projekts habe es in der Baubranche noch komplett anders ausgesehen, die Investoren standen Schlange. „Dann sind die Kosten gestiegen, und das Bauen ist immer unrentabler geworden“, ergänzt Geschäftsführer Thorsten Will. Die Rahmenbedingungen seien heute sehr schwierig. „Frei finanzierter Wohnungsbau ist im Moment nicht möglich“, so Will. Bei der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) in Mainz gebe es derzeit einen Antragsstau für Wohnungsbauförderung.

Wann sollen die ersten Wohnungen in dem neuen Viertel gebaut werden?
Bisher gibt es einen Investor: Die Sahle Baubetreuungsgesellschaft aus Greven in Nordrhein-Westfalen will auf drei Baufeldern für mehr als 50 Millionen Euro mehrere große Mehrfamilienhäuser errichten. Baubeginn könnte im günstigsten Fall im Jahr 2025 sein. Gerechnet wird mit einer Bauzeit von zwei Jahren. Das Unternehmen aus dem Münsterland ist in der Region nicht unbekannt. Im neuen Mannheimer Stadtteil Franklin hat Sahle 317 Mietwohnungen errichtet, davon 208 mit staatlicher Wohnbauförderung.

Die Erschließung des Baufelds ist seit mehr als einem Jahr abgeschlossen.
Die Erschließung des Baufelds ist seit mehr als einem Jahr abgeschlossen.

Warum dauert das so lange?
Der Investor hat Merkel zufolge zunächst erste Entwürfe für 200 Wohnungen vorgelegt. Jetzt werden genaue Pläne und die Grundrisse erarbeitet. Alle vier Wochen finden Videokonferenzen statt. Geplant sind geförderte Wohnungen, daher füge sich das Vorhaben ein in das soziale Gesamtkonzept der Siedlung, betonen die Geschäftsführer.

Was ist mit den anderen Baufeldern? Gibt es weitere Investoren, die Wohnungen bauen wollen?
„Wir haben auch für die übrigen Baufelder einige Interessenten, mit denen Gespräche laufen“, sagen die Geschäftsführer. Sie gehen davon aus, dass noch in diesem Jahr weitere Verträge geschlossen werden. Die Bauarbeiten könnten 2025/2026 beginnen und dann im Jahr 2027 die ersten Bewohner in die ersten neuen Häuser einziehen. Dann soll auch die vom Ludwigshafener Immobilienunternehmen GAG geplante Kita fertig sein.

Bei der Vorstellung des Projekts hatte GAG-Chef Wolfgang van Vliet noch erklärt, dass sich das kommunale Wohnungsbauunternehmen in der Siedlung engagieren werde. Was ist daraus geworden?
Die GAG sei aktuell beratend im Boot, sagen die Geschäftsführer und verweisen bei weiteren Nachfragen an die GAG.

Halten Sie weiterhin an dem Konzept fest, dass in der künftigen Siedlung sowohl Menschen mit kleinem Geldbeutel als auch wohlhabende Bewohner zusammenleben sollen?
Ja, sagen die Geschäftsführer. Das fast 15 Hektar große Gelände neben dem Heinrich-Pesch-Haus gehört dem Jesuitenorden und der katholischen Kirchengemeinde. Der Träger hält an dem besonderen Sozialkonzept des neuen Quartiers mit rund 800 Wohnungen für etwa 2000 Bewohner fest. Es wird komplett aus einer Hand geplant, die Grundstücke nur in Erbpacht vergeben. Bei der Vermietung soll eine Zielvereinbarung für eine gute Durchmischung des Quartiers sorgen. Dass neben Miet- auch noch Eigentumswohnungen gebaut werden, sei derzeit nicht ganz ausgeschlossen, sagt Ernst Merkel. Die Siedlung wird autofrei geplant. Es soll Car-Sharing, E-Fahrräder und Lastenräder zum Ausleihen geben.

Warum ist das Baufeld eingezäunt?
Die Baustelle ist und bleibt auch eingezäunt, erklären die Geschäftsführer. Sobald die Arbeiten starten, soll es auch ein Baustellenmanagement geben, damit alles kontrolliert werden kann und eventuelle Schäden dokumentiert werden können. Alles, was auf dem Baufeld bereits vorhanden ist, ist auch versichert. Bis die ersten Bewohner einziehen, sollen die Straßenbäume, die bereits gepflanzt wurden, schon als Schattenspender fungieren. Quartiersmanagerin der neuen Siedlung wird Jana Sand aus dem Heinrich-Pesch-Haus. Sie arbeitet jetzt schon an verschiedenen Projekten.

Was passiert als Nächstes?
Geplant ist als Nächstes die Gründung einer Baugenossenschaft nach Bad Dürkheimer Vorbild. Dort gibt es bereits ein generationenübergreifendes genossenschaftliches Wohnprojekt auf dem Fronhof. Es entspricht dem Sozialkonzept des Projekts Heinrich-Pesch-Siedlung. Erster Termin für die Gründung ist Dienstag, 15. Oktober, 19 bis 20.30 Uhr, im Heinrich-Pesch-Haus. Die Baugenossenschaft soll Interessenten die Möglichkeit bieten, in einer unterstützenden Nachbarschaft gemeinschaftlich zu wohnen. Im Mittelpunkt steht dabei bezahlbarer und langfristig gesicherter Wohnraum.

Wann könnte die Heinrich-Pesch-Siedlung fertig werden?
Bis 2029/30 soll die Siedlung fertig werden, sagen die beiden Geschäftsführer.

Zur Sache: Heinrich-Pesch-Siedlung

Die Siedlung soll in den kommenden Jahren auf einer bislang landwirtschaftlich genutzten Fläche in direkter Nachbarschaft zum Heinrich-Pesch-Haus zwischen West und Oggersheim entstehen. Auf 15 Hektar sollen in 800 Wohnungen 2000 Menschen leben. Die Wohnformen zur Miete sollen vielfältig sein: von Stadt- über Reihen- bis hin zu Mehrfamilienhäusern. Alle Grundstücke werden in Erbpacht vergeben. Hinzu kommen Gewerbeflächen entlang der Frankenthaler Straße. Begegnung und ein Miteinander sollen im Mittelpunkt stehen. Geplant sind auch eine Kindertagesstätte und eine Schule in direkter Nachbarschaft. Mehrere Spielplätze sind als Bewegungsmöglichkeiten und Orte für nachbarschaftlichen Austausch gedacht. Dazu kommen Mietergärten. Zwei Quartiersgaragen mit fortschrittlicher Ladeinfrastruktur für Elektromobilität sollen es möglich machen, dass in dem neuen Viertel kaum Autos fahren. Für einen Teil der Siedlung ist die Gründung einer Genossenschaft vorgesehen.

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