Ludwigshafen
Heinrich-Pesch-Siedlung: Baugenossenschaft soll im Herbst gegründet werden
Die Vorbereitungen für die Gründung einer Baugenossenschaft in der künftigen Heinrich-Pesch-Siedlung zwischen West und Oggersheim laufen bei Michael Böhmer, Wirtschaftsprüfer und Fachberater für Baurecht mit Büro im Stadtteil Süd, und seinem Mitarbeiter Sebastian Kloster auf Hochtouren. Denn das Projekt soll schon in wenigen Wochen an den Start gehen. Mitte Oktober findet eine Informationsveranstaltung für interessierte Gründungsmitglieder statt. Dann folgen weitere Termine.
Wie die Fachleute erklären, gibt es sowohl bundes- als auch landesweit wenig neu gegründete Genossenschaften, da den meisten Interessenten das Grundstück fehlt, das rechtliche, wirtschaftliche und bauliche Wissen sowie die Erfahrung und die Organisation der finanziellen Mittel nicht vorhanden sind. All das sei jedoch in der künftigen Heinrich-Pesch-Siedlung auf 4000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche am westlichen Rand des Quartiers gegeben. Daher soll das Vorhaben schon bald angestoßen und dann verwirklicht werden.
Bewohner sollen mitwirken
Die Baugenossenschaft soll Menschen die Möglichkeit bieten, in einer unterstützenden Nachbarschaft gemeinschaftlich zu wohnen. „Dabei legen wir großen Wert auf bezahlbaren und langfristig gesicherten Wohnraum, der den Bewohnern Stabilität bietet“, erklärt Michael Böhmer. „Darüber hinaus haben die Mitstreiter die Chance, aktiv an der Gestaltung ihres Wohnumfelds mitzuwirken und die Gemeinschaft mitzugestalten.“
Gesucht sind daher Mitstreiter, die sich dafür engagieren wollen, wie und mit wem sie in Zukunft als Nachbarn zusammenleben wollen. Schon jetzt gebe es eine für die Gründung der Genossenschaft ausreichende Anzahl an Gründungsmitgliedern auf einer Liste, betonen Böhmer und Kloster. Sie sprechen von mehr als 50 Interessenten.
Wer in den nächsten Jahren in eine Wohnung der Baugenossenschaft einziehen will, muss Böhmer zufolge Eigenkapital mitbringen oder sich dafür Geld bei einer Bank leihen beziehungsweise einen Antrag auf Förderung bei der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz stellen. Den jeweiligen Kapitalbedarf beziffert Böhmer auf 20 bis 40 Prozent der Baukosten, die aktuell bei etwa 4000 Euro pro Quadratmeter liegen.
Kapital notwendig
In dem Komplex soll es Ein- bis Vierzimmerwohnungen und Gemeinschaftsräume geben. Je nach Wohnungsgröße müssen die Bewohner etwa 60.000 bis 100.000 Euro Kapital aufbringen. Die weiteren Kosten werden dann langfristig über eine Miete finanziert, die günstiger ist als die aktuelle Marktmiete.
In der künftigen Genossenschaft hoffen die Architekten des Projekts auf eine Fluktuation, je nachdem, in welcher Lebensphase sich die Bewohner gerade befinden: Die größeren Wohnungen und Reihenhäuser seien für Familien mit Kindern gedacht, kleinere Appartements für jüngere Singles und Paare oder Senioren.
Termin
Infoveranstaltung, Dienstag, 15. Oktober, 19 bis 20.30 Uhr, Heinrich-Pesch-Haus, Frankenthaler Straße 229, zur Gründung der Heinrich-Pesch-Baugenossenschaft. Mit einem Erfahrungsbericht aus verschiedenen Gründungen von Baugenossenschaften. Anmeldung bis 7. Oktober: info@heinrich-pesch-siedlung.de, Telefon: 0621 877242-0. Folgeveranstaltungen finden am 30. Oktober und 21. November statt.
Zur Sache: Heinrich-Pesch-Siedlung
Die Siedlung soll in den kommenden Jahren auf einer bislang landwirtschaftlich genutzten Fläche in direkter Nachbarschaft zum Heinrich-Pesch-Haus zwischen West und Oggersheim entstehen. Auf 15 Hektar sollen in 800 Wohnungen 2000 Menschen leben.
Die Wohnformen zur Miete sollen vielfältig sein: von Stadt- über Reihen- bis hin zu Mehrfamilienhäusern. Alle Grundstücke werden in Erbpacht vergeben. Hinzu kommen Gewerbeflächen entlang der Frankenthaler Straße. Begegnung und ein Miteinander sollen im Mittelpunkt stehen. Geplant sind auch eine Kindertagesstätte und eine Schule in direkter Nachbarschaft. Mehrere Spielplätze sind als Bewegungsmöglichkeiten und Orte für nachbarschaftlichen Austausch gedacht. Dazu kommen Mietergärten.
Zwei Quartiersgaragen mit fortschrittlicher Ladeinfrastruktur für Elektromobilität sollen es möglich machen, dass in dem neuen Viertel kaum Autos fahren. Für einen Teil der Siedlung ist die Gründung einer Genossenschaft vorgesehen.