Ludwigshafen
Grundschulen: Eltern fordern landesfinanzierte Sprachförderung
Es war ein nicht-öffentliches Treffen, zu dem das Bildungsministerium, die Schulbehörde, die Stadtverwaltung sowie die Grundschulen und Elternbeiräte ihre Vertreter geschickt hatten. Schwerpunkt der Agenda: das Thema „Sprachförderung“.
Wie weit die unterschiedlichen Positionen dabei auseinandergelegen haben, kann im Nachgang nur zwischen den Zeilen der angefragten Presseerklärungen gelesen werden. So viel ist allerdings klar: Dass die Vertreter der Schulelternbeiräte angesichts der bei vielen Ludwigshafener Grundschülern bestehenden sprachlichen Defizite eine vom Land Rheinland-Pfalz finanzierte Förderung wünschen – und zwar vor dem Eintritt der Kinder in die Grundschule – darauf geht das Statement des Bildungsministeriums mit keinem Wort ein.
„Die Beteiligten formulierten (...) auf der Grundlage der vom Land Rheinland-Pfalz im Bereich der sprachlichen Bildung in Kitas und Grundschulen angebotenen Maßnahmen ihre unterschiedlichen Erwartungen. Am Ende herrschte Einigkeit darüber, dass Lösungen nur in gemeinsamer Verantwortung gefunden werden können. Ebenfalls waren sich alle Beteiligten darüber einig, dass die Interessen der Kinder und ihrer Eltern im Fokus aller Anstrengungen stehen müssen“, heißt es aus Mainz.
„Zum Teil kein Wort Deutsch“
Hintergrund des Vorschlags einer landesfinanzierten Sprachförderung sei die Finanzsituation der Stadt Ludwigshafen, teilt Frank Maaß, Sprecher der AG der Schulelternbeiräte mit. „Die Sprachkompetenz der Kinder ist eine entscheidende Voraussetzung für den Bildungserfolg in der Schule“, betont er, „zum Teil kommen Schüler in die Grundschule, die kein Wort Deutsch sprechen können. In der Stadt Ludwigshafen fehlen aktuell zirka 2000 Kita-Plätze.“
Konkrete Pläne für eine Überprüfung des Sprachstandes oder eine Förderung der Sprachkenntnisse vor Schuleintritt seien nicht genannt worden, berichtet Barbara Mächtle im Nachgang zum Runden Tisch. „ Es geht bei dieser Thematik nicht nur um Kinder ohne Kita-Besuch, sondern an vielen Schulen auch um Kinder, die eine Kita besuchen und dennoch wenige Sprachkenntnisse haben“, so die Schulleiterin der Gräfenauschule.
Handlungsunfähige Stadt
Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (parteilos), lässt sich indes wie folgt zitieren: „Wir unterstützen das Anliegen der Schulen.“ Allerdings sei die Stadt aufgrund der Haushaltssituation insoweit handlungsunfähig. Es könnten nur neue Aufgaben übernommen werden, wenn andere Pflichtaufgaben, auch im sozialen Bereich, gestrichen würden.
Zur Situation der Grundschulen wollen die Akteure weiter im Gespräch bleiben, Ende Februar oder Anfang März soll entsprechend der nächste Termin des Runden Tisches stattfinden – er ist das Ergebnis eines Gesprächs von Elternvertretern mit Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD), das im Juli stattfand.
Nach Angaben des Ministeriums soll nun je eine Arbeitsgruppe zu Kita und Grundschule Vorschläge für kurz-, mittel- und langfristige Lösungsansätze erarbeiten. „Wichtig ist dabei der besondere Blick auf die Verzahnung der Maßnahmen, die von der Stadt Ludwigshafen und dem Land Rheinland-Pfalz bereits angeboten werden“, so ein Sprecher.