Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Großkontrolle auf der Schumacher-Brücke: Die Polizei sieht alles

Alles im Blick: Die Schumacher-Brücke nach Mannheim sei ein idealer Kontrollpunkt, so die Beamten.
Alles im Blick: Die Schumacher-Brücke nach Mannheim sei ein idealer Kontrollpunkt, so die Beamten.

Um mehr als 25 Prozent sind in Ludwigshafen Mitte die Fallzahlen bei Alkohol am Steuer gestiegen, um rund 33 Prozent die Fälle von Drogen am Steuer. Grund genug für die Polizei, die Verkehrskontrollen zu verstärken. Deshalb hat es am Freitag auf der Kurt-Schumacher-Brücke in Ludwigshafen eine Großkontrolle gegeben.

19.30 Uhr, es geht los. Zwölf Beamte der Polizeiinspektion Ludwigshafen 1 sperren eine Fahrspur der Kurt-Schumacher-Brücke ab. Noch während die rot-weißen Verkehrshütchen aufgestellt werden, bildet sich ein Stau. „Die Schumacher-Brücke ist ideal für uns“, sagt Polizeikommissar Marius Sauerborn. „Hier kann keiner versuchen abzuhauen.“

Nicht, dass der Betreffende weit käme: Die Kollegen in Mannheim seien über die Kontrolle informiert, so Sauerborn. Zudem seien weit mehr Beamte gerade in der Nachbarstadt im Einsatz – die Veranstaltungen „Time Warp“und „Nachwandel“ im Jungbusch bringen es mit sich. „Natürlich machen wir das, um auch etwas zu finden. Gleichzeitig wünscht man sich, dass alle vernünftig sind“, sagt der Polizeikommissar. Die Statistik zeige, dass Einsätze wie an diesem Abend nötig seien.

Der erste Eindruck zählt

Die ersten Fahrzeuge werden herausgewunken. „Guten Abend, allgemeine Verkehrskontrolle.“ Mit dem Spruch beginnt es. Ein Beamter ganz vorn an der Kontrollstelle wirft einen Blick in die Autos und gibt dann über Funk Bescheid, wo genauer kontrolliert wird. „Der Kollege ist geschult auf bestimmte Anzeichen“, so Sauerborn. Geachtet werde nicht nur auf den Fahrer, auch der Zustand des Fahrzeugs kann ein Hinweis sein. Extremes Tuning: Da könnte die Zulassung erloschen sein. Viele Schrammen und Beulen: Der Fahrer nimmt es mit den Verkehrsregeln nicht so genau.

Rot-weiße Hütchen und Baken trennen die Kontrolle von der Fahrspur ab. Auf der quält sich der restliche Verkehr durch.
Rot-weiße Hütchen und Baken trennen die Kontrolle von der Fahrspur ab. Auf der quält sich der restliche Verkehr durch.
Alles im Blick: Ein Beamter schaut sich Fahrzeuge und Fahrer genau an.
Alles im Blick: Ein Beamter schaut sich Fahrzeuge und Fahrer genau an.
Ab zur Überprüfung: Ein ganzer Stapel Führerscheine wird unter die Lupe genommen.
Ab zur Überprüfung: Ein ganzer Stapel Führerscheine wird unter die Lupe genommen.
Nicht jeder hat seine Papiere gleich griffbereit.
Nicht jeder hat seine Papiere gleich griffbereit.

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Anzeichen von Drogen oder Alkoholkonsum stelle man dann erst im direkten Kontakt mit dem Fahrer fest. „Da gibt es alles Mögliche“, so Sauerborn. Stecknadelkopf-kleine Pupillen, verwaschene Sprache, bei Seniorinnen und Senioren am Steuer könne auch das Sehvermögen nachgelassen haben. Und bei Drogen? „Ich hatte schon welche, die gleich gesagt haben, dass sie etwas genommen haben“, so Sauerborn. Im Einzelfall machen die Beamten Tests: Pupillenkontrolle mit einer Taschenlampe, Stehen auf einem Bein. Wer da nicht glatt besteht, kann eine Urinprobe abgeben.

Seltsames Ballett im flackernden Blaulicht

Im Laufe des Abends sind immer wieder Menschen zu sehen, die auf einem Bein stehen, den Kopf in den Nacken legen, Arme ausstrecken – in der Disko würde das als einigermaßen lahm gelten. Aber statt wummerndem Bass gibt es auch nur das Poltern von Reifen an den Brückenübergängen und dröhnende Motoren. Der eine oder andere Fahrer zieht sich halb diskret zum Pinkeln ans Brückengeländer zurück.

Nach einiger Zeit sammeln sich Pappbecher, mit blauen Nitrilhandschuhen verschlossen, auf der Mittelleitplanke. „Der Urintest ist wirklich nur ein Angebot von uns, er wirkt ja auch entlastend“, sagt Sauerborn. Wer ernste Ausfallerscheinungen zeige oder meine, der Test werde schon nicht anschlagen, muss ohnehin zur Blutentnahme. Ein Beamter nimmt gleich zwei Kandidaten in einem Mercedes-Van mit. Da ist es gerade einmal 20 Uhr.

Stichwort Strullen: Bei anderen Kontrollen sind Pinkelbusse im Einsatz, Kastenwagen, die etwas Privatsphäre ermöglichen. Warum nicht auf der Schumacher-Brücke? „Die Kontrolle ist zu klein dafür“, sagt Sauerborn entschuldigend und schiebt nach, dass das durchaus ein Problem für Frauen sei. Vielleicht ein Grund, warum erstaunlich viele Männer herausgezogen werden.

Manchmal trügt der Schein

Zwei Jungs sind mit einem ordentlich verbeulten VW vorgefahren und wirken amüsiert. Der Eindruck ist klar: Gelegenheitskonsumenten mit dem Hang, nach Gehör einzuparken. Wohin geht’s? „Nach Hause ... oder vielleicht noch ein bisschen feiern, je nachdem, wie lang der Stau ist“, sagt der Beifahrer, während sein Kumpel auf einem Bein steht und von 1000 aufwärts zählt.

„Sie lassen mich da aber nicht eine Million zählen“, sagt er, lacht und schaut zu seinem Freund. Man will ja nicht uncool wirken. Den Test besteht er problemlos. Der erste Eindruck? Völlig falsch. „Das waren tatsächlich zwei, die ganz frisch den Führerschein haben, für die ist das alles noch neu“, sagt Sauerborn. Das Fahrzeug ist, was es ist: ein billiges erstes Auto, nicht cool, aber es rollt.

In der Mitte der Reihe wird es kurz laut. Ein Fahrer ist offenbar komplett neben der Spur. Er wirkt unkoordiniert, läuft Schlangenlinien, will unbedingt eine rauchen. Der Beamte fürchtet, von einer brennenden Zigarette getroffen zu werden. „Sie können mir nichts verbieten“, hält der Mann dagegen. Ein weiterer Beamter kommt dazu und beschwichtigt, man habe schon viel erlebt und mal kurz nicht zu rauchen, gehe doch auch. Für den Fahrer wird es ohnehin dick kommen: Sein Auto bleibt stehen.

Eine lustige Gruppe im Taxi nach Mannheim

In der Reihe landen auch Taxen mit nicht angeschnallten Fahrgästen. „Bei uns in Italien müssen sich nur die Leute vorn anschnallen“, sagt einer der Passagiere und lacht. Auf den Rücksitz würden die Beamten eh nie schauen. Alarmiert waren die Ludwigshafener, weil auf der Rückbank einer verkehrt herum saß, die Beine im Kofferraum des Vans. Ebenso gestoppt: ein Allrad-Campingfahrzeug und mehrere Nobelkarossen.

„Einen 6er-BMW hatten wir, der hatte die Scheiben getönt, da hat man praktisch nichts mehr gesehen“, so Sauerborn. Oh, schick. „Nein, nicht wirklich. Die Folie hatte auch noch Blasen.“ Ansonsten: Ausländische Fahrzeuge, die auch nach sechs Monaten Aufenthalt in Deutschland noch nicht umgemeldet sind. „Die sparen damit bei Steuer und Versicherung – für uns ist das eine Steuerstraftat“, so Sauerborn. Immer wieder werden Kennzeichen und Namen per Funk an die Polizeiinspektion durchgegeben. Dort sitzen zwei Beamte und überprüfen, ob es Einträge gibt – oder die Zulassung stimmt.

Es geht auf elf Uhr nachts zu und die Kontrolle geht weiter. „Das läuft so gut, dass wir beschlossen haben, weiterzumachen“, sagt Sauerborn, während im Hintergrund der Nächste in Begleitung zweier Beamter einigermaßen würdevoll zum Brückengeländer schlendert.

Die Bilanz der Nacht

Bei insgesamt 242 kontrollierten Fahrzeugen wurde gegen vier Personen Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Fahrens unter Einfluss von Alkohol betziehungsweise von Drogen eingeleitet. Diese müssen sich nun in einem Strafverfahren wegen Trunkenheit im Verkehr beziehungsweise einem Ordnungswidrigkeitenverfahren verantworten. Zwei Fahrer wurden in der Hauptstraße bei einem Kraftfahrzeugrennen beobachtet und einer Kontrolle unterzogen. Gegen sie wurden Strafverfahren eingeleitet.

Noch Fragen?

Unsere Wirtschaftsredaktion hat Tipps zusammengestellt, wie man sich bei einer Verkehrskontrolle richtig verhält. Zum Artikel geht es hier.

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