Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel „Nachtwandel“: Konzerte und Ausstellungen im Szeneviertel

Kulturfest im Szeneviertel: Der Sackträgerplatz ist das Epizentrum des „Nachtwandels“.
Kulturfest im Szeneviertel: Der Sackträgerplatz ist das Epizentrum des »Nachtwandels«.

Konzerte, Ausstellungen, Performances, Illuminationen und kulinarische Köstlichkeiten können Besucher am Freitag und Samstag im Mannheimer Jungbusch entdecken. Dann steigt wieder der „Nachtwandel“.

Rumänische Folklore im Innenhof eines Wohnhauses, eine türkische Tanzektase mitten auf dem Sackträgerplatz, Electrobeats an der Straßenbahnhaltestelle oder eine Klangmeditation in der Hafenkirche – jeweils von 19 bis 24 Uhr geht es am Freitag, 25. Oktober, und Samstag, 26. Oktober, in dem Szeneviertel zwischen Hafen und City mal laut, mal leise, aber stets sehr international zu. Mit Beiträgen von Menschen mit italienischen, bulgarischen, peruanischen, syrischen, montenegrinischen oder Pfälzer Wurzeln.

Der künstlerische Leiter Eric Carstensen mag bei einem Programm mit über 80 Aktionen und 800 Akteuren keinen einzelnen Punkt herauspicken. Und macht es dann doch. „Die Waschstraße der Aral-Tankstelle ist ein Klassiker“, sagt er. Wo sonst Autos geschrubbt werden, darf ein kleines Publikum ein Konzert in ungewohnter Atmosphäre genießen. Auch der Chor des Nationaltheaters wird zwischen Zapfsäulen singen und zum „Freude tanken“ einladen. Solche Stationen legen den Charakter des „Nachtwandels“ offen: Alle Programme werden aus dem Stadtteil heraus entwickelt. Bewohner, die freie Kulturszene, Gastronomie und Institutionen ziehen dafür an einem Strang.

Eintauchen in Kunst

„Unsere Philosophie ist schon immer ein offener Kunst- und Kulturbegriff. Es wird nichts in Formate gezwängt. Das bedeutet auch, dass der Beitrag der großen Popakademie uns genauso wichtig ist wie die Idee einer Familie aus dem Jungbusch oder des Internationalen Frauentreffs. Das kann gut nebeneinander stehen“, sagt Michael Schauermann. Der Quartiersmanager hat bereits den ersten „Nachtwandel“ 2004 mit ausgerichtet, damals hatte der Stadtteil noch ein anderes Gesicht, war mehr raues Rotlicht- und Hafenviertel als Szenekiez mit schicken Bars.

Viele Menschen aus der ganzen Region wollen die besondere Atmosphäre im Kiez zwischen Hafen und City erleben.
Viele Menschen aus der ganzen Region wollen die besondere Atmosphäre im Kiez zwischen Hafen und City erleben.

In den vergangenen Jahren hat der „Nachtwandel“ mit explodierenden Besucherzahlen immer mehr Partycharakter entfaltet. Mit lauter und miteinander konkurrierender Musik auf der Straße oder Bierflaschen, die aus kleinen Wägelchen und Imbissbuden heraus verkauft wurden. Dem hat man in den letzten Jahren entgegengewirkt: Getränke dürfen nur noch aus den „Nachtwandel“-Plastikbechern getrunken werden, die zugleich einen Solidarbeitrag (2023 wurden 4500 Becher für jeweils fünf Euro verkauft) für die kostenlose Veranstaltung darstellen. Musik auf der Straße gibt es nur noch an ausgewählten Plätzen. Die Aktionen werden bewusst in die Gebäude und Höfe verlagert. Als stille Attraktion bewährt hat sich die Kultur-Container-Stadt am Verbindungskanal, bei der man tief in die Kunst eintauchen kann.

Sicherheit im Blick

„Mit den Maßnahmen konnten wir die Partyentwicklung etwas zurücktreiben und den ,Nachtwandel’ in seiner Substanz pflegen“, sagt Scheuermann, für den es der letzte „Nachtwandel“ in seiner Funktion als Quartiersmanager sein wird. Im kommenden Jahr tritt er in den Ruhestand. Nur zweimal (2016 aufgrund offener Finanzierungsfragen und 2020 wegen Corona) musste die Veranstaltung entfallen. Seitdem ist die Stadt (Fördersumme: 50.000 Euro) stärker involviert. Diesmal ist die neu gegründete Gesellschaft Veranstaltungen-Tourismus-Marketing (VTM) offizieller Ausrichter, ohne den Organisatoren ins Programm reden zu wollen.

Vielmehr hat man die Sicherheit im Blick. „Das Ordnungsamt, das Besondere Ordnungsamt und das Verkehrsordnungsamt sind genauso vor Ort wie Polizei, Feuerwehr, DLRG oder die Malteser. Im Vergleich zu anderen Stadtteilfesten ist eine stärkere Organisation und Verantwortlichkeit notwendig“, sagt VTM-Geschäftsführer Oliver Althausen. Die Gesamtkosten lägen bei über 100.000 Euro, finanziell sei der „Nachtwandel“ ein Minusgeschäft, kulturell aber ein Segen.

Interreligiöser Dialog

„Der ,Nachtwandel’ ist ein Aushängeschild im Veranstaltungskalender Mannheims. Viele Menschen aus der ganzen Region wollen die besondere Atmosphäre im Kiez erleben“, sagt Oberbürgermeister Christian Specht (CDU). Das Flanieren durch den „Busch“ stehe nicht nur für das interkulturelle Zusammenleben, sondern auch für den interreligiösen Dialog: Auf der einen Seite erstrahlt die Jugendkirche in besonderem Licht, direkt gegenüber lädt die Moschee zur offenen Begegnung.

„Einfach mal reingehen“, empfiehlt Specht, der Nachtwandel sei schon immer ein Ausdruck für Toleranz gewesen. „Die zentrale Botschaft ist, dass es friedlich funktioniert.“

Noch Fragen?

Die „Nachtwandel“-Becher sind bereits an den Touristinfos am Mannheimer Hauptbahnhof sowie am Paradeplatz erhältlich. Das gesamte Programm gibt es im Netz unter www.nachtwandel-im-jungbusch.de. Am Samstag, 26. Oktober, wird von 16 bis 19 Uhr ein „Kinder-Nachtwandel“ mit zwölf Stationen angeboten.

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