Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Brennpunktschule in LU: Stadt empört über Kritik vom Land

An der Gräfenauschule im Hemshof müssen in diesem Jahr möglicherweise 44 Kinder die erste Klasse wiederholen.
An der Gräfenauschule im Hemshof müssen in diesem Jahr möglicherweise 44 Kinder die erste Klasse wiederholen.

Sowohl das Bildungsministerium als auch der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion haben die Stadt Ludwigshafen in puncto Gräfenauschule kritisiert. Dezernentin Cornelia Reifenberg (CDU) reagiert darauf empört.

Mit „großer Verwunderung“ hat Schuldezernentin Cornelia Reifenberg (CDU) die Aussagen des bildungspolitischen Sprechers der SPD-Landtagsfraktion vom vergangenen Freitag im Bildungsausschuss in Mainz zur Debatte rund um die Situation an der Gräfenauschule zur Kenntnis genommen. So teilt es die Stadt auf Anfrage mit. Sven Teuber hatte offen Kritik an der Ludwigshafener Verwaltung geübt und moniert, dass die Stadt schon längst hätte ein Ganztagsangebot etablieren können – gemeinsam mit der Schule und den Eltern.

„Es ist sehr bedauerlich, dass der Landtagsabgeordnete sich offenbar vorab nicht oder nicht vollständig in der Sache informiert hat. Sonst müsste ihm bekannt sein, dass sich die Schulverwaltung der Stadt Ludwigshafen gemeinsam mit dem Schulträgerausschuss seit vielen Jahren für die Einrichtung weiterer Ganztagsschulen in der Stadt einsetzt“, lässt sich Reifenberg zitieren. Vor Ort gebe es einen breiten politischen Konsens zugunsten der Ganztagsschulen. „Gleichwohl sind uns Grenzen gesetzt“, betont die Schuldezernentin. „Ohne die ausdrückliche Zustimmung der jeweiligen Schule, das heißt von Schulleitung, Kollegium und Eltern, werden wir als Schulträgerin keinen Antrag auf Errichtung einer Ganztagsschule stellen, auch wenn das theoretisch möglich wäre.“

Ganztag: Personal notwendig

Derzeit wolle die Gräfenauschule keine Ganztagsschule werden. Beziehungsweise – wie Schulleiterin Barbara Mächtle auf Nachfrage präzisiert – man würde die verpflichtende Form der Ganztagsschule bevorzugen. Zum einen bestünden am derzeitigen Schulstandort aber kaum Anbaumöglichkeiten und zum anderen müsste auch eine Ganztagsschule mit ausreichend qualifiziertem Personal versorgt sein, damit ein positiver Effekt eintrete. Ähnlich stelle sich die Situation zur Einrichtung von Ganztagsangeboten auch an anderen Schulen in der Stadt dar, teilt die Stadtverwaltung mit. Auch gegenüber dem Bildungsministerium sei dies artikuliert worden. Gleichwohl werde die Stadt nach Angaben von Reifenberg die entsprechenden Gespräche fortführen.

Auch die Aussagen, die seitens des Ministeriums im Bildungsausschuss des Landtags getätigt wurden, „dass etwa Koblenz viel mehr Schulsozialarbeit in Grundschulen nutze als das pfälzische Oberzentrum“, will die Dezernentin so nicht stehen lassen. „Die Stadt Ludwigshafen setzt schon seit vielen Jahren Schulsozialarbeit an allen 23 Grundschulen ein.“ Unter anderem sei die Anzahl der Stellen für Schulsozialarbeiter an den Ludwigshafener Grundschulen seit 2022 mehr als verdoppelt worden. Insbesondere an den beiden Grundschulen im Hemshof gebe es seit Beginn des Schuljahres 2022/2023 jeweils eine volle Stelle Schulsozialarbeit. Zur Vermeidung von Schulverweigerung sei im Dezember zudem eine zusätzliche volle Projektstelle aus der Schulsozialarbeit eingerichtet worden. Insgesamt stehen den Ludwigshafener Grundschulen laut Stadt 10,65 Stellen für Schulsozialarbeit zur Verfügung, zwei weitere sollen in diesem Jahr dazukommen.

Reifenberg: „Dazu ist übrigens zu bemerken, dass das Land Rheinland-Pfalz Schulsozialarbeit an Grundschulen erst mit dem aktuell laufenden Schuljahr als förderwürdig ansieht und auch nur ein kleines Förderprogramm aufgelegt hat. Für die Stadt Ludwigshafen bedeutet das, dass lediglich zwei der demnächst 12,65 Stellen mit jeweils 30.600 Euro vom Land bezuschusst werden. Im Umkehrschluss heißt das, dass nahezu die gesamten Personalkosten der Schulsozialarbeit an Grundschulen durch die Stadt Ludwigshafen getragen werden.“ Klar sein müsse auch, dass Schulsozialarbeit nicht geeignet sei, Defizite auszugleichen, die zum Beispiel entstehen, weil Kinder im Unterricht nicht ausreichend beim Spracherwerb gefördert werden könnten, bilanziert Reifenberg.

„Es ärgert mich sehr“

Ganz besonders getroffen hat die Dezernentin die Aussage des SPD-Landtagsabgeordneten Sven Teuber, wonach Reifenberg im vergangenen Jahr die Einrichtung von Familiengrundschulzentren abgelehnt habe. „Es ärgert mich sehr, wenn ein Abgeordneter, der mich persönlich nicht kennt, eine solche Aussage trifft, die einfach nicht stimmt. Der Jugendhilfeausschuss der Stadt hat sich am 22. Juni 2023 aufgrund eines Antrags der SPD-Fraktion erstmals mit dem Thema befasst. Auch mit meiner Stimme hat der Ausschuss damals, vorbehaltlich der Prüfung von organisatorischen und finanziellen Fragen, der Einrichtung der Familiengrundschulzentren einstimmig zugestimmt“, betont Cornelia Reifenberg. Der Einstieg in das Modellprojekt werde zum neuen Schuljahr erfolgen.

Sven Teuber hatte als bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion im Ausschuss in Mainz jedoch nicht nur ordentlich gegen die Stadt Ludwigshafen und seine Schuldezernentin, sondern auch gegen die Rektorin der Gräfenauschule, Barbara Mächtle, ausgeteilt. Unverständlich sei für ihn etwa, warum die Rektorin dafür sorge, dass ihre Schule „laufend in der Presse auftaucht“.

Gewerkschaft äußert sich

Auf Nachfrage der RHEINPFALZ äußert sich diesbezüglich Lars Lamowski, Landesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), der die Interessen der Lehrer an Grund-, Haupt-, Real-, Förder- und Gesamtschulen vertritt: „Solange es Probleme an den Schulen des Landes gibt, ist es wichtig, dass Menschen darauf aufmerksam machen. Nur so können Schieflagen erkannt und Lösungen erarbeitet werden, damit die Schülerinnen und Schüler ein qualitativ hochwertiges Bildungsangebot erhalten.“

Der VBE weise bereits seit Jahren auf die Problematik im Grundschulbereich hin. „Wirklich gelöst wird das Thema nur, wenn sich endlich strukturell etwas ändert“, betont Lamowski. „Der Bedarf für Unterstützung, um alle Kinder sinnvoll zu fördern besteht an vielen Schulen im Land. Wir fordern daher ein verpflichtendes Schuleingangsjahr, in dem alle Kinder durch gezielte Förderung die notwendigen Vorläuferfähigkeiten erlernen, die sie für einen guten Start in ihre Schulzeit benötigen.“

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