Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Gewerbegebiet mutiert zur beliebten Einkaufsmeile

Beliebte Einkaufsmeile: die Industriestraße.
Beliebte Einkaufsmeile: die Industriestraße.

Das größte Gewerbegebiet der Stadt befindet sich an der Industriestraße, nur einen Steinwurf entfernt von der City. Die 2,6 Kilometer lange Zeile ist zwar nicht schön, aber als Einkaufsmeile extrem beliebt. Ein Ersatz für die heruntergekommene Innenstadt darf sie trotzdem nicht werden.

Vermutlich war jeder mobile Ludwigshafener schon mal zum Einkaufen in der Industriestraße am südlichen Rand von Friesenheim unterwegs. Denn in dem größten Ludwigshafener Gewerbegebiet findet der Großstadtmensch alles, was er braucht: große Parkplätze vor jedem Laden, Lebensmittel, Drogerieartikel und Babykleidung, Möbel und nicht zuletzt alles für Garten und Balkon sowie Heimwerkerbedarf. Günstige Klamotten für Kinder und Erwachsene und sogar Schuhe und Schulmaterialien gibt’s regelmäßig auf den Grabbeltischen der Discounter.

Als Alternative zur Fußgängerzone in der Innenstadt mit immer weniger Fachgeschäften ist die Industriestraße aber nicht gedacht. Mit Ausnahme der Supermärkte an der Kreuzung Kopernikusstraße soll es in dem Gewerbegebiet keinen weiteren Einzelhandel geben, schon gar keinen zentrenrelevanten, erklärt Klaus Dillinger, der Geschäftsführer der Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft (WEG). Ursprünglich sollten diese Supermärkte auch vor allem die Nahversorgung des Stadtteils Friesenheim sichern. „Der Einzelhandel ist hier nur ein kleines Segment“, erklärt Dillinger. Denn das Gewerbegebiet sei vor allem für traditionelle mittelständische Betriebe bestimmt – und dabei soll es auch bleiben.

Deutlich größer als Westlich B9

TWL, GML, ein Apparatebauer, eine Autovermietung, Kfz-Händler, ein Baumarkt, kleine Möbelhäuser: Rund 100 Unternehmen sind nach Angaben von Christian Schmitt, Prokurist bei der WEG, in dem Quartier ansässig. Außerdem einige Firmen aus dem Technologiebereich. Auch das BASF-Tochterunternehmen Trinamix hat seit 2016 in der Industriestraße seinen Sitz. Die rund 100 Mitarbeiter beschäftigen sich mit 3D-Sensorik und Messtechnik. Gleich mehrere Firmen vor allem im hinteren Teil der Straße bieten Produkte für Handwerker an. Für kleine Flächen, die selten frei werden, gebe es sofort Interessenten, sagt Schmitt.

Ein Viertel des 45 Hektar großen Areals sei mit Einzelhandel belegt, 17 bis 20 Prozent sind verarbeitendes Gewerbe, 28 Prozent Dienstleister. Das Gewerbegebiet Westlich B9 ist übrigens mit nur 33 Hektar deutlich kleiner als die Industriestraße.

Bürokomplex geplant

An einigen Stellen sei noch Nachverdichtung möglich, berichtet Schmitt. Ein Gelände nahe des Obi-Baumarkts soll neu entwickelt werden. Dort sei seit 2019 ein Bürokomplex geplant, das Projekt sei jedoch durch die Pandemie ins Stocken geraten.

An die Anfänge des Gebiets in den 1950er- und 1960er-Jahren mit vorwiegend produzierenden Betrieben erinnerte bis vor wenigen Jahren noch das letzte Industriegleis der Stadt, das sogenannte Columbus-Gleis, das an der Industriestraße entlang führte. So konnten direkt ab Produktionsstandort die Waren auf Schienen an- und abtransportiert werden. Doch das ist Geschichte.

Einkaufen und essen

Dass viele Ludwigshafener in der Industriestraße ihre großen Wocheneinkäufe erledigen und Handwerker sich mit Material für Baustellen eindecken, hat den Boden für ein neues Angebot in der Einkaufsmeile bereitet: Neben einer Filiale von Bäcker Görtz sind dort seit einiger Zeit verschiedene Imbissbuden zu finden. Für WEG-Geschäftsführer Dillinger eine typische Erscheinung. Denn einkaufen und essen gehören zusammen. „Einzelne Gewerbe befruchten sich gegenseitig“, meint der ehemalige Ludwigshafener Baudezernent.

Für betriebliche Neuansiedlungen auf stark nachgefragten 1000 bis 2500 Quadratmeter großen Grundstücken gibt es dagegen in der Industriestraße kaum Kapazitäten. Das sei in Ludwigshafen generell ein Problem. Das Interesse sei groß, aber die Stadt habe kaum noch Gewerbeflächen, die für Neuansiedlungen erschlossen werden könnten, schildert Dillinger. Mittelfristig könne die WEG da nur auf den geplanten Mittelstandspark an der Entwicklungsachse West im Umfeld der Heinrich-Pesch-Siedlung verweisen.

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