Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Ludwigshafen: Neuer Businesspark in der Industriestraße geplant

Blick in die Industriestraße hinein aus Richtung Innenstadt. Foto: KUNZ
Blick in die Industriestraße hinein aus Richtung Innenstadt.

Die Industriestraße ist eins der größten Gewerbegebiete Ludwigshafens und damit sehr wichtig für die Stadt. Die namensgebende Industrie gibt es hier kaum noch. Doch über 90 Prozent der Fläche ist belegt, die Nachfrage nach dem letzten freien Rest groß. Demnächst soll in der Mitte der Straße ein neuer Businesspark entstehen.

Wer mit dem Fahrrad von einem Ende der Industriestraße zum anderen fährt oder sie gar zu Fuß ablaufen möchte, hat was zu tun. 2,6 Kilometer lang ist die fast kerzengerade Straße am Rande Friesenheims, die erst kurz vorm Ende einen kleinen Knick macht. Sie beginnt, aus der Stadt kommend, hinterm Müllheizkraftwerk und führt, vorbei an den Technischen Werken, an Super- und Baumärkten, Auto- und Baustoffhändlern bis zur Firma Isolite. Für einige gehört die Industriestraße zum Samstagmorgen-Einkauf, für andere ist es eine eher unscheinbare Verbindungsstraße zwischen den Stadtteilen. Dass es sich um eins der größten Gewerbegebiete Ludwigshafens handelt, vielleicht sogar um das größte, wissen die wenigsten.

Größere Fläche als „Westlich B9“

Die Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft (WEG) hat nachgerechnet: 45 Hektar Baufläche gehören zu diesem „klassischen Gewerbegebiet“, wie WEG-Prokurist Christian Schmitt es nennt. Zum Vergleich: Das so riesig erscheinende Gewerbegebiet „Westlich B 9“ habe rund 33 Hektar Fläche – den Grünanteil und die Straßen rausgerechnet. Ein Riesen-Ding also, diese Industriestraße, wobei der Name inzwischen in die Irre führt. Früher habe es hier viele Firmen gegeben, die der lokalen Wirtschaft zugearbeitet haben, berichtet Ulrike Scharfenberger-Herrmann, ebenfalls von der WEG. Vor allem die metallverarbeitende Industrie war hier ansässig.

Was an diese von Produktion geprägte Zeit erinnert: Bis vor wenigen Jahren führte an der Industriestraße entlang noch das letzte Industriegleis der Stadt, das sogenannte Columbus-Gleis. So konnten direkt ab Produktionsstandort die Waren auf Schienen an- und abtransportiert werden. Doch auch das ist Geschichte. Heute gebe es in der Industriestraße nur noch rund 17 Prozent verarbeitendes Gewerbe, 28 Prozent Dienstleistungen, etwa 30 Prozent Einzelhandel. In den 1990ern sei der Baumarkt Obi gekommen, dann habe die Discounterwelle begonnen, sagt Schmitt.

Keine weiteren Supermärkte

Irgendwann hat die Stadt dann der Ausbreitung von noch mehr sogenanntem zentrenrelevanten Einzelhandel den Riegel vorgeschoben. „Die, die da sind, haben Bestandsschutz“, betont Schmitt. Doch man habe die Zentren der umliegenden Stadtteile schützen wollen. Mehr Supermärkte in der Industriestraße wird es nicht geben.

Die Bandbreite an Unternehmen ist groß. So gibt es etwa die Versandapotheke Medpex, eine der größten bundesweit und inzwischen zum Marktführer Doc Morris gehörend. Oder MD Medicus, großer Anbieter von Gesundheitsdienstleistungen. Auch das BASF-Tochterunternehmen Trinamix hat seit 2016 in der Industriestraße seinen Sitz. Die rund 100 Mitarbeiter beschäftigen sich mit 3D-Sensorik und Messtechnik. Gleich mehrere Unternehmen vor allem im hinteren Teil der Straße bieten Produkte für Handwerker an. „Die Industriestraße interessiert, weil es eine Verbindungsstraße ist“, sagt Scharfenberger-Herrmann. Wer hier sein Firmenschild an der Straße stehen hat, wird im Vorbeifahren gesehen.

Laut WEG gibt es etwa 100 Unternehmen in der Industriestraße. Genau könne man das aber nicht sagen, so Schmitt. Denn einige Räume seien an Firmen untervermietet, die nicht auf den ersten Blick sichtbar sind. Vor 15 bis 20 Jahren habe es mal eine Zeit geringer Nachfrage gegeben, so Schmitt. Das hat sich inzwischen längst wieder geändert.

Große Nachfrage nach Flächen

Die Industriestraße ist weiter im Wandel. Laut Christian Schmitt gibt es derzeit „höchstens fünf Prozent Leerstand“. Und auch der werde in der nächsten Zeit verschwinden, sagt der WEG-Prokurist. Beim Leerstand handelt es sich um das Gelände zwischen der Trinamix GmbH und Obi, aus Richtung Innenstadt kommend auf der linken Seite. Dass das Areal bald genutzt werden soll, bestätigt auch Thomas Berger. Er ist Geschäftsführer der Diekmann Holding, die wiederum Gesellschafter von TV Kohlensäure ist, denen das 21.000 Quadratmeter große Gelände gehört. Bis Ende 2016 stand auf der Fläche eine Trockeneisfabrik, die an die Linde AG vermietet war, wie Berger erklärt. Die Fabrik wurde jedoch abgerissen.

„Momentan wird gerade ein altes Verwaltungsgebäude renoviert und auf den aktuellen Bürostandard gebracht“, sagt Berger. Im November soll dieses Gebäude an Trinamix übergeben werden. „Weitere vier bis fünf große Bürogebäude sind in Planung“, verrät Berger. In der Industriestraße soll „ein kleiner Businesspark entstehen“. Es gebe Verhandlungen mit „namhaften Interessenten“, die bereits in Ludwigshafen ansässig sind und sich vergrößern wollen. Weiter ins Detail geht Berger nicht. Offizielles sei erst in ein paar Monaten spruchreif.

Verkehrsgünstige Lage als Vorteil

Berger kennt die Vorteile des Standorts. Etwa die „sehr gute Anbindung“ und die günstige Lage der Stadt zwischen den Ballungsräumen Frankfurt und Stuttgart. Ein Manko: Die Anbindung der Industriestraße an öffentliche Verkehrsmittel müsste noch besser werden, um den Standort für Mitarbeiter interessanter zu machen, sagt Berger. Ingmar Bruder, Geschäftsführer der Trinamix GmbH, schätzt ebenfalls die gute Infrastruktur, wie auch die vorhandenen Parkmöglichkeiten für Mitarbeiter und Gäste. In der Mittagspause genieße man unter anderem „die Nähe zum Ebertpark, die vielfältigen Einkaufsmöglichkeiten“ und die Nähe zum BASF-Feierabendhaus. Überhaupt sei die Nähe zum Mutterkonzern, der BASF, für Trinamix wichtig.

Beim Interesse an den Flächen gibt es laut Christian Schmitt einen Wandel. Während Büroflächen und Wohnen schon immer interessant als Geldanlage gewesen seien, würden sich Investoren inzwischen auch immer mehr für den gewerblichen Bereich interessieren. Im Fall der Industriestraße seien das aber vor allem lokale Eigentümer, zumindest welche aus dem Inland. Immobilienfonds, wie es sie etwa als Besitzer von Flächen und Gebäuden in der Innenstadt gibt, seien in der Industriestraße bislang kein Thema, so Schmitt.

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