Ludwigshafen
Geothermie: Stadtrat gibt grünes Licht für Bodenuntersuchung
Der Energiebedarf des BASF-Stammwerks in Ludwigshafen ist riesig. Bislang wird vor allem Gas eingesetzt, um vor allem Dampf für die verschiedenen chemischen Reaktoren zu gewinnen. Rund 5,1 Millionen Tonnen CO2 werden dadurch jährlich freigesetzt. Doch die Zeiten wandeln sich, die Versorgung mit Gas ist Unsicherheiten unterworfen und wird immer teurer. Der Chemiegigant sucht nach Alternativen.
Eine Alternative könnte Geothermie sein, die Energie aus tiefen Erdschichten. „Wir sehen ein großes Potenzial, 130 Grad heißes Wasser nutzen zu können“, sagt Dirk Neumann, Werksleiter bei der BASF. Zusammen mit Dennis Fanelsa stellt er den Anteil der BASF an dem Projekt bei der Stadtratsitzung am Montagabend im Pfalzbau vor. Am Ende gibt der Stadtrat grünes Licht; die AfD enthält sich der Stimmen.
BASF braucht grüne Energie
Gehen die Pläne auf, rechnet der Konzern mit einer Einsparung von rund 800.000 Tonnen CO2 pro Jahr und der Gewinnung von rund vier Millionen Tonnen Dampf für die Produktionsanlagen. 300 Megawatt Leistung könnte das Erdwärmevorhaben beisteuern, das entspreche rund der Hälfte des Energiebedarfs, den man am Standort bislang mit Gas gedeckt habe. „Sie wissen, dass wir vor großen Herausforderungen stehen“, so Fanelsa. Man investiere in den Erhalt und die Transformation des Standorts Ludwigshafen. „Geothermie bietet der BASF enorme Chancen, es ist ein enormer Standortvorteil, den wir gerne heben würden“, so Fanelsa.
Profitieren soll aber auch das Umland von der Anlage. Die Technischen Werke Ludwigshafen (TWL) sowie die Stadtwerke Frankenthal sind bereits mit im Boot. Denn: Von der verbliebenen Energie können etwa 15.000 Haushalte in Ludwigshafen und Frankenthal beheizt werden. 56 Prozent des Energiebedarfs der Haushalte gehe statistisch gesehen für die Heizung drauf, so Thorsten Weinmann von Vulcan Energie Ressourcen, dem deutschen Ableger des australischen Konzerns Vulcan Energy.
Fernwärmenetz kann wachsen
Thomas Mösl von den TWL betont, dass das Fernwärmenetz ausgebaut werde. Mit Blick nach Mannheim ergänzt er, die Energie für die Fernwärme in Ludwigshafen komme nicht aus der Verbrennung von Steinkohle. Ludwigshafen habe die einzigartige Situation, direkt „grüne Fernwärme“ einzusetzen. Angestrebt sei in Ludwigshafen ein Fernwärmeanteil bei den Haushalten von „50 Prozent plus x“. Aktuell werden 22 Prozent der beheizten Gebäude in Ludwigshafen mit Fernwärme versorgt. Rund 260.000 Euro betrage bislang die Investition der TWL an dem Projekt, so Mösl auf Nachfrage.
Der „Nebeneffekt“, aus den Geothermie-Quellen auch Lithium zu gewinnen, sei der eigentliche Antrieb für Vulcan, erklärte Weinmann. „Das finanziert das Ganze.“ Etwa fünf Bohrplätze werde es geben. Aus dem Wasser werde Lithium herausgeholt und dann in einem speziellen Werk, das gerade in Hoechst in Betrieb gegangen ist, aufbereitet. Das verbliebene Tiefenwasser komme an die Förderplätze zurück und werde wieder „nach unten“ geschickt. Weinmann sprach von einem geschlossenen Kreislauf. 150 bis 180 Milligramm Lithium erwarte man pro Liter Wasser. Diese Voraufbereitung erfolge in einer Wärmezentrale, von wo aus auch die Fernwärme abgegeben werde.
Lithium finanziert das Vorhaben
Grundsätzlich gehe es aber zunächst darum, überhaupt den Boden zu untersuchen, um festzustellen, wo gebohrt werden kann, so Weinmann. „Vor der Hacke ist es duster“, laute nicht zu Unrecht ein Bergmann-Spruch. Dafür werde Vulcan ein französisches Spezialunternehmen beauftragen, zunächst eine zweidimensionale Untersuchung des Bodens mit sogenannten Vibro-Trucks zu machen. Dabei sind Bodenschichten zu erkennen. Die 2D-Untersuchung solle im März beginnen, ergänzte Ludwigshafens Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (parteilos).
Im Herbst könne dann die detailliertere 3D-Untersuchung erfolgen, wobei Fachleute auch Verwerfungen in den Gesteinsschichten und deren Beschaffenheit erkennen können. Während die erste Untersuchung ausschließlich von öffentlichen Straßen und Wegen aus erfolge, werden für die 3D-Untersuchung dann auch sogenannte Geophone beispielsweise auf Äckern ausgelegt. „Das sind Terabyte an Daten, die dann verarbeitet werden müssen“, so Weinmann. Allein deshalb sei die Pause zwischen den Messungen notwendig, um die riesigen Datenmengen auch auswerten zu können. Zehn bis 15 Millionen Euro könnten die umfassenden Untersuchungen kosten, fünf Millionen Euro übernimmt die BASF.
Fünf Bohrplätze vorgesehen
Von den Untersuchungen hänge zunächst einmal alles ab, betont Weinmann und erwidert auf die Frage nach der Wirtschaftlichkeit des ganzen Unterfangens: „Wir wissen noch nicht einmal, wo wir bohren.“ Dann gehe es darum, ob Bohrungen ergiebig seien, in der Fachsprache werde das Höffigkeit genannt. Und dann gehe es erst an den Bau der Infrastruktur.
Wenn alles funktioniert, würde die extrahierte Lithium-Lösung entweder per Lastwagen oder per Bahn nach Frankfurt-Hoechst zur Aufbereitung gebracht. Einen Schiffstransport schließe er vorerst aus, da die Mengen dafür zu klein seien und – um ein Transportschiff auszulasten – müsste in viel zu großen Tanklagern die Sole zwischengelagert werden. Aus der Anlage bei Landau erfolge der Transport per Lastwagen, weil es keine andere Möglichkeit gebe.
