Ludwigshafen
Gastronomen zur Mehrwertsteuersenkung: Schnitzel nicht billiger, aber auch nicht teurer
Unseren Fragen gestellt haben sich die erfahrenen Gastronomen Thomas Schulte-Hobein („Maffenbeier“, Hemshof), Simo Jokic (Restaurant Clubhaus im BASF TC, Friesenheim) und Wladislaw Dmitriew („Ristorante Casa di Laul“, Innenstadt).
In der Stellungnahme des Gaststättenverbands Dehoga (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband) ist davon die Rede, dass mit dem neuen Mehrwertsteuersatz eine fast 60-jährige Ungerechtigkeit beseitigt wird. Worin genau bestand diese Ungerechtigkeit?
Dmitriew: Die Ungerechtigkeit wird zumindest geringer. Warum kostet ein belegtes Brötchen bei einem Bäcker nur sieben Prozent, während wir 19 Prozent zuschlagen mussten? Zumal wir ja auch noch eine Zusatzleistung bieten. Die Tische sind gedeckt, es gibt einen Service am Tisch und natürlich ein gewisses Ambiente. Und dafür mussten wir dann auch noch 19 Prozent Mehrwertsteuer verlangen. Service und Ambiente unterscheiden uns noch immer, aber zumindest mit einem ausgeglichenen Steuersatz.
Die Umsatzsteuer wurde im Juli 2020 im Zuge der Corona-Hilfen für die Gastronomie schon einmal auf sieben Prozent gesenkt aber die Erleichterung lief Ende 2023 endgültig aus. Wie willkommen kommt die jetzige Senkung?
Schulte-Hobein: Es ist tatsächlich eine deutliche Erleichterung. Die letzten beiden Jahre waren in unserer Branche wirklich sehr anspruchsvoll, ohne diese Entscheidung kurz vor Weihnachten hätte ich direkt zum 2. Januar die Preise erhöhen müssen. Auch die von unserem Mittagstisch, mit dem wir noch immer wirklich unschlagbar günstig sind. Aber da hätte es gar keine andere Alternative gegeben. So können wir das Niveau noch ein bisschen halten. Die Kostenexplosion in den beiden Vorjahren war wirklich gewaltig. Die Lohnnebenkosten haben sich erhöht, alles andere auch. Nur ein Beispiel: Ich zahle den Festangestellten mehr als Mindestlohn. Aber wenn jetzt der Mindestlohn für Aushilfen erhöht wird, dann wollen alle anderen auch mehr.
Die Mehrwertsteuersenkung betrifft zunächst einmal lediglich die Speisen. Hat sie trotzdem auch Auswirkungen auf alle Preise?
Jokic: Auf jeden Fall! Schließlich machen wir insgesamt eine Mischkalkulation. Aber es gibt gewisse Grenzen. Eine Rieslingschorle für mehr als sechs Euro? Das geht vielleicht in Mannheim, aber hier in der Pfalz geht das nicht. Das ist auch eine psychologische Frage. In dieser Art wären wir weitergefahren. Da haben wir, denke ich, eine ganz gute Linie gefunden. Wir gehen über die Masse.
Wird von der Senkung denn auch etwas beim Kunden ankommen?
Schulte-Hobein: Nein. Die ist, wie gesagt, jetzt schon von den anderen Steigerungen in den anderen Bereichen aufgefressen. Ich will es so formulieren: Das Schnitzel wird zwar nicht billiger, aber auch nicht teurer.
Dmitriew: Wir zahlen die Mehrwertsteuersenkung ja praktisch über die Gewerbesteuer zurück. Deshalb wird es für den Endkunden auch nicht günstiger. Aber auch wir haben zum neuen Jahr keine Preiserhöhung gemacht. Das wären zwischen drei und vier Prozent gewesen.
Dabei liegt doch gerade die Weihnachtszeit hinter der Gastronomie. Hat man die aktuelle Situation auch an den Weihnachtsfeiern in Ihren Häusern gespürt?
Schulte-Hobein: Bei uns waren es im Vergleich zu vorangegangenen Jahren deutlich weniger Weihnachtsfeiern. Allerdings kann ich nicht sagen, ob das lediglich eine Frage des Preises war. Hier im Hemshof rund um den Goerdelerplatz kommt schließlich auch noch die Verkehrssituation dazu. Die Sperrung der Rohrlachstraße hat sich auch schon auf unser Mittagsgeschäft ausgewirkt. Das haben mir auch Stammgäste schon bestätigt, denen die Zeit in der Mittagspause nicht mehr ausreicht, wenn sie erst über lange Umwege zu uns kommen können.
Jokic: Bei uns verlief das Weihnachtsgeschäft überdurchschnittlich. Wir hatten so viele Reservierungen wie noch nie! Allerdings merkt man, dass die Gruppen ein anderes Budget für die Feier zur Verfügung haben. Aber auch hier gilt: Ich habe den Laden erst einmal lieber voll.