Ludwigshafen
BASF fördert Gräfenauschule mit neuem Projekt
„Heute wird es um Konsum und Spielzeuge gehen“, verrät Jutta Heim der RHEINPFALZ vorab, bevor dann 25 Kinder die Räume des ehemaligen Schulkindergartens der Gräfenauschule stürmen und voller Erwartung einen großen Sitzkreis bilden. Mit Feuereifer werden die Finger in die Luft gestreckt, als Heim wissen will: Wie viele Spielzeuge habt ihr zu Hause? Bei der Zahl fünf sind noch alle Finger oben, bei zehn werden es weniger, während ein Junge lautstark der Ansicht ist: „Zehn Milliarden Spielzeuge hab’ ich zu Hause.“
Ob darunter auch selbstgemachte Spielzeuge seien, fragt Heim nach und nutzt die anfangs noch hohe Aufmerksamkeit der Kinder, um die Konsumpyramide zu erklären: „Am besten nutzt ihr natürlich, was ihr habt, dann könnt ihr Spielzeuge aber auch reparieren oder ausleihen und erst ganz oben in der Pyramidenspitze steht: Kaufe ein neues Spielzeug.“ Der theoretische Teil ist damit auch schon abgeschlossen, zur Freude aller dürfen jetzt Spielfiguren aus tonhaltiger Knete für ein Brettspiel selbst hergestellt werden.
„Den Kindern machen diese ein bis zwei Stunden hier immer sehr viel Spaß“, erzählt Jutta Heim, „jedes Mal, wenn sie etwas selbst ausprobieren können, sind sie Feuer und Flamme“. Auch die Themen Wohnen, kulturelle Vielfalt oder Klima hat die 42-jährige Erzieherin im Angebot, die für das Wormser Alisa-Zentrum arbeitet. Bislang engagiert sich die dahinter stehende Alisa-Stiftung ausschließlich an Schulen in Worms und der Region Kirn, hilft immer dort, wo die Mittel der Landes- und kommunalen Förderung für Einrichtungen oder Schulen nicht ausreichend erscheinen. „Unser Kooperationspartner ist schon seit mehreren Jahren die BASF, die hier an der Gräfenauschule jetzt erstmals auch ein Projekt in Ludwigshafen finanziert“, erzählt Heim.
Zehn Kita-Kinder dabei
Konkret gefördert werden zehn Vorschulkinder der städtischen Kita Kanalstraße, die zum Schuljahr 2024 an der Gräfenauschule eingeschult werden, in das Projekt eingebunden sind aber auch 15 Erstklässler. „Zum neuen Schulhalbjahr wechselt die Besetzung“, erklärt Schulleiterin Barbara Mächtle, „dann kommen andere Vorschulkinder der Kita Kanalstraße in den Genuss dieses Programms sowie eine weitere erste Klasse unserer Schule“.
Der Vorteil liege dabei klar auf der Hand: Die Kita-Kinder lernen schon frühzeitig ihre Grundschule kennen, wissen, wie es dort aussieht, und bauen Berührungsängste ab. Zudem ist der Betreuungsschlüssel sehr groß. Neben Jutta Heim betreut seitens des Alisa-Zentrums nämlich auch Studentin Isabelle Koch (20) die Kinder, zudem sind zwei Erzieherinnen, eine Klassenlehrerin und eine Praktikantin der Gräfenauschule mit von der Partie. „Das Projekt ist jedes Mal super vorbereitet, und wenn ein Termin mal wegen der Schulferien ausfallen muss, sind die Kinder wirklich traurig“, erzählt Anita Penić (52), Erzieherin in der Kita Kanalstraße.
Derweil sind dumpfe Schläge im Raum zu hören, weil eine Knet-Pizza Margherita zurechtgeklopft wird, die später als Spielfigur dienen soll – und natürlich geht die Stunde auch nicht vorüber, ohne dass unter großem Gekicher eine schöne Kackhaufen-Spielfigur hergestellt wird. Besonders beliebt sind allerdings Schnecken, Igel oder Würfel. Welche Zahl dabei mit einem Stift an welcher Stelle in die Knetmasse einzustanzen ist, dafür gibt es Hilfe von den Erwachsenen. „Angemalt werden die Spielfiguren dann am nächsten Mittwoch“, verspricht Jutta Heim, bevor sie der Gruppe zum Abschluss mit einem Zaubertrick laute Begeisterungsschreie entlockt.
„Ein echter Gewinn“
„Die Finanzierung dieses Projekts der Alisa-Stiftung durch die BASF ist für uns ein echter Gewinn“, sagt Schulleiterin Barbara Mächte. „So können wir sehr umfassend die Vorschulkinder der Kita Kanalstraße fördern und für unsere ersten Klassen neue Impulse zum Thema nachhaltige Entwicklung aufgreifen.“ Auch für das im vergangenen Jahr von der BASF finanzierte Projekt „Fit für einen guten Start in die Schule“ – das ebenfalls darauf abzielte, Vorschulkinder oder Kinder, die bislang keine Kita besuchen, auf den Schulstart vorzubereiten – sei eine Anschlussförderung gefunden worden. Starten soll das Programm dieses Mal bereits im Januar.
Mächtle: „Wir können also in diesem Schuljahr doppelt so viele Kinder fördern wie zuvor, weil wir ein Projekt mehr finanziert bekommen.“ Wohlgemerkt nicht vom rheinland-pfälzischen Bildungsministerium oder der Stadt Ludwigshafen, denn auch der neue Geldgeber, der das Projekt „Fit für einen guten Start in die Schule“ finanziert, kommt aus dem privaten Bereich.
Die wesentlichen bildungspolitischen Akteure aus Stadt und Land werden am kommenden Freitag wieder in Ludwigshafen beisammen sein, um sich bei einem „Runden Tisch“ mit Schulleitungen der Ludwigshafener Grundschulen sowie Elternvertretern zum Thema Sprachförderung auszutauschen.