Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Ex-Grüne Melis Sekmen siegt für die CDU in Mannheim

Holt für die Christdemokraten den Wahlkreis Mannheim: Melis Sekmen.
Holt für die Christdemokraten den Wahlkreis Mannheim: Melis Sekmen.

Nach einer spannenden Nacht holen sich die Christdemokraten in Mannheim den Wahlkreis von der SPD zurück. Den Einzug in den Bundestag verpasst Melis Sekmen dennoch.

Melis Sekmen macht bei der Bundestagswahl eigentlich das Rennen um das Mannheimer Direktmandat. Mit 24,7 Prozent der Erststimmen setzt sich die Christdemokratin gegen die Mitbewerber durch. Doch aufgrund der Wahlrechtsreform verpasst die 31-jährige Bundestagsabgeordnete dennoch den Einzug ins Parlament. Nicht mehr alle siegreichen Wahlkreis-Kandidaten sichern sich ein Berlin-Ticket: Sie bekommen nur noch dann ein Mandat, wenn ihre Partei genügend Zweitstimmen sammelt. Während deutschlandweite Hochrechnungen bereits um 18 Uhr ein relativ eindeutiges Ergebnis liefern, entwickelt sich in Mannheim ab 19 Uhr ein packender Dreikampf. Zwischen Sekmen (CDU), Isabel Cademartori (SPD) und Heinrich Koch (AfD), der nach den ersten Auswertungen sogar mal kurz vorne liegt. Der 62-Jährige landet mit 17,9 Prozent am Ende auf dem vierten Rang – und zieht über die Liste seiner Partei ins neue Parlament ein. Die AfD macht im Vergleich zu 2021 – damals holte Kandidat Jörg Finkler 9,1 Prozent – den größten Sprung.

Letztlich setzt sich Sekmen mit fast einem Viertel aller Stimmen sicher durch und erscheint freudestrahlend im Ratssaal des Mannheimer Stadthauses. Dass die Mannheimer Wähler bei der CDU mehr Kreuzchen bei den Erst- als bei den Zweitstimmen gemacht haben, wertet sie als persönlichen Erfolg. Der Wechsel von den Grünen zur CDU im vergangenen Sommer scheint ihrem Image nicht geschadet zu haben. Schließlich kann sie ihr Ergebnis von vor vier Jahren (22,5 Prozent für die Grünen) nochmals steigern.

Verliererin der Wahlreform

Und doch gibt sie sich schon am Abend abwartend, denn sie weiß, dass der Gewinn des Wahlkreises nicht zum Einzug in den Bundestag reichen könnte. Erst tief in der Nacht steht fest: Ihr Stimmenanteil von 24,7 Prozent ist tatsächlich zu wenig. Zu viele CDU-Kandidaten aus anderen Wahlkreisen haben bessere Ergebnisse eingefahren.

Ohnehin gibt sich die 31-Jährige nachdenklich: „Das Ergebnis zeigt, wie polarisiert unsere Gesellschaft ist. Es zeigt aber auch, dass in den letzten Wochen gegen die Falschen demonstriert worden ist“, sagt sie zur Brandmauer-Diskussion, die eher Grünen und Sozialdemokraten Stimmen gekostet hätten als der CDU.

Auch bei Isabel Cademartori sind die Gefühle gemischt. „Das Gesamtergebnis der SPD ist historisch schlecht und enttäuschend. Es muss Konsequenzen haben“, fordert die 37-Jährige eine personelle Neuordnung. Um ihre eigene Zukunft macht sie sich weniger Sorgen. Im Vergleich zum Abschneiden der Genossen liegt sie dank 22,5 Prozent der Stimmen deutlich über dem SPD-Trend und ist sich dank ihres Listenplatzes sicher, erneut in den Bundestag einzuziehen. Wenn auch nicht mehr mit einem Direktmandat wie 2021.

FDP-Kandidat fliegt aus Bundestag

Auch Nina Wellenreuther hoffte auf den Einzug in den Bundestag. Zunächst liegt sie abgeschlagen hinten, dann aber springt sie nochmals auf 18,1 Prozent. Die 29-jährige Umweltingenieurin füllte die Lücke, die Sekmen bei den Grünen hinterlassen hat. Über die Landesliste wird sie nicht in den Bundestag rutschen. „Ich bin nicht enttäuscht, es war ein unheimlich intensiver und spannender Wahlkampf. Ich bin den Stammwählern sehr dankbar“, bilanziert sie.

Konrad Stockmeier von der FDP zweifelt früh daran, dass die Liberalen noch über die Fünf-Prozent-Hürde springen. „Ich werde dem Bundestag nicht mehr angehören. Ich hätte gerne eine zweite Legislaturperiode mit den Erfahrungen aus der ersten gestaltet“, betont er. Das Ticket über die Liste lösen kann erneut Gökay Akbulut (42). Die Linken-Abgeordnete verbessert ihr Ergebnis auf 7,9 Prozent (2021: 4,9). Sie profitiert damit sicher vom Linken-Trend – bei den Zweitstimmen kommt die Partei auf 11,3 Prozent.

Das Ergebnis

Erststimmen: Melis Sekmen (CDU/24,7 Prozent), Isabel Cademartori (SPD/22,5), Nina Wellenreuther (Grüne/18,1), Heinrich Koch (AfD/17,9), Gökay Akbulut (Linke/8,0), Konrad Stockmeier (FDP/4,2)
Zweitstimmen: CDU (23,1 Prozent/2021: 18,2), SPD (18,2/25,3), Grüne (16,0 /21,2), AfD (17,6/9,1), Linke (11,3/5,0), FDP (5,1/13,1)
Wahlbeteiligung: 78,4 Prozent (2021: 72,2)

x