Ludwigshafen Eva Lohses Entdecker
In Friesenheim aufgewachsen, seit Jahrzehnten in Maudach zu Hause, 32 Jahre lang Mitglied des Stadtrats: Berthold Messemer ist ein Ludwigshafener Urgestein. Die Stadt habe sich sehr zum Positiven verändert, sagt er: „Die größten Kritiker sind doch die, die wenig zur Gemeinschaft beitragen.“
Wenn Berthold Messemer in seinem Wohnzimmersessel sitzt und den Blick durch die großen Fensterscheiben über den schönen Garten hinweg schweifen lässt, sieht er die katholische Kirche Maudachs. Sie ist ein Symbol dafür, wie alles angefangen hat mit seinem ehrenamtlichen Engagement. 13, 14 Jahre alt sei er gewesen, als er in der Friesenheimer Kirchengemeinde St. Josef die erste Gruppe leitete. Sein „Talent für Gruppenbildung“, das er sich selbst mit einem schelmischen Lächeln bescheinigt, sollte ihm noch oft im Leben nützlich sein, vor allem, als er zehn Jahre lang die CDU-Fraktion im Ludwigshafener Stadtrat führte.
Auf der Karriereleiter der katholischen BDKJ
Zunächst aber kletterte der junge Berthold Messemer die Karriereleiter in der katholischen Jugendorganisation BDKJ immer weiter hoch, engagierte sich in der Diözese und auf Bundesebene. Bei einer Wallfahrt nach Speyer lernte er seine zukünftige Frau Marianne kennen, eine Rheingönheimerin. „Danach habe ich nie wieder eine Wallfahrt gemacht“, sagt der Mann mit dem herrlich trockenen Humor. Seine Frau kontert: „Als wir Silberhochzeit hatten, habe ich gesagt, eigentlich sind wir nur die Hälfte der Zeit verheiratet.“ Die ausgebildete Kirchenmusikerin kümmerte sich um die beiden heute längst erwachsenen Kinder – das jüngste der vier Enkelkinder ist 15 Jahre alt – und arbeitete 27 Jahre lang als Organistin auf dem Hauptfriedhof.
Mitglied in drei Ortsbeiräten
Tatsächlich sollte in den kommenden Jahrzehnten das Engagement Berthold Messemers viel Zeit beanspruchen. 1964 CDU-Mitglied geworden, wurde er in jedem Stadtteil, in dem die junge Familie lebte, Mitglied des Ortsbeirats, in Friesenheim, Süd und Maudach. „Wer nix klaut, kommt da automatisch rein“, sagt er, wieder grinsend. 1972 folgte der Einzug in den Stadtrat, den er bis 2004 mitprägte. Von 1989 bis 1999 war er Vorsitzender der CDU-Fraktion, heute ist er ihr Ehrenvorsitzender. Berthold Messemers Zeit war die von „Rot gegen Schwarz“. „Wir haben uns ganz schön gehauen“, blickt er zurück. „Das waren teilweise harte Kämpfe.“ Einer von ihnen war 1993 seine Kandidatur gegen Fritz Heiser als Sozialdezernent. Er unterlag dem SPD-Mann.
Kontakte bis zu Eva Lohse spielen lassen
Andererseits hat Berthold Messemer auch miterlebt, wie die SPD-Macht in der Stadt bröckelte und mit Eva Lohse 2001 schließlich eine CDU-Oberbürgermeisterin das sprichwörtliche „rote Rathaus“ eroberte. Ein Erfolg, den er sich durchaus auf seine Fahnen schreiben darf. Einige Jahre zuvor hatte er seine in der Frauen-Union engagierte Frau gebeten, bei Hilde Müller-Tamm anzufragen, ob ihre Tochter Eva sich nicht eine Kandidatur für den Stadtrat vorstellen könne. Der Rest ist Geschichte.
Engagement an vielen Stellen
„Es hat Spaß gemacht, mit anderen zusammen etwas zu arbeiten“, sagt der 80-Jährige. „Ziele zu erkennen und langfristig zu planen.“ Engagiert hat er sich an vielen Stellen. Er war Mitbegründer der „Aktion 72“, die in der Adventszeit gemeinsam mit der RHEINPFALZ Spenden für in Not geratene Mitbürger sammelt. Er war Vorsitzender des Vereins Herzinfarktprojekt, einer der Gründer der Elterninitiative krebskranker Kinder beim St. Annastift und hatte viele weitere Ämter und Funktionen. Sozial engagieren konnte sich der studierte Maschinentechniker auch in seinem Beruf: Er war Leiter Soziale Hilfen bei der BASF und kümmerte sich um Mitarbeiter, die einen Angehörigen in einer Pflegeeinrichtung unterbringen mussten oder ein Suchtproblem hatten. 2002 ging er in Ruhestand.
Enge Freundschaft zu Helmut Kohl
Bis vor zwei Jahren besuchte der Träger von Ehrenring, Bundesverdienstkreuz und anderen Auszeichnungen noch regelmäßig die Sitzungen der CDU-Stadtratsfraktion. Wegen seiner Parkinson-Erkrankung kann Berthold Messemer heute kaum noch Einladungen annehmen. Das Treiben seiner Kollegen verfolgt er aber immer noch mit ausgesprochen großem Interesse. Schließlich war er viele Jahre lang mit Herzblut Kommunalpolitiker. Und er pflegte eine enge Freundschaft mit dem Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl. Wenn Berthold Messemer aus seinem Wohnzimmerfenster in den Garten schaut, sieht er den Ort, an dem sie zusammen viele Abende verbracht haben. Was davon bleibt, sind schöne Erinnerungen – und so manche mit einem Grinsen erzählte Anekdote.