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Eulen-Kapitän Gunnar Dietrich: „Jedes Spiel ist ein Privileg“
Herr Dietrich, Sie arbeiten seit kurzem bei den Technischen Werken Ludwigshafen (TWL) stundenmäßig mehr als zuvor. Wie ist das vereinbar mit Zweitliga-Handball?
Ja, ich habe meine halbe Stelle, die ich seit drei Jahren habe, am 1. Juli auf 25 Stunden pro Woche aufgestockt. Das lässt sich noch ganz gut mit dem Sport vereinbaren. Die TWL kommen mir da auch sehr entgegen.
Wie denn?
Ich habe zum Beispiel an Spieltagen immer frei und und kann mich dann komplett auf den Sport konzentrieren. Das ist gut so, dazu ist er mir zu wichtig. An anderen Tagen arbeite ich dann halt mal länger. Und wenn wir Sonntagsspiele haben, tut mir die Arbeit montags sogar gut. Gerade, wenn es nicht so toll gelaufen ist. Da lenkt die Arbeit einfach auch ab.
Zu Hause geht es bei Ihnen auch rund mit ihren beiden kleinen Zwillingstöchtern. Wie klappt das mit dem Sport und Arbeit?
Unsere zwei Mädchen sind jetzt 17 Monate alt, die sorgen schon für ordentlich Stimmung und Abwechslung zu Hause (lacht). Aber die beiden gehen mittlerweile in die Krippe und blühen da richtig auf. Wir haben kurzfristig Plätze bekommen, das ist in Ludwigshafen ja gar nicht so einfach. Wir sind sehr froh drüber, weil meine Frau jetzt auch wieder anfängt zu arbeiten.
Sie haben in der Saison-Pressekonferenz der Eulen gesagt, für Sie als Spieler hätte die Vorbereitung auf die neue Runde gerne eine Woche kürzer sein dürfen. Warum?
Weil die Pause nach der letzten Saison, wo die Belastung am Ende sehr hoch war, mit nur drei, vier Wochen doch kurz war. Man wünscht sich immer gerne eine längere Pause, und kein Handballspieler läuft in der Vorbereitung gerne (lacht). Aber man weiß ja, wofür man es macht und beißt die Zähne zusammen.
Sie sind 35 Jahre alt, arbeiten jetzt intensiver in Ihrem Job. War am Ende der vergangenen Saison mal die Idee im Kopf, aufzuhören mit dem Profihandball?
Ich habe mich die ganze Zeit über voll auf die Liga konzentriert und mir erst nach der Saison noch mal Gedanken gemacht. Ans Aufhören habe ich aber nicht viele verschwendet. Ich weiß, was ich am Handball habe. Es ist ein Privileg, jedes Spiel und jede Trainingseinheit genießen zu dürfen.
Haben Sie einen Plan im Kopf, wie lange Sie noch spielen wollen?
Ich lasse das einfach auf mich zukommen und schaue bis dahin, wie es auch mit meinem Körper läuft.
Was wird sich taktisch bei den Eulen in dieser Saison ändern? Ihr hattet ja seit Jahresbeginn ohne Kreuzungen gespielt?
Jeder neue Trainer hat auch neue Ideen. Wir werden sicher keinen komplett anderen Handball spielen, aber Kreuzungen gehören dazu im Handball. Wir werden da sicher wieder einen Mischmasch haben.
Euer früherer Regisseur Dominik Mappes spielt jetzt beim Samstagsgegner TV Hüttenberg, Pascal Bührer und Max Neuhaus sind oder waren verletzt. Wer übernimmt den wichtigen Part in der Mitte?
Wir haben da gute Alternativen geschaffen. Jan (Remmlinger) hat das als gelernter Mittelmann sehr gut angenommen und sich superschnell wieder zurechtgefunden. Und Max kämpft sich auch gerade wieder heran. Die letzte Trainingswoche war jetzt sehr gut, auch wenn es an allem noch ein kleines bisschen fehlt.
Was sagen Sie dazu, dass es wieder richtig viele Zuschauer geben wird?
Das ist einfach die pure Freude. Wir haben ja letzte Saison gesehen, wie traurig leere Hallen aussehen. Wir wollen das genießen und die Zuschauer in der Eberthalle wieder begeistern und mitnehmen.
Vor großen Kulissen wächst aber auch wieder Druck auf die Spieler?
Klar, die Jüngeren müssen sich auch drauf freuen, in Aue vielleicht mal gnadenlos ausgepfiffen zu werden (lacht). Da hilft nur reinspringen und schwimmen. Da kann ich aber als älterer Spieler schon auch helfen.
Was haben sich die Eulen für die neue Saison vorgenommen?
Wir starten jetzt erst mal und schauen von Spiel zu Spiel. Der Rest wird sich zeigen. Aber dass wir mit einem Heimspiel beginnen, erleichtert den Einstieg in die Saison.
Zur Person
Gunnar Dietrich
Gunnar Dietrich ist in der fünften Saison in Folge Kapitän der Eulen Ludwigshafen. „Günes“ ist bei den Eulen schon eine Institution: Er kam 2008 aus Essen zur TSG Friesenheim, wo er bis 2011 spielte. Dann kam ein Intermezzo in Lemgo, bevor er 2013 wieder nach Friesenheim zurückkehrte. Der 35 Jahre alte Abwehrchef hat an der Fachhochschule Ludwigshafen Controlling studiert und arbeitet bei den Technischen Werken Ludwigshafen. Der 2,03 Meter lange Rückraumspieler war schon bei den Aufstiegen 2010 und 2014 Leistungsträger. Dietrich wurde mit der Junioren-Nationalmannschaft 2006 Europameister in Österreich und 2007 in Ohrid (Mazedonien) Vize-Weltmeister. Zu Hause halten ihn und seine Frau die beiden 16 Monate alten Zwillingsmädchen auf Trab.
