Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Ernste Lagen an Schulen: Wenn Lehrer den Spaß verlieren, ist es aus

 Ein Reizgasangriff löst einen Polizeieinsatz an der Karolina-Burger-Realschule in LU aus.
Ein Reizgasangriff löst einen Polizeieinsatz an der Karolina-Burger-Realschule in LU aus.

In vielen Schulen in Ludwigshafen und anderswo hakt es. Aber es gibt Beispiele, die Mut machen: Lehrer, die das Beste wollen, und Schulen, die um ihren Ruf kämpfen.

Messerangriff, Amokalarm, verzweifelte Lehrkräfte, Reizgasattacken, mehr Polizeipräsenz: Die Zustände an der Karolina-Burger-Realschule in Ludwigshafen haben ein Schlaglicht auf ein Problem geworfen, das in seiner Dimension viele überrascht hat. Die Zwischenfälle an dieser Schule haben sich zwar gehäuft, Mobbing und Gewalt gibt es aber auch an anderen Einrichtungen, wie man mittlerweile weiß. Das ganze System hat sicherlich ein Problem – und das ist in seiner Komplexität wohl kaum einfach zu lösen. Was man aber tun kann: Lehrerinnen und Lehrern Wertschätzung entgegenbringen, ihnen das Gefühl geben, dass sie nicht alleine sind, und sie vor allem motivieren, nicht aufzugeben.

Es gibt sicherlich Männer und Frauen, die diesen Beruf in jungen Jahren gewählt haben, weil die vielen Ferien so verlockend sind. Die meisten Lehrer aber nehmen ihren Job sehr ernst, wollen etwas bewirken, „unterrichten, bilden, erziehen und begleiten“, wie Lehrkräfte der Ernst-Reuter-Schule in Ludwigshafen es in einem Brandbrief formuliert haben. Was sie nach eigenen Worten stattdessen oft tun müssen: „permanent löschen, verwalten, dokumentieren und Krisen managen.“ Eine große Wucht hatte auch dieser Vorstoß an die Öffentlichkeit: Fünf Realschulleiter aus Ludwigshafen hatten sich zusammengetan, um die Zustände gegenüber der RHEINPFALZ eindrücklich zu beschreiben. Von „einem Pulverfass“ war die Rede.

Ist das schlechte Image ansteckend?

In dieser Woche haben sich Lehrer und Eltern des Heinrich-Böll-Gymnasiums zu Wort gemeldet. Warum? Weil die Schule Teil des Schulzentrums ist, wo sich die Karolina-Burger-Realschule befindet. An dem Gymnasium finden es viele freilich nicht so prickelnd, dass regelmäßig Rettungsfahrzeuge und Polizeiautos vor dem Gebäude stehen. Die Befürchtung „am Böll“: Das schlechte Image des Nachbarn könnte ansteckend sein. Es geht also um den eigenen guten Ruf – und damit auch um Anmeldezahlen für das kommende Schuljahr. Zuletzt konnte das Gymnasium seine Schülerzahlen steigern – auch deswegen, weil man für Familien aus dem angrenzenden Rhein-Pfalz-Kreis attraktiv war.

Lehrer – noch ein Traumberuf?
Lehrer – noch ein Traumberuf?

Der Fokus auf das eigene Konzept und dessen möglichst ungestörte Umsetzung ist natürlich legitim und absolut nachvollziehbar. Der Blick aufs große Ganze und die Probleme im Einzelnen – den sollte die Politik haben. Der rheinland-pfälzische Bildungsminister Sven Teuber (SPD) hat sich beim Umgang mit dem Thema Gewalt an Brennpunktschulen – sehr vorsichtig formuliert – nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Die Bildungspolitik steht massiv in der Kritik. Die jüngste Ankündigung, Polizei auf die Schulhöfe zu schicken, ließ ebenfalls viele Fragen offen.

Eigenlob stinkt nicht immer

Für Lehrerinnen und Lehrer, die sich von Politikern alleine gelassen und nicht ernstgenommen fühlen, ist es nicht leicht, motiviert und mit Elan Tag für Tag vor die Klassen zu treten. Dabei ist es für jeden so wichtig, einen Sinn in der Arbeit zu finden. Und das schafft man wahrscheinlich am besten im Kleinen. Beispiele gefällig? Ein bisschen Eigenlob stinkt nicht immer. Am Ende des Tages drei Dinge aufzuschreiben, die man gut gemacht hat, kann durchaus ein gutes Gefühl auslösen. Und wenn es nur ist, dass man einem 15-jährigen Schüler endlich beigebracht hat, dass das Doppelte von 100 nicht 1000 ist. Oder ein anderer kapiert, dass es nicht besonders nett ist, mit Reizgas herumzusprühen.

Autor Oliver Seibel
Autor Oliver Seibel
x