Ludwigshafen
Endlich geöffnet! – Wie die Gastronomie in Ludwigshafen wieder anläuft
Schon am Mittwoch stand bei Vlado Dmitriew das Telefon nicht still. Die Landesregierung hatte gerade Corona-Lockerungen verkündet. „Die Leute haben angerufen und gefragt: ,Habt ihr schon offen?’“, berichtet der Inhaber des „La Casa di Laul“ am Ludwigsplatz in der Stadtmitte. Doch die Ludwigshafener mussten sich noch bis zum Feiertag gedulden, bevor die Bundesnotbremse gelockert wurde. Grund: Der Corona-Inzidenzwert musste an fünf Werktagen in Folge unter der 100er-Marke liegen.
Neue Getränke mussten her
Vor dem Neustart gab es einiges zu erledigen. Nach sieben Monaten Schließung musste beispielsweise der Getränkevorrat erneuert werden. „Ich habe 90 Liter Bier weggeschüttet“, berichtet Dmitriew. Auch bei den Softdrinks wie Cola oder Bionade war das Haltbarkeitsdatum abgelaufen. Nachdem klar war, dass er sein Lokal wieder regulär öffnen konnte, sei er am Dienstag sofort zum Großhändler gefahren, um sich mit neuen Vorräten einzudecken. Dort sei er vielen Kollegen begegnet. „Wir sind wie die Bären, die aus einem Winterschlaf erwacht sind“, sagt er und lacht. Seit 2004 betreibt der 48-Jährige das „Laul“. Der Koch hat sich in den vergangenen Monaten mit dem Außerhaus-Verkauf von Speisen über Wasser gehalten. Sein Personal habe er dank Überbrückungshilfen und Kurzarbeit durch die Zwangspause gebracht.
Die Terrasse des „Laul“ wurde gereinigt, die Außenmöbel geputzt, damit das Lokal an Fronleichnam wieder die ersten Gäste begrüßen konnte. Darunter war um die Mittagszeit Ursula von Schlieben. Die 77-jährige Friesenheimerin genoss sichtlich den Espresso nach dem Essen – den ersten seit langer Zeit in einem Restaurant. Sie sei bei der Bank gewesen und habe zufällig entdeckt, dass das „Laul“ geöffnet hat. „Ich wusste das gar nicht“, sagte sie. Einfach mal auswärts essen zu gehen, habe sie sehr vermisst. „Man hat das eigene Kochen über.“ Ein paar Tische weiter überlegte Vera Hennefeld, was sie bestellen soll. Während der Pandemie habe sie sich häufiger Essen nach Hause liefern lassen. „Aber das ist nicht dasselbe“, sagte die 45-Jährige. Mit ihrem zehnjährigen Sohn Tom besuchte die Saarländerin am Feiertag Verwandte in Ludwigshafen. Als sie hörte, dass hier die Gastronomie geöffnet hat, habe sie sich besonders gefreut.
Großer Andrang bei Eiscafés
Auch auf dem Lutherplatz saßen wieder Gäste auf der Terrasse des „La Torre Da Angelo“, um dort endlich wieder Pizza auf einem Teller und nicht aus einem Karton zum Mitnehmen zu essen. Vater Angelo und Sohn Salvatore Montana sind erleichert, dass sie wieder öffnen konnten. Viel los war bei sonnigem und sehr warmem Wetter auch in den Eiscafés.
In Ludwigshafens ältestem Lokal „Maffenbeier“ im Hemshof wird erst am Freitag wieder Betrieb herrschen. Der Wirt Thomas „Fidschi“ Schulte-Hobein hat sich noch einen Tag Zeit gelassen. „Am Feiertag ist eh nicht so viel los“, sagt er und außerdem wollte er sich vor der Öffnung noch näher mit dem Corona-Regelwerk befassen. Das sieht vor, dass im Außenbereich der Restaurantbesuch ohne Test wieder möglich ist – innen braucht man einen negativen Test oder muss nachweisen, dass man zu den Covid-Genesenen und Geimpften gehört. Im Biergarten dürfen pro Tisch fünf Plätze mit Personen aus verschiedenen Haushalten belegt werden – plus Geimpfte und Genesene. Zudem muss Abstand zwischen den Tischen eingehalten werden. „Ich bin jetzt erst einmal erleichert, dass es wieder weitergeht. Sieben Monate waren arg lang“, sagte Schulte-Hobein. Der Verkauf von Speisen als „Maffe to go“ habe geholfen, über diese Zeit zu kommen und das Personal weiter zu beschäftigten. „Aber das hat sich wirtschaftlich kaum gelohnt – und aufholen lässt sich das auch nicht mehr.“
Wirte hoffen auf weiter sinkende Werte
Er plant, die Spiele der Fußball-Europameisterschaft in seinem Biergarten zu übertragen. „Dass die Testpflicht im Freien wegfällt, hilft uns sehr“, sagt er. Der 61-Jährige hofft auf gutes Wetter und darauf, dass die Inzidenz dauerhaft unter 100 bliebt. „Vielleicht schaffen wir es in Ludwigshafen ja auch noch unter 50“, sagt Schulte-Hobein.
Doch dafür ist erst einmal noch Geduld gefragt: Laut Landesuntersuchungsamt lag die Sieben-Tage-Inzidenz am Donnerstag bei 65,6. Im Vergleich zum Mittwoch (68,5) ist sie damit nach einem vorübergehenden leichten Anstieg wieder etwas gesunken.
Zum Weiterlesen
Welche Corona-Lockerungen es in Ludwigshafen gibt, lesen Sie hier.