Ludwigshafen
Eisbollen-Radtour: Vom größten bis zum kleinsten Stadtteil
Pünktlich um 17 Uhr trafen sich die Teilnehmer der „Eisbollentour“ am Mittwoch auf dem Hans-Warsch-Platz. Der Marketingverein Ludwigshafen hatte eingeladen, und nach dem Genuss einer Kugel Eis aus dem „Venezia“ übernahm zunächst die Oggersheimer Ortsvorsteherin Sylvia Weiler (SPD) das Programm.
Mit Blick auf den Marktbrunnen berichtete sie, dass die drei Säulen symbolisch die Stadttore darstellen, die Oggersheim einst eingegrenzten. Dann wies sie darauf hin, dass in „ihrem Rathaus“ die älteste Glocke Ludwigshafens hängt. Diese stammt aus dem Jahr 1750. „Das war nur möglich, weil sie in keinem Verzeichnis vermerkt war“, informierte Weiler. Denn im Krieg wurde seinerzeit alles eingeschmolzen und zu Waffen verarbeitet.
Diskussion über ältestes Gasthaus
Ein weiteres historisches Gebäude befindet sich ganz in der Nähe des Rathauses, es handelt sich um eines der ältesten Lokale Ludwigshafens: „Der grüne Baum“, unter Einwohnern gerne auch „der dürre Ast“ genannt. Wer den Titel „Ältestes Lokal Ludwigshafens“ tragen darf, ist nicht eindeutig geklärt. Mit dem „Maffenbeier“ im Hemshof und der „Linde“ in Mundenheim gebe es zwei weitere Gaststätten, die auf lange Traditionen zurückblicken können, so der Hinweis einiger Teilnehmer.
Weiler führte die Radfahrer durch die grüne Oase Oggersheims, den Stadtpark. Dort verläuft eine Etappe des Rheinradweges. Nur wenige hundert Meter weiter befindet sich der Backsteinweiher. In erster Linie ein Angelgewässer, bestehend aus drei Wasserflächen, die nur durch kleine Dämme getrennt sind. „Am ersten Augustwochenende findet dort das mehrtägige Fischerfest der Vereinigten Sportangler statt“, lud die Ortsvorsteherin ein.
15 verschiedene Kulturen
Über eine Brücke überquerte die 20-köpfige Radgruppe die A650 weiter nach Ruchheim. Dort übernahm Dennis Schmidt (CDU) die Führung der Tour. Ziel des Ortsvorstehers waren zunächst die Felder des Bio-Gemüsehofes Schuch. Ein Traditionsbetrieb, der die für Ruchheim typische Landwirtschaft betreibt. „Ich nenne es meinen Garten“, erzählte Christina Schuch, Mitbetreiberin des Hofes.
Seit zwei Jahren stehen auf einem Hektar Fläche mehr als 15 verschiedene Kulturen. Ein Mix, der die Anwendung von Spritzmitteln unnötig gemacht hat und Vielfalt demonstriert. Der Betrieb betreibt 80 Prozent biologischen Anbau, darunter sind zahlreiche Gemüsesorten. Aber auch Sonnenblumen, um besseres Klima auf der Fläche zu schaffen. Dadurch sei weniger Bewässerung nötig, wusste Schuch.
Schlossmauer noch erhalten
Nach Verkostung der aromatischen Tomaten des Biohofes ging es weiter zum Ruchheimer Schloss. Schmidt erzählte, die Bewohner hätten lange gedacht, die ehemals eigenständige Gemeinde sei das um 1000 gegründete Richinesheim gewesen. „Inzwischen weiß man, dass das nicht stimmt, denn erstmalig ist es sogar bereits 775 als Ruchenheim erwähnt“, berichtete er weiter. Damit stehe bald das 1250. Jubiläum des 1974 eingemeindeten Dorfes an, freute er sich.
Beim Schloss handelt es sich um eines der ältesten Gebäude in Ruchheim, als Hofanwesen wurde es 1721 erbaut. Auch die Schlossmauer des sogenannten Wasserschlosses ist in Teilen noch erhalten. Die Bewohner trugen den Spitznamen „die Schweizer“. Das rührt daher, dass das Dorf unter der Herrschaft des Baseler Grafen von Rußicon stand. Auch um ihn ranken sich Legenden. Er soll verantwortlich zeichnen für die Verlegung der Mutterstadter Gemarkung in Richtung Ruchheim. Nach einem Großbrand flüchteten seinerzeit viele Bewohner in das benachbarte Dorf. Beim Wiederaufbau verlegte er kurzerhand die Dorfgrenze.
Mit so viel neuem Wissen angefüttert, verabschiedeten sich die Radfahrer mit einer weiteren Kugel Eis.