Stadtteilspaziergang: Ruchheim
Was der jüngste Ortsvorsteher im gewachsenen Dorf anpackt
Mit dieser Ehrenbezeugung auf gut Pfälzisch ist Schmidt am Tag nach seinem Überraschungssieg gegen Amtsinhaberin Heike Scharfenberger (SPD) von einem (ihm ausnahmsweise unbekannten) Ruchheimer begrüßt worden. „Du bist doch der Dennisschmidt“, hat ihn ein Knirps angesprochen. In einem Wort hatte er den Namen jedenfalls vom Wahlplakat abgelesen. Auf dem Weg zur ersten Station des Spaziergangs wird der 29-Jährige gleich hinterm Schloss angesprochen – und geduzt. In den folgenden 90 Minuten soll so mancher Stopp zum Plausch am Gartenzaun oder am Straßenrand folgen.
Es sind die kleinen Fortschritte, die Ruchheim lebenswerter machen, auf die Schmidt hinweisen will. Wie den Eisautomaten am Rande des SV-Geländes, an dem rund um die Uhr ein Becher gezogen werden kann. Er ist eine dieser Ideen, die er unterwegs aufgeschnappt und auf seinen Stadtteil übertragen hat.
Eisbecher rund um die Uhr
In diesem Fall von einer Eismanufaktur aus Speyer, deren Betreiber ihre Spezialitäten zum Mitnehmen aus dezentral aufgestellten Kühltruhen anbieten. Ein halbes Dutzend Standorte in der Vorderpfalz haben die Eismacher ausgewählt, einer davon ist dank Schmidts Fürsprache seit gut einem Jahr in Ruchheim. „Die Nachfrage lässt nicht zu wünschen übrig“, berichtet der Ortsvorsteher, der am liebsten Mandel-Pistazie zieht.
Wenige Meter weiter, da wo man von den Äckern im Nordosten nach Oggersheim blicken kann, zeigt er auf seine nächste Copy-and-Paste-Aktion, die man glatt übersehen könnte. Auf dem Asphalt des Feldwegs ist ein Piktogramm aufgebracht: „Rücksicht macht Wege breit!“ ist über einem Traktorfahrer, Radfahrer und Spaziergänger mit Hund zu lesen.
Gruß aus der Gemüsekiste
„Mit ein bisschen gegenseitiger Rücksicht können sich alle auf einem Weg arrangieren“, appelliert Schmidt. Chronisch überfüllte Verkehrswege bleiben ein leidiges Thema im Stadtteil. Aber im Gegensatz zu früheren Jahren hat sich zumindest die Tonlage in Ruchheim entschärft, treten die Landwirte nicht mehr so robust auf, wird gesitteter um eine Verkehrswende und eine Entlastung des Ortskerns gerungen. „Der Pfalzmarktweg, der zumindest den landwirtschaftlichen Verkehr besser lenkt, bleibt eine enorme Entlastung“, zeigt sich Schmidt erleichtert.
Auch die neue Verschwenkung am Ortseingang von Mutterstadt kommend sieht Schmidt als Durchbruch. Sie hat ein jahrelanges Provisorium abgelöst und verlangsamt den Verkehr in der Mutterstadter Straße. Mit ihrer schmalen Breite und mit der Ahnung von Fußgängerwegen, die an den engsten Stellen kaum Platz für einen Kinderwagen oder Rollator lassen, steht sie exemplarisch für einen aus allen Nähten platzenden Ort, der von beschaulichen 1500 Einwohnern bei der Eingemeindung Anfang der 70er-Jahre auf heute fast 6000 angeschwollen ist. Wenn der gepflasterte Schwenk jetzt noch anständig bepflanzt ist, ist die Sache rund. Eine Idee – wie sollte es anders sein – hat Schmidt auch schon: eine grüne Gemüsekiste, passend zum landwirtschaftlichen Gepräge des Stadtteils.
Unverständnis über Hinhaltetaktik
Die Idee für die Piktogramme, die sich auch am Naherholungsgürtel an der Vogelwiese und am Kreuzgraben finden, hat er bei einem Besuch im Allgäu abgekupfert. Bei der städtischen Straßenbehörde ist der Ur-Ruchheimer prompt auf Zustimmung gestoßen. So viel Offenheit und Entgegenkommen seitens der Zentralverwaltung würde er sich auch bei anderen Themen wünschen.
Etwa bei der Kommunikation der seit Jahren aufgeschobenen Sanierung des Dorfgemeinschaftshauses. Anfang der Woche konnte Schmidt den Ortsbeirat darüber in Kenntnis setzen, dass die heiße Umbauphase nun von April bis Oktober dauern und das Projekt im Februar 2024 abgeschlossen sein soll. Informationen sollten jedenfalls fließen, erwartet der Ortsvorsteher auch im Namen der Vereine, schließlich bräuchten diese Planungssicherheit für ihre Aktivitäten.
Neuen Stadtteilverein initiiert
Das Vereinsleben ist jedenfalls vital in Ruchheim. Deswegen schmerzt es Schmidt, dass der Vorstand des Vogelwiesen-Vereins im Herbst geschlossen zurückgetreten ist. Er bemüht sich um eine Nachfolgeregelung. Die Tiere würden versorgt, und auch der Pächter wolle nicht abspringen, ist Schmidt halbwegs beruhigt. Auf der Haben-Seite steht die gerade erfolgte Eintragung eines Stadtteilvereins ins Vereinsregister. Tim Braun hatte in der Ortsvorsteher-Sprechstunde vorgesprochen, weil er sich für Kinder im Stadtteil engagieren wollte. Schmidt hat ihn charmant überzeugen können, am Ende den Vereinsvorsitz zu übernehmen.
Bei der Kommunalwahl im nächsten Jahr will es Schmidt noch mal wissen, wird für die CDU, der er bereits als Teenager beigetreten ist, erneut als Frontmann antreten. Bis dahin hat der SV-Stadionsprecher noch genug Arbeit vor der Brust: weitere Verschönerung der Ortseingänge, Suche nach einem neuen Standort für eine Postfiliale und die dringend benötigte dritte Kita infolge der Bebauung des Erfurter Rings, Erweiterung des Feuerwehrgerätehauses, Sicherung des gefährlichen Radwegs nach Fußgönheim, vielleicht ein kleiner Weihnachtsmarkt vor dem Schloss ...
Gerade haben die Schlosshogger-Narren es zum zweiten Mal erstürmt. Noch so eine Innovation, die der jüngste Ortsvorsteher in der Stadt andernorts mit Freuden entdeckt und auf Ruchheim übertragen hat. Es dürfte nicht die letzte bleiben.