Ludwigshafen Eine Tour um den Bodensee ist 273 Kilometer lang
Wenn ich in Ludwigshafen am Rheinufer Süd ins Wasser springe und genau 423 Kilometer rheinaufwärts schwimmen würde, käme ich in Konstanz am Bodensee heraus. Weil mir das natürlich zu lange dauert und zwischendurch noch der Rheinfall von Schaffhausen zu überwinden wäre, bin ich lieber gemütlich mit dem Bus in den Süden Deutschlands gefahren. Das hat dann nur vier Stunden gedauert.
Konstanz liegt am Ufer des Bodensees. Das ist nach dem Plattensee in Ungarn und dem Genfersee in der Schweiz der drittgrößte See in Europa. Wenn du einmal ganz um das „Schwäbische Meer“, wie der See auch genannt wird, herumfahren möchtest, sind das genau 273 Kilometer. Und du musst dabei mehrere Grenzen überqueren, weil nämlich auch Österreich und die Schweiz an den Bodensee grenzen. Im Osten mündet bei Bregenz der Rhein in den Bodensee. Bei Konstanz verengt sich der See für einige Kilometer zum sogenannten Seerhein. Genau dort, wo das Wasser aus dem Bodensee in den Seerhein fließt, überspannt eine Brücke den Fluss. An dieser Stelle beginnt die Zählung der Rheinkilometer, die für die Schiffe auf dem Rhein wichtig ist. Sicher hast du schon einmal die großen weiß-schwarzen Schilder am Ufer gesehen. Ludwigshafen erstreckt sich zwischen Rheinkilometer 419 und 432. Konstanz hat über 85.000 Einwohner und ist damit nur ungefähr halb so groß wie Ludwigshafen. Aber es ist die größte Stadt am Bodensee. Und eine sehr alte Stadt mit einer wunderschönen Innenstadt und vielen buntbemalten Häusern. Besonders bekannt ist das Konzil am Hafen. In diesem Gebäude, das eigentlich ein Kaufhaus und ein Warenlager war, fand während des Konstanzer Konzils die Versammlung statt, in der Papst Martin V. gewählt wurde. Damals gab es nämlich knapp 40 Jahre gleich drei Päpste. „Schisma“ heißt der Fachbegriff dafür. In Konstanz trafen sich dann von 1414 bis 1418 Bischöfe, Kardinäle, Fürsten und der König zu einer Versammlung, eben dem Konzil, um sich auf einen Papst zu einigen. Das fand vor genau 600 Jahren statt und wird in Konstanz gerade groß mit vielen Ausstellungen und Veranstaltungen gefeiert. An diese Zeit erinnert die „Imperia“. Das ist eine große, zehn Meter hohe und 18 Tonnen schwere Figur, die aus Beton gegossen ist. Seit 1993 steht sie auf der Konstanzer Mole und dreht sich langsam. Der Bildhauer Peter Lenk hat sie gestaltet. Die „Imperia“ ist eine nur sehr spärlich bekleidete Figur mit einer Narrenkappe auf dem Kopf. Auf ihren ausgebreiteten Armen trägt sie zwei nackte Männerfiguren: den Papst und den König. Viele Konstanzer wollten nicht, dass der Künstler seine tonnenschwere Figur in Konstanz aufstellt, weil sie nämlich eine Prostituierte darstellt und die höchste weltliche und geistliche Macht verspottet. Also hat Peter Lenk das damals ganz heimlich gemacht und die Einzelteile mit einem Schiff in der Nacht über den See gebracht. Da die Mole der Deutschen Bahn gehörte, konnten die Konstanzer nichts dagegen unternehmen. Eine spannende Geschichte, oder?