Wildes LU RHEINPFALZ Plus Artikel Eine Schule wird zum Dorado für Insekten und Vögel

Gemeinsam für Naturschhutz: Gabriela Eckhartt-Mittendrein (Schulleiterin), Carolin Schmid (Lehrerin) und Klaus Eisele (von links
Gemeinsam für Naturschhutz: Gabriela Eckhartt-Mittendrein (Schulleiterin), Carolin Schmid (Lehrerin) und Klaus Eisele (von links).

Ludwigshafen ist eine Industriestadt. Viele Tiere haben sich Werksgelände oder öffentliche Areale als Lebensraum erobert. Es gibt eine erstaunliche Artenvielfalt an ungewöhnlichen Orten. Wir sind mit Naturschützern auf Expedition gegangen. Heute geht’s zur Albert-Schweitzer-Schule in Ludwigshafen-Süd.

Ein Baumläufer arbeitet sich Schritt für Schritt an der trockenen Rinde des rund 60 Jahre alten Nadelbaums hinauf, pickt mit seinem spitzen, pinzettenförmigen Schnabel hinein, sucht nach Insekten und kleinen Spinnen. Auf dem Dach des gegenüberliegenden Gebäudes hüpft eine Elster munter hin und her. Es ist ruhig geworden am Freitagmittag an der Albert-Schweitzer-Schule. Die Tierwelt scheint zu erwachen, nachdem die Kinder nach Hause gegangen sind.

Doch auch ansonsten lassen sich Eichhörnchen und Co. vom fröhlichen Kinderlachen der rund 270 Schüler nicht stören. Dank des ehrenamtlichen Engagements einiger Lehrkräfte hat sich die Schule zwischen den Bahngleisen, der Kleingartenanlage „Süd-Schöngewann“ und der dichten Wohnbebauung zu einem kleinen Naturdorado entwickelt. Und das hat einen Grund.

Unterstützung von Orbea

Carolin Schmid ist Lehrerin an der Albert-Schweitzer-Schule. Sie engagiert sich auch im Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) im Rhein-Pfalz-Kreis. Warum also nicht beides miteinander verbinden? „Wir vom BUND hatten damals schon Nistkästen auf Streuobstwiesen in Limburgerhof angebracht, und mir schien das Gebiet rund um die Albert-Schweitzer-Schule dazu ideal“, berichtet die Pädagogin. Und wer sich in Ludwigshafen in Sachen Natur- und Artenschutz engagiert, der kommt an Klaus Eisele, dem ehrenamtlichen Naturschutzbeauftragten der Stadt und Vorsitzenden der Ornithologischen Beobachtungsstation Altrhein (Orbea) nicht vorbei. „Er ist ja sozusagen der Hansdampf in allen Gassen“, sagt sie lachend, griff seinerzeit zum Hörer und wählte Eiseles Nummer. Und so kam 2018 eines zum anderen.

Ihre Idee, gemeinsam mit den Kindern Nistkästen zu bauen und diese auf dem Schulgelände aufzuhängen, stieß bei Schulleiterin Gabriela Eckhartt-Mittendrein auf offene Ohren. Schmids damalige zweite Klasse war Feuer und Flamme, legte direkt los. 15 Nistkästen aus Holzbausätzen entstanden vor fünf Jahren, 15 weitere sogenannte Schwegler-Kästen, benannt nach dem Hersteller, wurden hinzugekauft. In vier, fünf Metern Höhe hängen sie seitdem und werden jährlich von einem Orbea-Team in Kooperation mit Schülern und Lehrpersonal gereinigt.

20 Nistkästen belegt

„Von den 30 Nistkästen sind nicht alle besetzt, aber 20 sind es schon“, berichtet Schmid. Vornehmlich Meisen brüten darin. Aber auch Fledermauskot habe man bereits gefunden, sagt Eisele. Dass nicht ausgebrütete Eier oder tote Vögelchen ein ums andere Mal darin liegen – auch das gehört dazu. Die Kinder fragen, die Lehrer antworten und erklären. „Die Schüler werden auf diese Art und Weise an die Natur herangeführt und lernen dadurch vielleicht auch, sorgsamer mit der Natur umzugehen“, hofft Eisele auf einen gewissen Lerneffekt. Schmid und Eckhartt-Mittendrein wissen, wie wichtig es ist, Kindern den Natur- und Artenschutz näherzubringen.

30 Nistkästen gibt es.
30 Nistkästen gibt es.

Das Areal rund um die Albert-Schweitzer-Schule in Süd, es wächst und gedeiht. Zahlreiche Projekte wurden angestoßen, wie beispielsweise beim US-Pharma- und Biotechnologiekonzern Abbvie in unmittelbarer Nachbarschaft, der auf naturnahe Grünflächen setzt, oder beim Wohnungsbauunternehmen Vonovia, das an seinen Gebäuden zahlreiche Nistkästen für die unterschiedlichsten Vogelarten anbringen ließ. Vieles, was an der Albert-Schweitzer-Schule entstanden ist, wurde außerhalb der regulären Schulzeit gemacht, etwa die Insektennisthilfe, besser bekannt als Insektenhotel.

Weitere Projekte geplant

Beim Freiwilligentag 2022 hämmerten und zimmerten Lehrer mit Unterstützung das neue Insektenhabitat. Bis vor Kurzem lagerte dies in Schmids Garage. Jetzt, zum Frühlingsauftakt, durfte es endlich in die Albert-Schweitzer-Schule umziehen. Die erste Etage des dreistöckigen Gebäudes wurde in der vergangenen Woche gefüllt. In Bambus-, Schilf- und Strohhalmen werden sich Wildbienen und Insekten demnächst sicherlich wohlfühlen. Die Wiese mit altem Baumbestand zwischen Schule und Kita/Hort der Albert-Schweitzer-Schule ist artenreich, was auch sicherlich damit zusammenhängt, dass dieser Bereich eingezäunt ist und eher selten betreten wird, sich die Natur entfalten und entwickeln kann. Dort steht nun auch das Insektenhotel.

„Auf dieser Fläche ist jede Menge Platz, und ich hätte da noch einige Ideen“, lässt Eisele seinen Blick schweifen und sinniert über eine ökologische Aufwertung der Fläche. Schmid und Eckhartt-Mittendrein scheinen nicht abgeneigt zu sein. Schon jetzt finden Freibrüter in den Hecken zur Kleingartenanlage durchaus Raum zum Nisten. Ein Steinhaufen oder eine Trockenmauer, unter anderem ein beliebtes Habitat für Eidechsen, würde sich leicht realisieren lassen, meint Eisele. Ebenso eine Feuchtmulde oder ein Biotop, ist der engagierte Naturschützer überzeugt. Die Ideen gehen ihm nicht aus. Ein kleiner Schulgarten gehört übrigens ebenfalls zur Albert-Schweitzer-Schule. Auf spielerische Art und Weise lernen die Kleinsten, dass die Pommes nicht schon eckig aus dem Boden wachsen und dass Unkraut eben kein Unkraut ist, sondern Wildpflanzen, die zu einer artenreichen Flora und Fauna beitragen. Die Albert-Schweitzer-Schule geht mit gutem Vorbild voran.

Den ersten Teil der Serie lesen Sie hier.

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