Firmenporträt RHEINPFALZ Plus Artikel Eine Marke in der Region: Modehaus Niebel feiert 100. Jubiläum

Eine Familie mit großem Faible für Mode: Bernd Niebel führt das Haus in der dritten Generation, an seiner Seite sind Ehefrau Car
Eine Familie mit großem Faible für Mode: Bernd Niebel führt das Haus in der dritten Generation, an seiner Seite sind Ehefrau Carmen (rechts) und Tochter Sophie.

Mit ein paar Stoffballen und einem kleinen Vertrieb hat vor 100 Jahren die Geschichte des Modehauses Niebel begonnen. Mittlerweile betreibt das Familienunternehmen elf Filialen in der Region und beschäftigt 130 Mitarbeiterinnen. Die stolzieren für ihre Firma sogar als Models über den Laufsteg.

Alles begann mit einem Fahrrad und einem Musterbuch für Stoffe. Ab dem Jahr 1923 tingelte ein gewisser Eugen Niebel aus Handschuhsheim mit dem Drahtesel von Dorf zu Dorf, um Stoffballen zum Nähen von Kleidern zu verkaufen. 100 Jahre später ist aus der Familientradition ein fest etabliertes Modehaus erwachsen, das nicht nur in Heidelberg, sondern auch in Walldorf, Mutterstadt und Pirmasens Filialen besitzt – und zuletzt in Sinsheim sogar einen Esprit-Laden übernahm.

Bernd Niebel wurde in die Modewelt hineingeboren. Der Enkel des radelnden Großvaters bekam den Handel von Textilwaren schon von Kindesbeinen an mit. Nun führt er das Modehaus in der dritten Generation. Zentrum ist das große Kaufhaus in Handschuhsheim. Eine ehemalige Füllhalterfabrik wurde in den 1980er-Jahren übernommen, auf mehreren Ebenen gibt es die neueste Mode und ausgewählte Marken zu entdecken. Manche Mitarbeiterinnen stehen den Kunden schon seit 30 Jahren beratend zur Seite.

Mit dem Fahrrad über den Catwalk

Bei der großen Jubiläumsfeier wird deutlich, wie das Familienunternehmen, das inzwischen elf Filialen in der Region besitzt, der kommerziellen Konzern-Konkurrenz trotzt. „Ohne Familie geht es nicht“, sagt Bernd Niebels Ehefrau Carmen – und meint damit nicht nur die eigenen Verwandten, sondern auch die 130 Mitarbeiter, die Lieferanten – und natürlich die Kunden. Bei einer kleinen Modeschau samt Catwalk und Partymusik stolzieren keine gebuchten Models, sondern die Mitarbeiter in Jubiläumsshirts über den Laufsteg. Klare Botschaft: Euch gehört die Bühne!

Das Modehaus in einer ehemaligen Füllhalterfabrik in Handschuhsheim wurde 1987 eröffnet.
Das Modehaus in einer ehemaligen Füllhalterfabrik in Handschuhsheim wurde 1987 eröffnet.

Chef Bernd Niebel kommt dagegen stilvoll mit dem Fahrrad über den Catwalk gefahren. Ein übergroßes Buch in der Hand, das fast als Erstausgabe der Bibel durchgehen könnte. Tatsächlich ist es das Musterbuch seines Großvaters Eugen, das in Ehren gehalten wird. Dass das Haus einmal 100. Jubiläum feiert, hätte er sich nicht träumen lassen. „Er hatte nicht viel, lebte in einer kleinen Wohnung und musste zehn Kinder ernähren“, verrät der Enkel. Mit dem Rad soll der Opa sogar bis nach Baden-Baden gefahren sein, aus dem Minivertrieb mit ein paar Stoffballen wurde irgendwann eine kleine Webstoffgroßhandlung und dann in Neuenheim in der Brückenstraße unweit des Neckars ein Großhandel mit Stoffen und Pullovern.

Großes Jeans-Sortiment

1963 übernahm Sohn Walter Niebel die Geschäfte und eröffnete das erste Einzelhandelsgeschäft mit Bekleidung, Wäsche und Heimtextilien für die ganze Familie. Dank eines großen Jeans-Sortiments wurde das Unternehmen nicht nur in Heidelberg bekannt, der Ruf von „Jeans-Niebel“ machte in der ganzen Region die Runde. 1987 erfolgte der Umzug zurück nach Handschuhsheim in das historische Fabrikgebäude. Zumindest die ökonomische Geschichte des mittelständischen Unternehmens nahm da aber erst ihren Lauf.

Wiesloch, Mutterstadt, Pirmasens: Elf Filialen werden mittlerweile geführt. Dass der ewige Trend weg vom individuellen Einzelhandel hin zu internationalen Modelabels auch mal umgekehrt laufen kann, demonstrierte die kürzlich erfolgte Übernahme eines Esprit-Ladens in Sinsheim. „Die Mode kommt und geht, wir aber sind geblieben“, verdeutlicht auch Bernd Niebel. Die einzige Konstante ist der Wandel, doch das mittelständische Unternehmen versteht es, mit der Zeit zu gehen. Tochter Sophie verkörpert nicht nur die wartende vierte Generation: Sie trägt schon jetzt viel Verantwortung, hat den Bereich Social Media und das Marketing für den Online-Handel übernommen, der das Unternehmen gerade in Corona-Zeiten gut durch die Krise führte.

Gegen den Trend

Während gerade Heidelberg mit dem verkündeten Ende des Kaufhofs am Bismarckplatz schmerzvoll erfahren musste, dass die Zeit der großen Kaufhäuser abgelaufen ist, steht das individuelle Modehaus gut da. Und nicht nur Bernd Niebel weiß, woran das liegt. „Mode ändert sich, aber unsere Werte sind geblieben. Sie ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte“, betont er. Niebel ist eben keine Kette, sondern ein Name, der für die Region steht. Das wolle man auch im Jubiläumsjahr mit zahlreichen Events nicht vergessen. Auch im Bereich Nachhaltigkeit stellt sich das Unternehmen neu auf. Die einzige Konstante ist schließlich der Wandel.

Zur Serie

In dieser Serie stellen wir wöchentlich immer samstags interessante Firmen aus der Region vor.

x