Ludwigshafen Ein bisschen Theaterdonner

Inka Neubert, seit 2010 künstlerische Leiterin des TiG7, wird das Mannheimer Theaterhaus mit Ende dieser Spielzeit verlassen. Ihr auslaufender Vertrag wird nicht verlängert. Offenbar gibt es unterschiedliche Vorstellungen über die künftige Ausrichtung des freien Theaters zwischen Neubert und Mitgliedern im Leitungsteam.
Es handele sich um einen Wechsel, wie er an einem Theater eben vorkomme, beschwichtigt Wolfgang Gladrow, der Vorsitzende des Trägervereins des TiG7. Sowohl Gladrow wie auch andere Mitglieder des siebenköpfigen Leitungsteams halten sich mit Stellungnahmen zurück und sind offensichtlich bemüht, den Personalwechsel tief zu hängen. Auch Inka Neubert selbst will sich nicht zu den Hintergründen äußern. Für die Woche vor ihrer letzten Inszenierung am TiG7 im April, der Premiere von Michal Walczaks „Elchjagd“, kündigen Theaterleitung und künstlerische Leiterin jedoch eine gemeinsame Erklärung an. Einen Nachfolger habe das Theater noch nicht im Auge, sagt Gladrow. Noch im Laufe dieses Monats soll die Stelle aber in dem Internetportal des Deutschen Bühnenvereins für Theaterjobs ausgeschrieben werden. „Es geht bei der Stelle ja nicht nur um die künstlerische Leitung, sondern auch um die Erledigung von Verwaltungsaufgaben“, sagt Gladrow, betont aber, dass Inka Neubert in dieser Hinsicht zu keinen Klagen Anlass gegeben habe. Der Grund für das Zerwürfnis sollen nach Informationen der RHEINPFALZ unterschiedliche Vorstellungen über die zukünftige Ausrichtung des freien Theaters sein. Die künstlerische Leiterin habe eine stärkere Professionalisierung angestrebt, was auf den Widerstand der an dem Theater spielenden Laiendarsteller gestoßen sei. „Wir streben ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Profis, Semiprofessionellen und Laien an“, sagt dazu Wolfgang Gladrow auch im Hinblick auf den Spielplan der nächsten Spielzeit, den das Leitungsteam gerade dabei ist aufzustellen. Ein Wechsel der künstlerischen Leitung sei am TiG7 ein recht seltenes Ereignis, betont Gladrow. In den 25 Jahren, die das Haus besteht, habe es gerade einmal drei Wechsel gegeben. Und mit Maike Lex, der Vorgängerin Inka Neuberts, habe es auch den umgekehrten Fall gegeben, dass die künstlerische Leiterin das Haus von sich aus verlassen habe. Maike Lex wechselte vor fünf Jahren in die Leitung des Schlachthaus Theaters in Bern in der Schweiz. Inka Neubert, 1965 in Krefeld geboren, studierte Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften in Köln und war von 1991 bis 1996 Regieassistentin am Kölner Schauspiel, unter anderen bei Dimiter Gotscheff. 1997 und 1999 wurde sie mit dem Kölner Theaterpreis für die beste Produktion der freien Szene ausgezeichnet. Seit 1997 arbeitete sie als freie Regisseurin in Köln, Hamburg, Stuttgart und Paderborn,. Im Jahr 2000 gründete sie zusammen mit dem Maler und Ausstatter Alireza Varzandeh in Köln das freie Theater Inteata, dessen künstlerische Leiterin sie war, bis sie dann vor fünf Jahren ans TiG 7 nach Mannheim wechselte.