Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel E-Scooter in der Stadt: Steigende Nachfrage, weiterhin Probleme

Schnell und spontan von A nach B kommen – das ist mit E-Scootern möglich.
Schnell und spontan von A nach B kommen – das ist mit E-Scootern möglich.

Seit zwei Jahren gibt es E-Scooter zum Ausleihen in Ludwigshafen. In diesem Jahr ist mit Bolt der mittlerweile vierte Anbieter dazugekommen. Während die Unternehmen von gestiegener Nachfrage berichten, sieht die Stadt die Situation weiter kritisch.

Für die einen sind sie ein praktisches Fortbewegungsmittel, für die anderen ein Ärgernis: E-Scooter. Auch die Stadt bestätigt auf Nachfrage, dass es immer noch Probleme mit den Rollern gibt. Auch wenn dafür eigentlich die Anbieter die richtigen Ansprechpartner seien, gingen auch bei der Verwaltung immer wieder Beschwerden ein, die dann an die Unternehmen weitergegeben würden. „Die häufigsten Beschwerden beziehen sich darauf, dass E-Tretroller falsch abgestellt werden, im Verkehrsraum liegen oder in Grünflächen geworfen werden“, teilt ein Stadtsprecher mit. Nachdem die Anzahl der Beschwerden wetter- und coronabedingt eine Zeit lang zurückgegangen sei, gebe es aktuell „wieder eine gewisse Häufung“.

Gespräche mit Anbietern

Erschwerend komme hinzu, dass neuere Roller-Modelle austauschbare Akkus hätten und deshalb nicht mehr zum Laden eingesammelt werden müssen. Stattdessen könne der Akku vor Ort gewechselt werden. Deshalb würden einige Roller länger an unpassenden Stellen liegen bleiben. „Dabei ist es auch kein Trost, dass die Situation in Ludwigshafen im Vergleich mit anderen Städten noch vergleichsweise harmlos ist“, meint der Stadtsprecher. Die Situation werde mit den Roller-Anbietern, Städten und dem Verkehrsverbund gemeinsam besprochen.

Gar nicht so leicht zu beantworten ist die Frage, wie viele der Gefährte es in der Stadt gibt. Keiner der vier Anbieter macht auf RHEINPFALZ-Nachfrage genaue Angaben zur Anzahl der Scooter in Ludwigshafen. Tier Mobility nennt zwar einen gemeinsamen Wert für Ludwigshafen und Mannheim, der aber wiederum nicht so recht zu den von der Stadt geschätzten Zahlen passt. Aus dem Rathaus heißt es, dass sich „die einzelnen Anbieter derzeit wohl unterschiedlich“ entwickeln. Einige hätten die Anzahl der Roller reduziert, andere gingen dagegen in die Offensive. Insgesamt sei die Anzahl der verfügbaren E-Roller wohl nicht höher als vor einem Jahr. Laut Verwaltung sei davon auszugehen, dass in der Stadt 800 bis 900 Scooter täglich zur Verfügung stehen.

Immer mehr Tier-Roller

Als erstes ging am 31. Juli 2019 der Anbieter Tier mit seinen türkisfarbenen Scootern an den Start. Anfangs waren es nach Unternehmensangaben 200, ein Jahr später 350 bis 400. Nun ist von 3900 Tier-Scootern die Rede – allerdings in Mannheim und Ludwigshafen zusammen. Das scheint dennoch deutlich über die Schätzung der Stadt hinaus zu gehen. Zahlen für Mannheim und Ludwigshafen getrennt herauszugeben, sei nicht möglich, da „die beiden Geschäftsgebiete verbunden sind und man von einer Stadt in die andere fahren kann“, teilt Tier-Sprecher Florian Anders mit. Die Nachfrage sei „im Moment sehr, sehr groß“. Die Flotte sei deutlich ausgebaut worden. Um das zu verdeutlichen, nennt er globale Zahlen des Unternehmens. Im Frühjahr habe Tier weltweit rund 80.000 Fahrzeuge zur Verfügung gestellt, Stand heute seien es bereits 120.000. Bis Ende des Sommers sollen es weltweit 150.000 werden.

Zwar seien während der Lockdowns weniger Menschen unterwegs gewesen, doch in den Sommermonaten sei die Nachfrage stark angestiegen. Mit E-Scootern könne man derzeit „sicher, mit dem nötigen Abstand und an der frischen Luft von A nach B kommen“. Auch würden die Roller seit Beginn der Pandemie für weitere Strecken genutzt. Florian Anders schließt daraus, dass die Menschen eher ganze Wegstrecken damit zurücklegen, als die Scooter mit anderen Verkehrsmitteln zu kombinieren.

Abstellverbote schwierig

Das bestätigt auch ein Sprecher des Unternehmens Lime, das seit einem Jahr in Ludwigshafen vertreten ist. Die Durchschnittsstrecke von Lime-Scootern liege bei rund zwei Kilometern. Dazu, wie viele Roller das Unternehmen in der Stadt zur Verfügung stellt, gibt es von Lime ebenso keine Angaben wie von Bolt. Als vierter und damit neuester Anbieter in der Stadt ist die Firma erste seit Juni in Ludwigshafen am Markt. Mit dem Start sei man „sehr zufrieden“, teilt ein Sprecher mit. Man sehe einen stetigen Zuwachs. Von Bird gab es auf die RHEINPFALZ-Anfrage keine Rückmeldung.

„Eine Bewertung der Situation ist schwierig“, gibt sich der Stadtsprecher diplomatisch. Alle vier Anbieter haben eine Vereinbarung mit der Stadt unterschrieben, die bestimmte Rahmenbedingungen festlegt. Abstellverbote seien aber „nur sehr begrenzt umsetzbar“, heißt es aus dem Rathaus. Denn E-Scooter seien vergleichbar mit Fahrrädern. Bereits vor einem Jahr hieß es von Verwaltungsseite, dass „die Kapazitäten im öffentlichen Verkehrsraum enger“ werden.

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