Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Drei E-Scooter-Anbieter in der Stadt – Wann wird es zu viel?

Seit vergangenem Freitag in der Stadt: E-Scooter des Anbieters Lime.
Seit vergangenem Freitag in der Stadt: E-Scooter des Anbieters Lime.

Wie viele E-Scooter verträgt Ludwigshafen? Diese Frage stellt sich mittlerweile nicht nur die Stadtverwaltung. Mit Lime ist vergangene Woche der dritte Anbieter an den Start gegangen. Eigentlich wollte auch Zeus in nächster Zeit seine Roller in Ludwigshafen verteilen. Doch davon nimmt das Unternehmen erst einmal Abstand.

Mehr als 1000 E-Scooter für Ludwigshafen und Mannheim zusammen – mit dieser Ankündigung startete Lime Ende vergangener Woche in den hiesigen Markt. Und tatsächlich sind die grün-weißen Roller inzwischen an vielen Ecken in der Stadt zu sehen. Lime ist nach Tier Mobility und Bird das dritte Unternehmen, das in Ludwigshafen E-Scooter zum Verleih anbietet. Ein Verkehrsmittel, das im Trend liegt, aber auch auf Kritik stößt – stehen die Scooter doch auch mal mitten auf Wegen herum oder liegen im Gebüsch.

„Ob, wann und wie E-Tretroller-Verleihsysteme implementiert werden, ist eine Frage der Marktwirtschaft“, sagt Thomas Lappe, Leiter Verkehrsplanung bei der Stadt, und ergänzt: „Die Anbieter müssen dies entscheiden, wir als Stadt haben da keinen Einfluss.“ Allerdings sehe man bei der Stadt angesichts immer weiterer neuer Anbieter „mittlerweile einen kritischen Bereich“. Laut Thomas Lappe dürfte einerseits inzwischen der Bedarf gedeckt sein, andererseits werden „die Kapazitäten im öffentlichen Verkehrsraum enger“. Das scheint nicht nur die Stadt so zu sehen.

Zeus verschiebt Marktstart

Ende Juni hatte das irische Scooter-Unternehmen Zeus noch angekündigt, in nächster Zeit in Ludwigshafen und Mannheim E-Scooter zum Verleih bereitzustellen. Nun heißt es auf erneute Anfrage von einem Firmen-Sprecher: „Wir glauben, dass die Städte Mannheim und Ludwigshafen ein Überangebot an Elektrorollern haben.“ Zeus werde diese Städte erst bedienen, wenn „die Nachfrage nach zusätzlichen Rollern offensichtlich ist“. Heißt im Umkehrschluss: Das Unternehmen verschiebt den in Mannheim und Ludwigshafen geplanten Marktstart nach hinten. Der Zeitpunkt dafür sei abhängig von der Gesamtanzahl der Scooter vor Ort und dem Nutzungsverhalten der Kunden.

Als Erstes in Ludwigshafen an den Start gegangen ist Tier Mobility aus Berlin. Seit August 2019, also seit ziemlich genau einem Jahr, kann man die schwarz-türkisfarbenen Roller in Ludwigshafen ausleihen. Zu Beginn wurden 200 Scooter in der Stadt verteilt, wie der zuständige Manager für die Region, Haris Matkovic, mitteilt. Inzwischen seien es rund 350 bis 400 Scooter. „Nach einem Jahr in Ludwigshafen sind wir sehr zufrieden“, sagt Matkovic. Die Frühlings- und Sommermonate seien erwartungsgemäß die umsatzstärksten. Als Zweites kam Bird, ein kalifornisches Unternehmen, nach Ludwigshafen. Die schwarz-weißen Roller gibt es seit Mai dieses Jahres. Rund 100 E-Scooter wurden anfangs verteilt. „Wir glauben, dass es auch in mittelgroßen Städten das Kundenpotenzial für zwei Anbieter gibt“, sagte Axel Jung aus der Bird-Europazentrale damals gegenüber der RHEINPFALZ.

Vereinbarung mit der Stadt

Damit nicht alles drunter und drüber geht und beim Verleih auf bestimmte Anforderungen und Qualitäten geachtet wird, hat die Stadt laut Thomas Lappe bislang mit allen Anbietern eine gleichlautende Vereinbarung abgeschlossen: mit Tier, mit Bird, mit Lime – und auch schon mit Zeus, deren Start sich ja nun verzögert. In dieser Vereinbarung ist zum Beispiel festgelegt, wie viele Roller maximal in der Innenstadt verteilt werden sollen und dass die Stadt Flächen definieren kann, auf denen keine E-Scooter abgestellt werden dürfen. Wer einen E-Scooter leiht, dem werden diese verbotenen Areale in der zugehörigen App angezeigt.

Dienstleister sammelt kaputte Scooter ein

Seit wenigen Tagen sind nun auch die Roller des US-amerikanischen Anbieters Lime in der Stadt zu finden. Eigentlich sei sogar schon etwas früher geplant gewesen, Roller in Ludwigshafen und Mannheim aufzustellen, sagt Deutschland-Manager Alexander Graf von Pfeil im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Weil Lime aber nicht im Winter anfangen wollte und anschließend, während der Hochzeit der Corona-Krise, weltweit alle Scooter – mit Ausnahme Südkoreas – aus den Städten wieder einzog, wurde der Markteintritt verschoben. „Es ist uns unglaublich wichtig, mit den Städten zusammenzuarbeiten“, sagt von Pfeil. Zu den Vorwürfen, die immer wieder gegenüber achtlosen Scooter-Nutzern im Raum stehen, sagt er: „98 Prozent aller Scooter werden richtig abgestellt.“ Aber natürlich sei „jeder, der im Weg steht, einer zu viel“. Regelmäßig sei ein Dienstleister in der Stadt unterwegs, der leere Scooter zum Aufladen einsammelt, andere zur Reparatur oder Wartung mitnimmt.

„Uns ist es wichtig, Mobilität für alle zu ermöglichen“, sagt von Pfeil. Weshalb man nicht nur auf die Innenstädte setze, sondern auch auf „die Bereiche, die schlecht mit dem öffentlichen Nahverkehr zu erreichen sind“. Vielleicht ja auch Bereiche, in denen bislang noch nicht allzu viele Roller standen. „Wir sind sehr zufrieden mit dem Start in Ludwigshafen und Mannheim“, heißt es von Lime nach der knappen ersten Woche auf Nachfrage.

Waren als Erstes in Ludwigshafen am Start: die Tier-Roller.
Waren als Erstes in Ludwigshafen am Start: die Tier-Roller.
Als Zweiter in Ludwigshafen: Bird aus Kalifornien.
Als Zweiter in Ludwigshafen: Bird aus Kalifornien.
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