Wochenspiegel
Drei Episoden zum FAZ-Verriss über LU
FAZ-Verriss – Episode I: Ausgelästert
Eine „Reisereportage“ und ihre Nachwehen: Der Verriss der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 30. Dezember über das hässliche Entlein Ludwigshafen war für viele Stadtbewohner – zumindest in journalistischer Hinsicht – weder ein guter Abschied vom alten noch ein prickelnder Start ins neue Jahr. Einige Reaktionen haben wir diese Woche veröffentlicht, andere persönlicher Art (noch) nicht. So schrieb mir ein geschätzter Kollege, der seit Jahrzehnten für uns erstklassige Arbeit abliefert und im Landkreis lebt, folgendes zu der ganzen Debatte: „Hallo Steffen, ich hab früher auch über Ludwigshafen gelästert – das ist aus der Perspektive der Gegenwart auch nicht schwer. Das hat sich auf einen Schlag geändert, als ich vor Jahren im Kultursommer bei einer Klang/Bild-Installation der Künstlerin Karin Maria Zimmer war. Sie hat im Bunker in der Hegelstraße Bilder und Klänge abgespielt, die Ludwigshafen vor, während und nach dem Krieg erleben ließen. Es hat mich völlig durchgeschüttelt, als ich im Bunker das Dröhnen heranfliegender Bomber gehört und gespürt habe. Dann hab ich die Bilder gesehen, wie das zerbombte Ludwigshafen ausgesehen hat. Kein Stein mehr auf dem andern, meterhohe Schuttberge. Ein Bild totaler Vernichtung. Und da hab ich begriffen: Es ist eigentlich ein Wunder, dass da überhaupt wieder eine Stadt entstanden ist. Seither lästere ich nicht mehr.“
Das hat mich tief berührt und zeigt: Schön oder hässlich sind keine Kategorien, mit denen man eine Stadt (oder Menschen) beurteilen sollte. Es sind Emotionen und Erfahrungen, die Verbundenheit oder Nähe schaffen. Und Respekt einflößen.
FAZ-Verriss – Episode II: Angekommen
2019 haben uns Freunde aus Belgien besucht, die wir in einem Italien-Urlaub kennengelernt haben. Kris und seine Familie waren das erste Mal in der Pfalz. Sie wohnten im Hotel an der Rhein-Galerie – mit Blick auf den Fluss. Wir haben ihnen die Stadt ziemlich ungeschminkt gezeigt: die Industriekulisse der BASF, das Südwest-Stadion, die Parkinsel – und wir waren Abendessen im Laul am Ludwigsplatz. Heidelberg, das Hambacher Schloss und der Pfälzerwald zählten zu den Ausflugszielen. Nach ein paar Tagen verabschiedete sich Kris mit den Worten: „Wir kommen wieder. Interessante Stadt mit Charme, eingebettet in einer wunderbaren Region.“ Wo er recht hat, ...
FAZ-Verriss – Episode III: Eingeladen
„Wo sie recht hat, hat sie recht“ – so kommentierten manche die schonungslose „Analyse“ von FAZ-Autorin Andrea Diener. Überwiegend bezog die 47-Jährige aber Prügel für ihre 400 wenig schmeichelhaften Zeilen über Ludwigshafen. Dabei sind die Reaktionen durchaus differenziert – und einige verbinden die Kritik an der Journalistin sogleich mit einer Einladung. Vielleicht nimmt Frau Diener das Angebot ja an – und nimmt die nächste Visite der Vorderpfalz zum Anlass für eine zweite Reportage – über die, die es hier trotz allem gerne aushalten. Sie ist jederzeit willkommen. „Wir“ sind nette Gastgeber. So ist LU: herb, aber herzlich.