Wochenspiegel
Die Ludwigshafener Wochenendkolumne: Gefrusteter Ortsvorsteher, gefrustete Eltern
Ortsvorsteher contra OB: Gefrustet
Ganz schön starker Tobak: Süd-Ortsvorsteher Christoph Heller (CDU) hat eine Stellungnahme der Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) zum Südwest-Stadion diese Woche als „schwachsinnig“ abgekanzelt. Als Schwachsinn wird eine Intelligenzminderung oder Minderbegabung bezeichnet. In diesem Sinne kann er es nicht wirklich gemeint haben. Bei Hellers Empörung schwingt vermutlich viel Frust mit. Die „One-Woman-Show“ Steinrucks nervt nicht nur ihn. Die Ignoranz der Verwaltung gegenüber Beschlüssen von Ortsbeiräten ist über Süd hinaus ein Dauerbrenner. Eigentlich können Heller und die OB gut miteinander, auch wenn sie unterschiedlichen Parteien angehören. Beide tragen ihr Herz auf der Zunge – auch beim Thema Stadion liegen sie nah beieinander. Beide wollen es erhalten. Insofern ist ihr Disput schon ein wenig kurios, aber dennoch begründbar. Steinruck fragt sich, warum sie zum wiederholten Mal ein Bekenntnis zum Stadion abgeben soll. Heller regt sich einerseits über die Kita-Pläne der Grünen am Stadion auf. Andererseits ist er genervt, dass sich die OB in die Debatte einmischt, noch bevor sich der Ortsbeirat mit dem CDU-Antrag zum Stadion befasst hat, der am Mittwoch behandelt wird. Die Gremien in den Stadtteilen fühlen sich ohnehin oft nicht ernst genommen. Ihre Beschlüsse sind nicht verbindlich, ihre Empfehlungen sollten es aber sein. Zu häufig werden sie nicht fristgerecht umgesetzt. Antwortschreiben aus dem Rathaus klingen bisweilen seltsam verschwurbelt.
Insofern mag Hellers Kritik in der Wortwahl überzogen sein. Aber was den frühen Zeitpunkt von Steinrucks Kommentar angeht, hat er Recht. Und den Vorwurf, dass die OB die Stadt am liebsten in Alleinregie regieren möchte, hört man auch nicht zum ersten Mal. Vielleicht sollten beide mal in Ruhe zusammen auf der Tribüne der Arena Platz nehmen und sich aussprechen. Im Stadion, das ist bekannt und sichtbar, wächst viel schneller als anderswo Gras über eine Sache …
SPD und Spielplätze: Gefährdet
Zigarettenkippen, Scherben, Bierflaschen und Chipstüten – auf manchen Spielplätzen sieht es morgens aus, als sei nachts eine Party gefeiert worden. Seit die Areale wieder betreten werden dürfen, türmt sich dort auch wieder Unrat. Da ist es folgerichtig, dass die SPD die Stadtspitze dazu aufgefordert hat, strenger zu kontrollieren und das Rauchverbot durchzusetzen. Statt eines öffentlichen Appells hätte wohl auch ein Anruf beim kommissarischen Umweltdezernenten Andreas Schwarz oder bei Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck genügt, sind ja beides Genossen. Nichtsdestotrotz ist es richtig, vor allem Erwachsene und ältere Jugendliche daran zu erinnern, was auf Spielplätzen erlaubt ist und was gar nicht geht. Vielleicht helfen auch deftige Bußgelder, damit die Uneinsichtigen endlich kapieren, dass sie mit ihrem asozialen Verhalten auch ihre eigenen Enkel, Kinder, Brüder oder Schwestern gefährden.
Kitas: Geöffnet
Die Kitas sollen im Juni für möglichst alle Kinder wieder öffnen. Mit dieser Aussage hat die rheinland-pfälzische Bildungsministerin die Kommunen ganz schön in die Bredouille gebracht. Die Erwartungshaltung war groß. Die Umsetzung des Ganzen ist – unter Corona-Spielregeln – ein Balanceakt. In Ludwigshafen sollen die Kinder an mindestens einem Tag pro Woche in die Einrichtungen kommen. „Ein Tag? Ist das ein Witz?“, fragen Eltern zu Recht. Vielen hilft das in der derzeitigen Betreuungsmisere nicht weiter. Für andere macht es die Situation sogar noch komplizierter. Anders lasse sich die Öffnung personal- und raumbedingt nicht umsetzen, heißt es. Da hat die Ministerin wohl zu viel versprochen.