Ludwigshafen
Die fiesen Tricks der Telefonbetrüger
Auch in Wohnheimen und sogar Pflegeeinrichtungen rufen die Betrüger an, erklärte Katja Brill, Leiterin der Polizeiinspektion 2, den Bewohnern im Seniorenwohnhaus August Wagner in Friesenheim. Brill ist eine der Initiatorinnen der gemeinsamen Informationsveranstaltung von Seniorenrat, Rat für Kriminalitätsverhütung und der Handballer von den Eulen Ludwigshafen. Die sollen in Person von Jan Remmlinger und Jannek Klein vor allem Selbstvertrauen vermitteln. „Wir wollen die Senioren nicht in der Opferrolle sehen, sondern sie sollen Stärke ausdrücken und Selbstsicherheit bekommen“, betonte Seyda Togan als Geschäftsführerin des „Krimirates“. Dabei helfen sollen Informationen, Rollenspiele und ganz einfache Vorgaben: „Wenn ich nicht weiß, wer am anderen Ende der Telefonleitung sitzt, dann lege ich einfach auf“, nannte Brill die einfachste Regel.
Die Rollenspiele, in denen die Seniorinnen und Senioren etwas über die Herangehensweise der Telefonbetrüger erfuhren, waren spannend. Alle konnte man nicht erklären, „denn es gibt zu viele unterschiedliche Tricks“, so Brill. Aber zumindest einen Einblick in die Grundzüge gab es. Eines dieser Telefonate beginnt in der Regel mit einer fröhlichen Frauenstimme und der Frage: „Kennst Du mich noch?“. Die zweite Variante ist in der Regel eine kernige Männerstimme und die Ansage: „Hallo, hier spricht Kriminalkommissar Müller von der Polizeiwache Oggersheim.“ Und beide funktionieren offenbar auch nach Jahren noch immer. „Sonst würden es die Betrüger ja nicht mehr versuchen“, sagte Martin Baumann, Leiter der Polizeiwache Oggersheim.
Ausnahmsweise nicht freundlich sein
„Im ersten Schritt des Gesprächs versuchen die Betrüger, Vertrauen aufzubauen und eine Verbindung herzustellen“, warnte Baumann. Deshalb sollte man nicht zu leichtfertig auf Fragen antworten. „Obwohl wir alle am Telefon immer gerne freundlich sein wollen.“ Hinter den Anrufen stecke jede Menge krimineller Energie. „Und dagegen muss man sich trainieren. So wie auch die Handballer jeden Tag für ihre Leistung trainieren müssen“, meinte Sozialdezernentin Beate Steg (SPD).
Die Bewohner in den Seniorenheimen zu sensibilisieren, sei sinnvoll. „Wir wollen, dass die Leute untereinander ins Gespräch kommen und miteinander diskutieren“, sagte Brill. Und: „Wir versuchen, auch die Mitarbeitenden zu sensibilisieren.“ Sie sollten hellhörig werden, wenn Bewohner mit hohen Bargeldsummen das Haus verlassen wollen. Und das ist die zweite Kernaussage der Veranstaltung: „Die Polizei ruft nicht einfach bei Privatpersonen an.“