Bundestagswahl 2021
Die Bilanz der krassen Außenseiter
Zu ihnen zählt Lieselotte Seiberth, 66, aus Hochdorf-Assenheim, die für die Internationalistische Liste/MLPD angetreten war und 159 Stimmen (0,1 Prozent) verbuchte. „Viele Menschen haben Olaf Scholz gewählt – nicht weil sie von seiner Politik überzeugt wären, sondern um Armin Laschet zu verhindern. Das kam auch dem SPD-Kandidaten und Wahlsieger Christian Schreider zugute“, bilanziert die einzige Frau im 13-köpfigen Bewerberfeld. Den Grünen sei es gelungen, die Menschen für die Illusion einer Schicksalswahl zu gewinnen. „Jetzt müssen die Günen liefern“, sagt Seiberth mit Blick auf deren Kandidat Armin Grau (62), der es über die Landesliste in den Bundestag geschafft hat.
Ihr Ergebnis und das für die MLPD hätte besser ausfallen können, räumt Seiberth ein. „Es spiegelt nicht den Zuspruch zu unserem Programm von den Menschen, die dann letztlich zähneknirschend ihre Stimmen taktisch vergeben haben“, meint Seiberth und ergänzt: „Die zu lösenden Menschheitsfragen werden sich nur im gemeinsamen aktiven Widerstand lösen lassen.“ Die Desillusionierung vieler junger Menschen über die zu erwartende Politik einer möglichen Regierung unter rot-grüner Führung werde diese zu verantworten haben, sagt die Hauswirtschaftsmeisterin.
„Habe überall Stimmen erhalten“
Einer der drei unabhängigen Einzelbewerber, die auf einen Stimmenanteil von 1,1 Prozent kamen, ist Bernd Hackel (47), Chemielaborant aus Mutterstadt, der in Ludwigshafen als Vorsitzender der Maudacher Alemannia-Fußballer bekannt ist. Er erhielt 432 Stimmen (0,3 Prozent). Sein Fazit: „Auf Bundesebene bestätigte sich der Trend der Meinungsumfragen. Im Wahlkreis habe ich mit einem Sieg der SPD gerechnet. Grüne und Liberale können sich nun aussuchen, wer unter ihnen Kanzler wird. Mit meinem Ergebnis bin ich zufrieden. Ich habe überall Stimmen erhalten. Am stärksten in den Orten, in denen ich bekannt bin.“ Vom Duo Schreider und Grau erwartet er, dass sich beide in Berlin „für die Angelegenheit des Wahlkreises einsetzen, auch wenn es gegen die eigene Fraktion oder Partei geht“. Sie seien den Menschen des Wahlkreises gegenüber verantwortlich, nicht einem Partei- oder Fraktionschef.
„Ja für echten Klimaschutz“
„Die Klimawahl 2021 ist entschieden“, sagt Martin Schöne (47) aus Mundenheim, der von der Klimaliste Rheinland-Pfalz unterstützt wurde. Er verfolgte den Wahlabend mit seiner Frau im Pfalzbau. Der technische Fachwirt gibt sich kämpferisch: „Wir werden uns auch weiterhin für die Klimaziele einsetzen und machen uns für ein robustes Rheinland-Pfalz stark.“ Er bedanke sich für jede einzelne Stimme, sagt Schöne. „Jedes Ja für die Klimaliste ist ein Ja für echten Klimaschutz in unserer Region und ein Ja für mehr Engagement für unsere Bürger, fernab von Lobbyismus und Interessengemeinschaften.“ Die künftigen Abgeordneten erinnert er an ihren Auftrag: „Unser Handeln entscheidet über die Wahrscheinlichkeit von Dürren, Überschwemmungen, tödlichen Hitzeperioden, den Anstieg des Meerwasserspiegels und vieles mehr.“ Die Klimaliste stehe jedermann mit ihrer wissenschaftlichen Expertise zur Verfügung und helfe gerne bei wichtigen Entscheidungen. „Es ist schließlich im Interesse aller, auf einem intakten Planeten mit gesunden Menschen und mit einer nachhaltigen Wirtschaft zu leben“, bilanziert Schöne, auf den 629 Stimmen (0,4 Prozent) entfielen.
Musiker und Musiklehrer Alexander Kiesow (53, die Basis) aus Hochdorf-Assenheim sammelte 1935 Stimmen (1,3 Prozent), Reiner Bechtel (56, unabhängig), Betriebsrat aus Bobenheim-Roxheim, kam auf 583 Stimmen (0,4 Prozent) und der Ludwigshafener Programm-Manager Markus Böhm (53, LKR) auf 202 Stimmen (0,1 Prozent). Zum Vergleich: Sieger Christian Schreider (49, SPD) holte 50.108 Stimmen (32,8 Prozent), Torbjörn Kartes (42, CDU) 38.193 Stimmen (25 Prozent) – zu wenige für eine Rückkehr in den Bundestag.