Ludwigshafen
Deutlich mehr Parkplätze für Anwohner
Einen kostenlosen Stellplatz fürs Auto zu finden, ist oft schwierig. Wer in der Innenstadt wohnt oder arbeitet, kennt das. Auch Anwohner müssen manchmal genervt viele Runden drehen, um eine Lücke zu finden. Die Problematik wird sich durch Großbauprojekte verschärfen: Der Abriss von Rathaus-Center und Hochstraße Nord sowie der Bau der ebenerdigen Helmut-Kohl-Allee werden zum Wegfall vieler Parkplätze in der Innenstadt führen.
Das Parkhaus des Rathaus-Centers (1100 Stellplätze) ist bereits geschlossen. Durch die Straßenbauprojekte im Süden fallen weitere Parkplätze weg. Gleichzeitig wächst die Nachfrage nach Parkmöglichkeiten: In der City finden sich die Firmenzentralen der Technischen Werke (TWL) und künftig der Pfalzwerke sowie das neue Polizeipräsidium am Südwestknoten (Heinigstraße) und das „Metropol“-Hochhaus am Berliner Platz – wenn es denn mal irgendwann gebaut wird.
Höhere Gebühren
Die Stadt hat sich daher Gedanken gemacht. Edeltraud Heller-Andor, Leiterin des Bereichs Straßenverkehr, hat am Dienstagabend in der Sitzung des Ortsbeirats Süd erläutert, was hinter dem Parkraumkonzept steckt, das im Oktober 2020 von einem Lenkungskreis in Auftrag gegeben wurde.
Die gute Nachricht für Süd und Mitte: Perspektivisch wird es 2631 Anwohner-Parkplätze geben und damit 206 mehr als bisher, und zwar in zumutbarer Entfernung (400 bis 600 Meter). Einen Rückgang werde es nur temporär gegeben durch Baustellen an der Hochstraße Süd oder fürs Polizeipräsidium, das 2027 bezugsfertig sein soll.
Die Flächen fürs Bewohnerparken (Jahresgebühr für einen Parkausweis: 30,70 Euro) grundsätzlich deutlich auszuweiten ist eines der Kernziele des Konzepts. Entlang der Straßen soll nur noch Kurzzeitparken möglich sein. Künftig soll’s zudem mehr Carsharing- und E-Ladestationen geben, so Heller-Andor.
Kostenlose Parkmöglichkeiten in den Straßen im Innenstadtbereich soll es grundsätzlich nicht mehr geben. Die Parkgebühren sollen zudem auf drei Euro die Stunde erhöht werden. „Dauerparker sollen verdrängt werden und auf Parkhäuser ausweichen“, verdeutlichte Heller-Andor. Dies käme neben den Bewohnern auch Handel und Gewerbe zugute, weil für deren Kunden Kurzzeitparkplätze leichter zu finden seien, erklärte sie.
„Wenn der politische Wille da ist“
Das Konzept hatte sie Anfang Mai bereits im Ortsbeirat Nord vorgestellt und angekündigt: Um den Wegfall der Parkflächen im Rathaus-Center und unter der Hochstraße Nord aufzufangen, sei der Bau eines neuen Parkhauses mit einigen Hundert Parkplätzen im Bereich der Dessauer Straße sinnvoll.
Während Heller-Andor im Ortsbeirat Nord erklärte, sie und ihr Team würden der Stadtspitze durchaus empfehlen, die Fußgängerzonen in der Bismarckstraße und der Prinzregentenstraße aufzulösen und in verkehrsberuhigte Bereiche umzuwandeln, äußerte sie sich am Dienstag vorsichtiger. Und zwar mit dem Zusatz: „Wenn der politische Wille da ist.“
Hintergrund: Allein in der Prinzregentenstraße gibt es rund 70 Anwohner, die durch die Fußgängerzone fahren müssten, um Garagen oder Stellplätze ihrer Wohnhäuser erreichen zu können. Zudem gebe es Leute, die sich nicht um das Durchfahrtsverbot scherten. Für die Stadt sei es unmöglich, eine autofreie Zone mit Kontrollen dauerhaft zu gewährleisten. Daher wäre eine verkehrsberuhigte Straße eine Möglichkeit, sich der Lage anzupassen. Denkbar sei dies auch in der Bismarckstraße, die keine Funktion als Einkaufsmeile mehr habe.
„Mehr Aufenthaltsqualität“
Ob der politische Wille da ist, die klassischen Fußgängerzonen abzuschaffen, ist aktuell kaum zu beurteilen. Wegen der zahlreichen Großbauprojekte lasse sich die langfristige Entwicklung der Innenstadt nur schwer absehen, sagte David Guthier (SPD). Eine klare Antwort auf die Frage, ob man die Fußgängerzonen in zehn oder 20 Jahren noch brauche, gebe es daher nicht. Was aber klar sei: „Die Stadt braucht mehr Aufenthaltsqualität und ein exzellentes Nahverkehrsangebot.“ Letztlich gehe es um ein integriertes städtebauliches Konzept. Jens Brücker vom Grünen Form Südliche Innenstadt pflichtete ihm bei und ergänzte: „Wir brauchen eine autoärmere Innenstadt und mehr Flächen, die sich zu Fuß, mit dem Rad, Bus oder Bahn erreichen lassen.“
Etwas enttäuscht zeigte sich Ortsvorsteher Christoph Heller (CDU) wegen der noch ungeklärten Parkplatz-Situation bei der Firma Abbvie, die ihren Bedarf auf dem Firmengelände decke. Somit könnten Stellflächen im Umfeld für Anwohner ausgewiesen werden. Heller-Andor versprach ihm, der Sache nachzugehen.