Ludwigshafen
Keine kostenlosen Parkplätze mehr
Wer in der Innenstadt wohnt oder arbeitet, kennt das Problem: Oft ist es schwierig, einen kostenlosen Stellplatz für das Auto zu finden. Die Anwohner müssen viele Runden drehen und sind deshalb sauer. Die Problematik wird sich durch Großbauprojekte verschärfen: Der Abriss von Rathaus-Center und Hochstraße Nord sowie der Bau der ebenerdigen Helmut-Kohl-Allee werden für den Wegfall vieler Parkplätze im Innenstadtbereich führen. Das Parkhaus des Rathaus-Centers (1100 Stellplätze) ist bereits geschlossen. Durch die Straßenbauprojekte auch im Süden fallen künftig weitere Parkplätze weg. Gleichzeitig wächst die Nachfrage nach Parkmöglichkeiten: In der City finden sich künftig die Firmenzentralen der Technischen Werke Ludwigshafen (TWL) und der Pfalzwerke sowie das neue Polizeipräsidium und das „Metropol“-Hochhaus .
Die Stadt hat sich deshalb Gedanken gemacht. Edeltraud Heller-Andor, Leiterin des Bereichs Straßenverkehr, hat am Donnerstag im Ortsbeirat Nördliche Innenstadt erstmals Einblicke in ein neues Parkraumkonzept gegeben. Und das birgt Neuerungen, die den öffentlichen Straßenraum in der Innenstadt (Mitte/Süd/Nord/West) komplett neu organisieren sollen.
Kernstück: Es soll keine kostenlosen Parkmöglichkeiten in den Straßen im Innenstadtbereich mehr geben. Die Flächen für das Bewohnerparken (Jahresgebühr für einen Parkausweis 30,70 Euro) sollen deutlich ausgeweitet werden. Entlang der Straßen soll nur noch Kurzzeitparken möglich sein. Die Parkgebühren sollen zudem auf drei Euro die Stunde erhöht werden. Das Ziel: Dauerparker sollen verdrängt werden und auf Parkhäuser ausweichen. Dies käme neben den Bewohnern auch dem Handel und Gewerbe zugute, weil für deren Kunden Kurzzeitparkplätze leichter zu finden seien, meinte Heller-Andor.
Zu viele kostenlose Plätze
„Wir haben uns gewundert, wie viel unbewirtschafteten Parkraum es in der Stadt gibt“, sagte die Leiterin des Bereichs Straßenverkehr. Im Vergleich zu den Nachbarstädten gebe es in Ludwigshafen viel mehr kostenlose Parkplätze. Gleichzeitig seien die Parkhäuser bei Weitem nicht ausgelastet. Dies lasse sich nur ändern, wenn alle Parkflächen gebührenpflichtig würden, eine hohe Parkgebühr fällig werde und nur Kurzzeitparken erlaubt sei. Davon würden vor allem die Anwohner profitieren, die leichter einen Platz für ihren Wagen in Bewohnerparkzonen fänden.
Allein im Hemshof könnte laut Heller-Andor die Anzahl der Stellplätze für das Bewohnerparken von aktuell 754 auf 1065 steigen. Um den Wegfall der Parkflächen im Rathaus-Center und unter der Hochstraße Nord aufzufangen, sei der Bau eines neuen Parkhauses mit einigen Hundert Parkplätzen im Bereich der Dessauer Straße sinnvoll.
Keine Fußgängerzonen mehr
Die Verkehrsexpertin hat der Stadtspitze außerdem vorgeschlagen, die Fußgängerzonen in der Bismarckstraße und der Prinzregentenstraße aufzulösen und in verkehrsberuhigte Bereiche umzuwandeln. Hintergrund: Allein in der Prinzregentenstraße gebe es rund 70 Anwohner, die durch die Fußgängerzone fahren müssten, um Garagen oder Stellplätze ihrer Wohnhäuser erreichen zu können. Zudem gebe es Leute, die sich nicht um das Durchfahrtsverbot scheren. Es sei für die Stadt unmöglich, eine autofreie Zone mit Kontrollen dauerhaft zu gewährleisten. Daher wäre eine verkehrsberuhigte Straße eine Möglichkeit, sich der Lage anzupassen. Möglich sei dies auch in der Bismarckstraße, die keine Funktion als Einkaufsmeile mehr habe.
Kritik an Gebühren
Die Fraktionen im Ortsbeirat Nord begrüßten einhellig, dass es mehr Bewohnerparkflächen im Hemshof geben soll. „Das Konzept ist ein Gewinn für uns alle“, meinte Dolly El-Ghandour (SPD). Kritik gab’s an den angedachten Kurzzeitparkgebühr von drei Euro pro Stunde, etwa von Gisela Witt (Grün) und Wolfgang Leibig (CDU). Anita Hauck (parteilos) erinnerte an Arbeitnehmer, die zu ihrem Job mit dem Auto fahren und durch das Konzept finanziell belastet würden. Bernhard Wadle-Rohe (Linke) kritisierte, dass die Anwohner nicht eingebunden worden seien. Für die Hemshöfer sei mit einer Verschlechterung zu rechnen, denn auch ein Bewohnerparkausweis ändere nichts daran, dass es oft eine Lotterie sei, ob man einen Parkplatz finde. „Ein Parkraumkonzept ist kein Wunschkonzert“, hielt Heller-Andor entgegen. Für die Bewohner werde sich die Lage verbessern. Belastungen für Auswärtige seien gewollt. Das Konzept werde noch vom Bauausschuss des Stadtrats beraten. Erste Schritte zur Umsetzung sollen im Herbst erfolgen.
Kommentar: Ein wichtiger Schritt
Seit Jahren wird über die Parkprobleme geredet. Das neue Konzept könnte helfen, sie zu lösen.
Den Bewohnern der Innenstadt den Vorrang beim Parken zu geben, ist ein richtiger Schritt. Das Ausweiten der Bewohnerparkzonen kann helfen, die Lage für Anwohner im Hemshof, in Mitte oder Süd zu verbessern. Doch auch das Konzept ändert nichts daran, dass hier viele Menschen mit (zu) vielen Autos auf engem Raum wohnen. Es wird weiterhin Probleme geben. Die bekommen auch die Pendler, die künftig einen Anreiz haben, um auf den Nahverkehr umzusteigen oder in Parkhäuser zu fahren. Dass aber Fußgängerzonen zugunsten des Autos aufgegeben werden sollen, ist keine gute Idee der Stadt.