Ludwigshafen / Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Das Wahlergebnis wirft viele Fragen auf

Am Ende gab’s noch Beifall: Sertac Bilgin wurde gefeiert.
Am Ende gab’s noch Beifall: Sertac Bilgin wurde gefeiert.

Die Wähler haben ihre Stimmen abgegeben. Die CDU hat den Wahlkreis Ludwigshafen/Frankenthal gewonnen. Doch wie geht’s jetzt weiter? Stimmungen und Reaktionen der Parteien.

Als um 18 Uhr die Prognose für das Bundestagswahlergebnis über den Bildschirm flimmert, bleibt es ruhig im Foyer des Frankenthaler Rathauses, wo die Wahlparty für den Wahlkreis 206 Ludwigshafen/Frankenthal stattfindet. Doch von Partystimmung kann erst mal keine Rede sein.

Niemand beklatscht die Ergebnisse seiner Partei. Keiner jubelt. Nur bei der hohen Wahlbeteiligung geht ein Raunen durch die Menge. Alle fragen sich: Wie geht es jetzt weiter in Berlin? Reicht es für ein Bündnis zwischen CDU/CSU und SPD? Oder sollen die Grünen noch als Mehrheitsbeschaffer für eine neue Bundesregierung miteinbezogen werden?

CDU: Skepsis vor Koalition mit den Grünen

„Ich bin sehr zufrieden, dass wir gewonnen haben. Aber wir werden keine Koalition um jeden Preis eingehen“, sagt der frühere CDU-Landeschef Christian Baldauf. Die Grünen sollten bei Koalitionsverhandlungen außen vorbleiben, fordert der 57-Jährige. Notfalls solle die Union eine Minderheitsregierung bilden, die sich je nach Thema wechselnde Mehrheiten sucht. „Mit den Grünen können wir keine Regierungsverantwortung übernehmen. Eine Minderheitsregierung ist keine Ideallösung, aber aus meiner Sicht eine Option“, sagt auch der Ludwigshafener CDU-Chef Torbjörn Kartes (45).

Sein Frankenthaler Kollege Martin Svoboda (44) sagt: „Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann wäre es schwarz-rot.“ Viel Lob gibt es von allen CDU-Politikern für den Direktkandidaten Sertac Bilgin, der mit großem Einsatz den Wahlkreis gewonnen habe. Eine Wahlrechtsreform zur Verkleinerung des Bundestags sei richtig gewesen, aber es sei unglücklich, dass Bilgin wohl nicht nach Berlin dürfe, sagt Kartes. Größere Wahlkreise zu bilden, könne so etwas verhindern.

AfD legt deutlich zu

Die AfD-Vorsitzenden in Ludwigshafen und Frankenthal, Johannes Thiedig (48) und Frank Marx (53), sind davon überzeugt, dass ein Dreier-Bündnis zwischen Union, SPD und Grünen nicht lange halten würde. „Jetzt liegt der Ball bei Friedrich Merz. Er muss eine Regierung bilden, die länger hält als die Ampel“, sagt Thiedig. Dabei seien die Schnittmengen zwischen Union und AfD groß – auch wenn Merz eine Koalition ausgeschlossen habe. Mit den Ergebnissen bei den Zweit- und Erststimmen sind die AfD-Vertreter zufrieden. „Wir haben sehr stark zugelegt“, sagt Marx.

Trübe Stimmung bei den Genossen (von links): Christian Schreider, Magali Leidig-Petermann und David Guthier.
Trübe Stimmung bei den Genossen (von links): Christian Schreider, Magali Leidig-Petermann und David Guthier.
Der Ludwigshafener CDU-Chef Torbjörn Kartes.
Der Ludwigshafener CDU-Chef Torbjörn Kartes.
Der Frankenthaler CDU-Chef Martin Svoboda.
Der Frankenthaler CDU-Chef Martin Svoboda.
Zufriedene Mienen bei den AfD-Vorsitzenden Johannes Thiedig (links) und Frank Marx.
Zufriedene Mienen bei den AfD-Vorsitzenden Johannes Thiedig (links) und Frank Marx.
Immer im Blick: Die Hochrechnungen und Prognosen im Fernsehen.
Immer im Blick: Die Hochrechnungen und Prognosen im Fernsehen.
Jubelstimmung sieht anders aus: Die Wahlparty im Frankenthaler Rathaus.
Jubelstimmung sieht anders aus: Die Wahlparty im Frankenthaler Rathaus.
Bis in die späten Abendstunden wurde eifrig ausgezählt. Die Wahlbeteiligung lag bei über 79,2 Prozent.
Bis in die späten Abendstunden wurde eifrig ausgezählt. Die Wahlbeteiligung lag bei über 79,2 Prozent.

Foto 1 von 7

Grüne offen für Dreier-Bündnis

Die Grünen in Ludwigshafen könnten sich eine Koalition mit der Union und der SPD vorstellen. „Man sollte nichts ausschließen. Die Alternative wäre, keine Regierung zu haben. Wir müssen das ausloten und der Verantwortung gerecht werden“, sagt Vorstandssprecher Matthias Jurczak (38). Er hätte sich ein besseres Abschneiden seiner Partei gewünscht, das Ergebnis sei dennoch solide. Mit Armin Grau vertrete ein Grüner den Wahlkreis in Berlin. Besorgniserregend sei das Abschneiden der AfD – dies müsse allen demokratischen Parteien zu denken geben.

Bitterer Abend für die SPD

Bei der SPD herrscht gedrückte Stimmung. „Olaf Scholz war offensichtlich nicht der richtige Kandidat. Das Scheitern der Ampel wird an ihm als Bundeskanzler festgemacht, das zeigt das Ergebnis“, sagt David Guthier, SPD-Chef aus Ludwigshafen. Magali Leidig-Petermann (43, SPD-Vorsitzende aus Frankenthal) meint: „Das ist ein bitterer Abend. Auch wenn die Ergebnisse nicht überraschend sind. Olaf Scholz war unser Spitzenkandidat. Aber für viele Wähler offensichtlich nicht.“ Beide Parteivorsitzende loben den SPD-Wahlkreiskandidaten Christian Schreider, der deutlich besser als seine Partei abgeschnitten habe. „Das ist ein sehr starkes Ergebnis. Ohne den Gegenwind aus Berlin hätte er es geschafft“, sagt Gregory Scholz, SPD-Unterbezirksvorsitzender.

x