Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Das Haus: Session ehrt Richie Beirach

Richie Beirachs Schüler und Freunde (von links): Kristina Shamgunova, Uli Schünemann, Nikolai Olshansky, Charlie Rees und Regina
Richie Beirachs Schüler und Freunde (von links): Kristina Shamgunova, Uli Schünemann, Nikolai Olshansky, Charlie Rees und Regina Litvinova. Später kam noch Sidney Corbett auf die Bühne.

Freunde und Schüler haben bei einer Memorial Session im Kulturzentrum Das Haus an Richie Beirach erinnert, einen der größten Jazz-Pianisten der vergangenen 50 Jahre.

Hier hat Richie Beirach bis zu seinem Tod Ende Januar oft bei Sessions mitgemacht. An dem schwarzen Klavier auf der Bühne hat er öfter bei den monatlichen Jam Sessions mitgespielt, die seine Freunde, der 2021 verstorbene Christian Scheuber, Regina Litvinova und Tobias Frohnhöfer im Kulturzentrum Das Haus gestartet hatten. Ohne großes Aufsehen spielte Beirach hier aus purer Freude an der Musik. Gewohnt hat er in Heßheim bei Frankenthal auf dem ehemaligen Gehöft der Familie Scheuber, auf dem auch Christian Scheuber und Regina Litvinova lebten. „Die Jazz WG“ nannten das Freunde und Bekannte. Nach seiner Emeritierung hat der ehemalige Professor der Leipziger Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ noch viel gespielt, Konzerte gegeben, Platten veröffentlicht. Und er hat mit seinen Kontakten internationale Stars zum „Jazz am Rhein“-Festival geholt, darunter seinen Freund und Duo-Partner am Saxofon David Liebman und Drummer Adam Nussbaum, der jetzt kürzlich auch wieder bei „Jazz im Park“ in Ludwigshafen war. „Das hier ist Richies Netzwerk“, sagte dort Charlie Rees, britischer Saxophonist und Beirach-Schüler.

Bach trifft Beirach

Die Memorial Session eröffneten Regina Litvinova an Klavier, Keyboard und Synthesizer und Saxofonist Rees als Duo. Dabei spielten sie einige Beirach-Stücke. Los ging es mit der „Siciliana“ von „Johann Sebastian Beirach“, wie Rees scherzhaft sagte. Tatsächlich hat der Bach-Verehrer Beirach ein Werk von Johann Sebastian Bach in eine Jazz-Form gebracht. Ganz im Sinne Beirachs (und Bachs) haben auch Rees und Litvinova darüber improvisiert. Ein weiteres Stück des Duos war zum Beispiel „Rectilinear“ mit einem recht abstrakten Thema. Für das Duo hat Litvinova ein tief melancholisches Stück geschrieben: „Empty House“, in dem sie das Gefühl des Vermissens und der Leere nach Beirachs Tod zum Ausdruck bringt. Im Zusammenspiel der beiden kam die Tiefe und Poesie ihrer Musik besonders gut zur Geltung.

Zum zweiten Set der Session kamen weitere Freunde und Weggefährten Beirachs aus der Metropolregion auf die Bühne. Mit dabei waren Trompeter Uli Schünemann, Saxofonistin Kristina Shamgunova, Komponist und Gitarrist Sidney Corbett und Bassist Nikolai Olshansky. Sie begannen mit dem Miles-Davis-Klassiker „Nardis“, den Beirach sehr mochte. Weiter ging es mit der Beirach-Komposition „ZAL“. Daraus entwickelte sich eine typische Session, bei der spontan jemand Stücke aufruft und je nach Lust und Laune Musiker mitspielen und solieren. Es war schön zu erleben, dass Richie Beirach ein lebendiges Erbe hinterlässt: Musiker, die durch ihn ein tieferes Verständnis von Jazz, insbesondere moderner Jazzharmonik entwickeln konnten. Sein Netzwerk aus Schülern und Freunden wird weiter bestehen und tolle Musik in die Metropolregion und darüber hinaus bringen.

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