Ludwigshafen
Jazz im Park: Fortsetzung folgt
Mit Adam Nussbaum war eine Schlagzeug-Legende am Start, eigens eingeflogen aus den USA. Er spielte unter anderem mit Michael Brecker, sowie John Scofield. Und er war nicht zum ersten Mal in Ludwigshafen.
„Das ist Richies Netzwerk, ohne ihn gäbe es diese Band nicht“, sagt Pianistin Regina Litvinova, einst Meisterschülerin von Richie Beirach, dem Jazz-Pianisten, der seinen Lebensabend in der Pfalz verbrachte. Die Projekt-Band „Celebrating John Coltrane at 100“ eröffnete den Abend. Das Ensemble bestand noch aus weiteren ehemaligen Beirach-Schülern: Charlie Rees am Tenorsaxofon kam natürlich eine besondere Rolle zu, wenn Saxophon-Gigant Coltrane gefeiert wird. Am Bass war Matis Regnault. Auf die Frage „wer kennt John Coltrane nicht?“ gab es eine schüchterne Meldung aus den Reihen der Zuhörer. Für diesen Neuling war das folgende Konzert eine prima Gelegenheit, sich einen Überblick über einen der wichtigsten Musiker des Jazz zu verschaffen.
Querschnitt aus John Coltranes Schaffen
Die Band spielte einen Querschnitt aus Coltranes verschiedenen Schaffensphasen. Coltrane spielte zunächst Altsaxophon, mit 20 Jahren wechselte er zum Tenorsaxophon, das sein Hauptinstrument wurde. Er übte wie besessen, oft bis zur Erschöpfung. Lohn der Mühe war eine bis dahin nie gehörte Virtuosität. „Trane“, wie er in Jazzkreisen gerufen wurde, spielte Akkordbrechungen so schnell, dass Jazzkritiker Ira Gitler für ihn das Wort „sheets of sounds“ (Klangflächen) prägte. Miles Davis holte ihn in seine Band – und feuerte ihn wieder wegen seiner Drogensucht. Coltrane erlebte eine spirituelle Erweckung und wurde clean und Davis holte ihn zurück für das berühmteste Jazz-Album aller Zeiten, „Kind of Blue“. Dort lernte er die Modale Spielweise, für die man in Ludwigshafen schöne Beispiele hörte. Es geht darum, nicht schnelle komplizierte Akkordwechsel zu spielen wie im Bebop, sondern gemeinsam Klangräume und bestimmte Tonleitern (Modi) zu erforschen. Das gelang der Band in der Konzertmuschel ganz faszinierend. Wesentlich beigetragen hat dazu Drummer Adam Nussbaum. Er spielte enorm feinfühlig und trotzdem energetisch kraftvoll. Das Zusammenspiel der Musiker war äußerst beeindruckend. Gerade bei modalen Stücken ist es die Herausforderung, lange Spannungsbögen aufzubauen, gemeinsam Texturen zu verdichten, Dramatik zu entfesseln. Regina Litvinova schaffte das zum Beispiel, wenn sie Solist Charlie Rees mit dichten spannungsvollen Blockakkorden unterstützte – ein Sound, der die Beirach-Schule anklingen lässt. Rees selbst beschreibt sich als stark von Coltrane beeinflusst – unterließ es aber, sich im Kopieren des Meisters zu versuchen. Rees spielt mit einer beeindruckenden Präsenz und einem festen kräftigen Ton, mit einer eigenständigen melodischen Sprache, die nicht in Coltranes Extreme geht.
Atmosphärische Musik
Weitere Phasen, die die Tribut-Band vorstellte, war Coltranes besondere Harmonik. Die „Coltrane Changes“ sind eine Akkordfolge, die tonale Zentren systematisch wechselt. Das klingt spannend und ist sehr schwer zu spielen, gelang der Band aber souverän. Coltrane schritt weiter zum freien Spiel und auch das wurde zumindest angerissen.
Hyperbloom, die zweite Band ist ein Projekt rund um die Pianistin und Visual Künstlerin Juliana Saib. Die Visuals, hier Animationsfilme zur Musik, wurden in die Kuppel der Konzertmuschel projiziert, kamen aber nicht voll zur Geltung, weil es noch zu hell war – sehr schade! Drummer Tobias Frohnhöfer, Bassist Matis Regnault und Trompeter Markus Meeb entwickelten gemeinsam wunderschöne atmosphärische Musik. Die Stücke haben einige Eckpunkte und Grundstrukturen, bieten aber sehr viel Freiraum für gemeinsame Improvisation und Interaktion. Wäre das doch noch ein lauer später Sommerabend gewesen ...
So wärmten sich die etwas mehr als 100 Zuhörer in Regenzeug eher von innen. Der Ort an sich ist toll, das Festival sollte unbedingt fortgesetzt werden und die Veranstalter, eine eigene Festival Initiative, haben das auch vor.