Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Claudia Michelsen war beim Filmfestival

War wieder in Ludwigshafen: Claudia Michelsen.
War wieder in Ludwigshafen: Claudia Michelsen.

Claudia Michelsen, in Ludwigshafen 2021 Jahr mit dem Preis für Schauspielkunst ausgezeichnet, war auf der Parkinsel. Sie stellte das Gehörlosendrama „Du sollst hören“ vor.

Gleich sechs Darsteller und mindestens doppelt so viele Teammitglieder, vom Kameramann bis zum Komponisten, waren angereist, um den Film zu einem großen Teil selbst zum ersten Mal zu betrachten. Als Teil dieser Riege war Claudia Michelsen diesmal nicht der herausgehobene Star, als der sie im vergangenen Jahr noch gefeiert wurde.

Ihre Rolle in „Du sollst hören“ ist die einer Richterin und ihre Funktion, die einer Identifikationsfigur, die den Blick der Zuschauer auf das eigentliche Thema hinlenkt. Eine vergleichbare Rolle übernahm die Schauspielerin nun bei der Uraufführung und überließ weitgehend den Gehörlosen die Bühne, in deren Welt der Film einführt.

In dem zu thesenhaften Drama spielt sie die Kölner Juristin Jolanda Helbig, die im strittigen Fall einer gehörlosen Familie zu einem gerechten Urteil finden muss. Mila, die zweijährige Tochter der Eberts, ist wie ihre Eltern gehörlos. Doch bei einer Untersuchung im Krankenhaus zeigt sich, dass ihr Hörnerv ausgebildet ist, und Mila mit dem Einsetzen eines sogenannten Cochlea-Implantats und entsprechender Förderung die Chance auf ein „normales“ Leben hätte. Nur die Eltern lehnen eine Operation ab. „Unsere Tochter ist gesund. Mila ist taub, nicht krank“, erklärt ihre Mutter gebärdensprachlich.

Gesunde Form der Integration

Dr. Rotschild (Kai Wiesinger), der Chefarzt der HNO-Klinik, schaltet daraufhin das Jugendamt ein und der Fall kommt vor Gericht. Für ihn ist die Sache nämlich klar. Natürlich, meint er, ist es besser, zu hören, als taub zu bleiben. Die Eberts hingegen verstehen seine Einmischung als respektlosen Übergriff in ihr Elternrecht und gar als Angriff auf ihre Art zu leben. Für Richterin Helbig erweist sich die Fragestellung als sehr komplex, und das Ergebnis erscheint ihr alles andere als eindeutig.

Es sei überfällig, meinte Claudia Michelsen, „genau diese Tür zu öffnen und sich um eine gesunde Form der Wahrnehmung und Integration zu kümmern“. Genau dafür sei sie als Schauspielerin doch da: „Geschichten zu erzählen, die Menschen bewegen und sensibilisieren in ihrer Haltung zu allem und jedem, was uns umgibt.“

Moment der Magie

Auf diese Weise das Bewusstsein zu erweitern, sei „die Aufgabe von uns Geschichtenerzählern“. Sie hoffe, erklärte sie gegenüber dem Publikum, „Sie tragen von dieser Geschichte ein bisschen etwas weiter in die Welt hinaus“.

Petra Katharina Wagner, die Regisseurin des Films, der streckenweise in die Handlungsmuster einer Soap-Opera verfällt, hat die Rollen der Gehörlosen tatsächlich mit Gehörlosen besetzt und ihre Hauptdarstellerin bei der ersten Leseprobe, noch vor den Dreharbeiten, auf diese Weise mit einem „Moment der Magie“ beschenkt. „Auf einmal passiert da etwas, wo alles wach werden muss“, vergegenwärtigte Michelsen dieses Geschehen in Ludwigshafen.

Andere Form der Sprache

„Weil eine andere Form der Sprache stattfindet“, die einen besonderen Grad an Aufmerksamkeit erfordere, eine ungewohnte Art, sich gegenseitig wahrzunehmen und miteinander zu kommunizieren. „Das war für mich eigentlich das größte Geschenk dieses ganzen Drehs.“

Die Gehörlosen unter den Schauspielern wie die zahlreichen Gehörlosen im Publikum waren es gewohnt, stumm ihren Applaus zu spenden, indem sie mit den erhobenen Händen wedeln. Ganz so, wie es ohnehin der aktuellen Maßgabe des Festivals in Ludwigshafen entspricht, das nach 22 Uhr nur noch derartige Beifallsbekundungen zulässt. So luden der Film wie das anschließende öffentliche Gespräch zu einem Perspektivwechsel ein.

Mit Hilfe ihrer Hilfe und Unterstützung von Dolmetschern wurde es möglich, sich versuchsweise in die Lage Gehörloser zu versetzen. Dabei wurde sichtbar, was möglich ist, wenn Menschen, die sonst in parallelen Teilen der Gesellschaft nebeneinander her leben, aufeinander zugehen. Es lohnt sich, war zu erfahren, einander zuzuhören und miteinander zu sprechen. Egal in welcher Sprache.

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