Ludwigshafen
Im Restaurant mit kriminellen Typen
„Unsere Preisträger sind zu zweit, in jeder Hinsicht“, führte Festivalintendant Michael Kötz die beiden Gäste ein. „Sie sind ein Ehepaar und sie sind ein Autorenduett.“ Mehr als 130 verfilmte Drehbücher zählte er, darunter fast 50 Folgen der Serie „SOKO Leipzig“, sieben „Tatorte“ oder fünf Mal „Ein starkes Team“. Ungleich mehr, bis in die Tausende, überschlugen die Autoren großzügig selbst, wenn sie ihre bislang unverfilmten Vorlagen und die Konzepte, die sie erfolglos entworfen haben, mitrechneten. 1992 mit der ZDF-Comedy-Serie „Bistro, Bistro“ gestartet, haben sie 2022 ein Jubiläum, kalkulierte Kötz weiter: „30 Jahre sind sie heute gemeinsam tätig – unser Preis kommt absolut fristgerecht.“
Eva und Volker A. Zahn bezeichneten es als großartig, dass das Ludwigshafener Festival „die Drehbuchautoren nach vorne holt“. Fünf einschlägige Preise wurden hier seit 2013 bereits vergeben. Andere Filmfestivals könnten sich von dieser raren Initiative „eine dicke Scheibe abschneiden“, wünschte Volker Zahn. Er kommt aus dem Sauerland, seine Frau ist eine gebürtige Karlsruherin, zusammen leben und arbeiten die beiden in Köln. Wie es dort dazu gekommen war, dass sie als Quereinsteiger von dem Produzenten Georg Althammer („Ein Fall für zwei“) und dem mittlerweile verstorbenen Werner Kließ entdeckt, angeregt und angelernt wurden, berichteten sie nach der Uraufführung ihres dritten Borowski-„Tatorts“ (mit Axel Milberg in der Titelrolle) ebenso wie sie für die Zukunft versprachen, dass noch lange kein Ende in Sicht sei.
Drama als auch Komödie möglich
„Wir sind nach all den Jahren immer noch nicht fertig und haben noch viel zu erzählen. Wir sind immer noch neugierig und wollen gerne unterschiedliche Ansätze und Erzählformen ausprobieren“, verkündete Eva Zahn, die als Journalistin einst sowohl für Frauenzeitschriften wie „Petra“ als auch für Herrenmagazine wie den „Playboy“ geschrieben hat. Später war sie Redakteurin und Chefin vom Dienst für verschiedene RTL-Fernsehformate. „Die Ideen liegen rum“, ergänzte ihr Mann und Co-Autor, der als Journalist und Redakteur, darunter ebenfalls für den „Playboy“, begonnen hat. „Sie stehen in der Zeitung, sie entwickeln sich manchmal aus einer Begegnung oder aus einem Drama im Freundeskreis. Es gibt alle Möglichkeiten.“
Sobald ein geeigneter Grundgedanke gefunden sei, „gehen wir in uns und gucken, wofür könnte das taugen. Ist das ein Kriminalfall, ist das ein Drama oder ist es vielleicht eine Komödie?“ Dabei liegen die genannten Genres bisweilen nah beieinander. Aus ein und demselben Stoff ließe sich manchmal ebenso gut ein Drama wie auch eine Komödie stricken. Der Nachfrage wegen entscheiden die Zahns sich dann meistens für einen Krimi.
Wandern und brainstormen
„Aber es geht auch ohne Polizei“, wie Michael Kötz in seiner Laudatio treffend formulierte. So gehen ebenfalls ein Oswalt-Kolle-Porträt („Kolle – Ein Leben für Liebe und Sex“), eine Teenie-Komödie („Plötzlich berühmt“), Dramen, die Satire „Goldjungs“ oder Themenfilme, etwa über das Unglück bei der Duisburger Loveparade („Das Leben danach“) oder das Risiko der Antibabypille („Was wir wussten – Risiko Pille“) auf Bücher der Zahns zurück.
„Wir laufen sehr viel rum, wandern viel und brainstormen“, beschrieb Volker Zahn, wie sie auf einen derart umfangreichen Ausstoß kommen. Dabei helfe ihre gemeinschaftliche Arbeit auch gegen die Langeweile, offenbarte Eva Zahn, wie man sich das Privatleben des Autorenehepaars vorstellen muss. „Tatsächlich sind die Menschen, die in unseren Filmen auftauchen, wie gute Freunde oder Bekannte für uns. Wir reden mit denen und wir reden über die“, so die 61-Jährige. „Ich kann das als Paartherapie sehr empfehlen“, ergänzte der ein Jahr jüngere Volker. „Es gibt ja Paare, die sitzen abends im Restaurant stundenlang am Tisch und haben sich nichts zu sagen. Bei uns sitzen immer Typen, Frauen oder Kriminelle, interessante Leute mit am Tisch. Das ist schon schön.“


