Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Bei Rot gehen, bei Grün stehen? Wie eine Ampel in LU-City für Verwirrung sorgt

Kurios: Das rote Ampelmännchen fordert auf, loszulaufen.
Kurios: Das rote Ampelmännchen fordert auf, loszulaufen.

Jeder kennt: „Bei Rot bleibst du stehen, bei Grün kannst du gehen.“ Ein kurioser Fehler an einer Ludwigshafener Ampel sorgt für Verwirrung. Die Stadt reagiert schnell.

Ob im Auto, auf dem Fahrrad oder als Fußgängerin oder Fußgänger – wir verlassen uns darauf, dass Ampeln uns den sichersten Weg durch den öffentlichen Raum zeigen. Umso verlorener sind wir, wenn sie das nicht tun. Für Verwirrung sorgte in Ludwigshafen kürzlich eine Fußgängerampel an der Ecke Heinigstraße/Benckiserstraße in der Stadtmitte. Zwar befanden sich die Farben genau dort, wo sie hingehörten, jedoch lief das rote Ampelmännchen, während das grüne stand. Dieses ungewöhnliche Bild wurde von einer Leserin eingefangen.

Die RHEINPFALZ fragte deshalb bei der Stadtverwaltung nach und deren Sprecher kann den kuriosen Vorfall schnell aufklären. Beim Wechseln der LED-Birnen in der Ampelanlage wurden die Masken mit den Symbolen vertauscht, was zuerst nicht auffiel. So stand in der Innenstadt für eine kurze Zeit eine „verwirrte“ Ampel, deren Männchen nicht den gängigen Verkehrsregeln folgten. Die Verwechslung wurde von der Stadt aber schnell erkannt, sodass Fußgängerinnen und Fußgänger sich nun wieder auf die Eindeutigkeit der Signale an der Kreuzung verlassen können.

Das grüne Männchen singnalisiert: Bitte nicht laufen.
Das grüne Männchen singnalisiert: Bitte nicht laufen.

1952 erste Ampel in LU

Vorfälle wie dieser werfen Fragen auf: Seit wann gibt es eigentlich Ampeln? Und ginge es auch ganz ohne, trotz des hohen Verkehrsaufkommens in unseren Städten? Die weltweit erste, mit Gaslicht betriebene Ampel wurde im Jahr 1868 in London am Parliament Square aufgestellt, explodierte allerdings schon nach kurzer Zeit. Danach wurde das Projekt Ampel zunächst auf Eis gelegt, bis Anfang des 20. Jahrhunderts das elektrische Lichts etabliert wurde. In Deutschland ging die erste Ampel 1924 am Potsdamer Platz in Berlin in Betrieb. Nach und nach kamen mit der Verbreitung des Individualverkehrs schnell mehr Lichtsignalanlagen dazu und entlasteten die Polizei, deren Beamte zuvor oft auf vielbefahrenen Kreuzungen den Verkehr per Handzeichen regeln mussten.

1952 wurde eine erste Ampel in Ludwigshafen an der Jubiläumstraße/Mundenheimer Straße am Pfalzbau installiert. Die nach ihrem Erfinder so benannte Heuer-Ampel signalisierte mit roten und grünen Kreissegmenten die Ampelphasen, die durch einen langsam im Uhrzeigersinn drehenden weißen Zeiger markiert wurden. Es gab auf der Ampel nur Grün und Rot – die Warnfarbe Gelb fehlte. 1972 wurde die Straßen-Verkehrsordnung (StVO) modernisiert. Dieser Ampel-Typ war nicht mehr zulässig und wanderte ins Museum – unter anderem ins Deutsche Straßenmuseum in Germersheim.

Ab 1972 heutiger Typ im Einsatz

Das Zeitalter der vollautomatischen Lichtsignalanlagen mit drei Farben war angebrochen. Erstmals wurde im Januar 1972 in Ludwigshafen eine solche Ampel in Betrieb genommen – an der vielbefahrenen Kreuzung Schlachthof-/Rohrlachstraße im Stadtteil Nord. Doch noch etwa zwei Jahrzehnte war menschliche Unterstützung bei der Verkehrsregelung gefragt. Mitten auf wichtigen Straßenkreuzungen wurden zu Stoßzeiten Podeste aufgestellt, auf denen Verkehrspolizistinnen dafür sorgten, dass der Verkehr in der Stadt floss. Heute gibt es einen Verkehrsrechner, der Daten zum Verkehrsaufkommen in der Stadt in Echtzeit sammelt und die 164 Ampeln im Stadtgebiet steuert.

Mittlerweile sind Ampeln aus dem Verkehr in unseren Städten nicht mehr wegzudenken. Zwar gibt es kleinere Dörfer, die ohne auskommen, aber in größeren Orten geht es eigentlich nicht ohne. Oder? Nicht unbedingt. Der Verkehr der ostwürttembergischen Stadt Oberkochen mit knapp 8000 Einwohnern funktioniert komplett ohne Ampeln. Und es gibt sogar Großstädte, die auf Ampeln im Straßenverkehr verzichten – allerdings nicht in Deutschland. So findet man in der bhutanischen Hauptstadt Thimphu keine einzige Ampel. Der Verkehr wird hier komplett von der Polizei geregelt, trotz der fast 140.000 Einwohner. Auch Kota, eine indische Stadt im Bundesstaat Rajasthan, kommt ohne aus. Besonders hierbei ist, dass die Millionenstadt Ampeln hatte, diese aber im Zuge eines beispiellosen Projekts abbaute und durch ein clever durchdachtes Straßensystem ersetzte. Nun verzeichnet die Stadt weniger Staus, besser fließenden Verkehr und weniger Luftverschmutzung.

Neues Verkehrsleitsystem

Das soll auch in Ludwigshafen erreicht werden: Seit Sommer 2022 gibt es das neue UVM-Verkehrsleitsystem in Ludwigshafen. Insgesamt zehn Informationstafeln und 16 Parkleitschilder sind laut Verwaltung im Stadtgebiet errichtet worden. Knapp 50 Zählgeräte erfassen an den wichtigsten Straßen das Verkehrsaufkommen sowie auch den Fahrzeugtyp (Pkw oder Lkw). Erfasst werden auch Baustellen sowie Wetter- und Schadstoffdaten von Messstationen. Die Daten landen im Verkehrsrechner, der bei der Steuerung des Verkehrs auch die Luftverschmutzung durch Autoabgase berücksichtigen kann.

Bei Staus oder wenn zu viele Schadstoffe in der Luft sind, greift der Rechner ein und soll den Verkehr so lenken, dass sich die Probleme reduzieren – zum Beispiel mit längeren Grünphasen an Ampeln. Das Ziel: Der Verkehr soll fließen, und so sollen weniger Abgase freigesetzt werden – deswegen lautet der Name des neuen Systems: Umweltsensitives Verkehrsmanagement (UVM). Der Härtetest für das System steht noch aus: Der Abriss Hochstraßen soll es ein Verkehrschaos verhindern und den Verkehr weiträumig umleiten. Voraussetzung dafür ist, dass alle Ampeln richtig funktionieren und keine Verwirrung stiften.

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