Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel BASF-Großschadensübung: Was, wenn brennbares Gas austritt?

 Mit meterhohen Wasserstrahlen kühlt die Werksfeuerwehr die Gefahrenstelle.
Mit meterhohen Wasserstrahlen kühlt die Werksfeuerwehr die Gefahrenstelle.

Zwei Gaslecks, ein Brand und elf Vermisste stehen im Mittelpunkt der Großschadensalarmübung der BASF. Für die Werksfeuerwehr ist dieses Szenario eine besondere Herausforderung.

Ein lauter Hupton dringt aus der TBA-Anlage in der Mitte des BASF-Werksgeländes. Wenige Minuten später stehen zwei Mitarbeiter der Anlage mit Warnwesten und weiß-roten Fahnen davor und weisen die Feuerwehrautos ein, die mit Blaulicht und Martinshorn von zwei Seiten anrücken.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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Die TBA-Anlage ist der Schauplatz der diesjährigen Großschadensalarmübung, bei der Werkfeuerwehr, Rettungsdienst, Umweltüberwachung und Standortsicherheit gemeinsam den Ernstfall proben. In dem Szenario, das Andreas Huber von der Werkfeuerwehr für seine Kollegen geplant hat, versagt eine Dichtung in der Isobutendosierung. Isobuten ist ein stark brennbares Gas, das in Kombination mit Luft ein zündfähiges Gemisch ergibt. Weil es sich ab einer Temperatur von 465 Grad selbst entzündet, kann der Brand erst gelöscht werden, wenn das Leck beseitigt ist. „Nachströmendes Gas würde sich sonst direkt wieder entzünden“, erklärt Catharina Horstmann, die seit dem vergangenen Jahr die TBA-Anlage leitet. Dort werden Stoffe hergestellt, die unter anderem für kratzfeste Beschichtungen verwendet werden.

Gasaustritt und Verpuffung

Im Szenario kommt es durch den Austritt von Isobuten zu einer Verpuffung auf neun Metern Höhe mit anschließendem Brand. Elf Mitarbeiter, die sich auf einem Instandhaltungsrundgang durch die Anlage befinden, werden zunächst vermisst und müssen gerettet werden. Als zweite Schwierigkeit für die Einsatzkräfte kommt hinzu, dass durch den Brand auf einer anderen Ebene des Gebäudes, sechs Meter unter der Erde, Ammoniak austritt, das im Betrieb als Kältemittel eingesetzt wird. Wegen des ätzenden und giftigen Gases müssen die Feuerwehrleute spezielle Schutzkleidung tragen.

Rund 100 Personen sind im Einsatz.
Rund 100 Personen sind im Einsatz.

Dass sich ein Vorfall dieser Art schon einmal ereignet hat, sei ihm nicht bekannt, sagt Huber der RHEINPFALZ. Die Wahl der TBA-Anlage für die Übung ergibt sich daraus, dass diese in die Zeitplanung des Betriebs passt. Dann geht es für ihn als Leiter der Übung darum, anhand der Informationen über den Betrieb ein „realitätsnahes Szenario“ zu finden.

Transparenz für die Nachbarn

Zusätzlich zu den jährlich rund 200 Alarmübungen und weiteren Maßnahmen zur Gefahrenabwehr findet seit 1990 zwei Mal im Jahr die Großschadensalarmübung statt. Zu einer davon lädt die BASF Vertreter von Behörden, anderen Feuerwehren, Politik und Medien sowie Anwohner ein, die Übung mit rund 100 Einsatzkräften und 40 Fahrzeugen vor Ort mitzuverfolgen. Mitarbeiter der Öffentlichkeitsarbeit und der beteiligten Gewerke erklären den Zuschauern die Vorgänge. Standortleiterin Melanie Maas-Brunner betont: „Wir wollen offen und transparent sein und damit eine Basis für Vertrauen legen.“

BASF-Azubis spielen bei der Übung die Verletzten, die gerettet werden müssen.
BASF-Azubis spielen bei der Übung die Verletzten, die gerettet werden müssen.

Stellen die Sensoren in der TBA-Anlage einen Gasaustritt fest, wird von der Messwarte aus der Alarm ausgelöst. Für die Mitarbeiter der Anlage und der umliegenden Betriebe ist das das Zeichen, sich von der Anlage weg zu den Sammelpunkten zu begeben. Schon bevor die Feuerwehr eintrifft, weisen LED-Schilder darauf hin, dass die Straßen rund um den Einsatzort gesperrt sind, und zeigen eine Umleitung an.

Dadurch, dass die Mitarbeiter sich beim Betreten der Anlage elektronisch anmelden und am Sammelplatz wieder abmelden müssen, wissen die Einsatzkräfte schnell, wer noch als vermisst gilt. Bei einem Brand dieser Größe rücken die Löschzüge Nord und Süd der Werksfeuerwehr aus; ein Zug der Ludwigshafener Betriebsfeuerwehr übernimmt währenddessen die Feuerwache Süd für den Fall, dass es einen weiteren Einsatz gibt.

Turbolöscher im Einsatz

Während die Feuerwehrleute die ersten der elf Vermissten – gespielt von Auszubildenden der BASF – zu den Rettungskräften bringen, die außerhalb der Gefahrenzone ihren Triageplatz eingerichtet haben, fahren die Turbolöscher der beiden Löschzüge in Position. Mit einem Dröhnen, ähnlich dem eines Flugzeugs beim Start, gehen deren Turbinen in Betrieb. „Damit erreichen wir einen feinen Wassernebel über große Distanzen und einen hohen Kühleffekt“, erklärt Alexander Bentz von der Werksfeuerwehr. „Wenn wir den Brand nicht löschen dürfen, müssen wir das Umfeld kühlen.“ Außerdem werde durch den Wassernebel das ausgetretene Ammoniak gebunden und die Belastung der Umwelt verringert.

Bevor der Brand gelöscht werden kann, muss die Umgebung gekühlt werden.
Bevor der Brand gelöscht werden kann, muss die Umgebung gekühlt werden.

Nachdem die Gaslecks beseitigt sind, der Brand gelöscht ist und die Schwerverletzten in den fünf angerückten Rettungswagen untergebracht sind, sind andere Gewerke am Zug. Aufgabe der Wasserwehr ist es, sich darum zu kümmern, dass das Löschwasser getrennt vom regulären Abwasser abgefangen wird. Die Umweltüberwachung überprüft mithilfe von Messwagen, ob die Schadstoffkonzentration in der Luft höher ist als gewöhnlich. Für Mitarbeiter, die den Unfall zwar miterlebt haben, selbst aber nicht körperlich verletzt sind, bietet das Kriseninterventionsteam psychosoziale Hilfe an.

Zufriedene Einsatzleiter

Bei der Nachbesprechung des Einsatzes zeigen sich Gert van Bortel, Leiter der Werksfeuerwehr, und Übungsleiter Andreas Huber zufrieden. „Wir haben viele Automatismen gesehen und das ist gut so“, sagt van Bortel. Vor allem der Eigenschutz der Feuerwehrleute habe gut funktioniert.

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